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Bundesärztekammer: Raucher sollen als Kranke gelten

Tabakkonsum ist eine Krankheit, die behandelt werden muss, meint die Bundesärztekammer. Auf einer Bundestagsanhörung über das Nationale Aktionsprogramm zur Tabakprävention fordert sie, Raucher als Süchtige einzustufen. Das verbessere die Therapiechancen.

Rauchen ist nicht nur ein Lifestyle-Problem. Eine solche Ansicht werde der Problematik nicht gerecht, meint die Bundesärztekammer (BÄK) in einer Stellungnahme zu der am heutigen Montag stattfindenden Anhörung der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD). Darin geht es um das Nationale Aktionsprogramm zur Tabak- und Alkoholprävention.

Zigarettenkippen: Abhängig vom Rauchen
DPA

Zigarettenkippen: Abhängig vom Rauchen

Die vom Drogen- und Suchtrat empfohlenen Strategien zur flächendeckenden Raucherentwöhnung griffen demnach zu kurz, heißt es in der Vorab-Stellungnahme der BÄK, die SPIEGEL ONLINE vorliegt. Tabakabhängigkeit sei nicht allein "durch reine Willensanstrengungen oder Gruppengespräche zu beheben". Verkannt werde, "dass es sich bei der Mehrzahl der Raucher um Abhängigkeitserkrankte" handele, die körperliche Entzugserscheinungen, starken Drang zum Tabakkonsum und eingeschränkte Kontrollfähigkeit über Beginn, Beendigung und Menge des Konsums hätten.

Die Bundesärztekammer fordert daher, der Gemeinsame Bundesausschuss solle Tabakabhängigkeit als Krankheit anerkennen und die entsprechenden "vergütungsrechtlichen Rahmenbedingungen" für eine Behandlung schaffen. So könnten Mediziner, die berufsbedingt über einen guten Zugang zu Rauchern verfügten, mit einer 20-stündigen Weiterbildung die Qualifikation zur "ärztlichen Tabakentwöhnung" erlangen.

Handlungsbedarf an Haupt- und Berufsschulen

Die BÄK kritisierte zudem Vorschläge des Drogen- und Suchtrates, nach denen Ärzte motiviert werden sollen, Patienten auf Nichtraucherkurse anzusprechen. Diese Empfehlungen griffen zu kurz. Nichtraucherkurse seien regional kaum verfügbar und erreichten überwiegend Versicherte mittlerer und höherer Schichten, in denen es weniger Raucher gebe. Besonders großen Handlungsbedarf gebe es jedoch bei der Prävention an Haupt- und Berufsschulen.

Zur Alkoholprävention fordert die Bundesärztekammer eine bessere Aufklärung vor den Gefahren eines gleichzeitigen Konsums von Alkohol und Medikamenten. Hier seien auch Apotheker und Arzneimittelhersteller gefragt.

Zu den Forderungen der Bundesärztekammer wollte das Bundesministerium für Gesundheit auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE heute noch nicht Stellung nehmen. Zunächst solle die Anhörung im Bundestag beendet werden, voraussichtlich morgen werde es dann einen Bericht von der Drogenbeauftragten geben.

hei/ddp

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