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Bundesdrogenbeauftragte: Zigaretten-Schockbilder kommen spätestens 2010

Die Bundesregierung macht Ernst im Kampf gegen das Rauchen: Bis Ende 2010 sollen Schockbilder auf Zigarettenpackungen eingeführt werden, kündigte die Drogenbeauftragte Sabine Bätzing an. Mediziner und Krebsforscher begrüßten die Entscheidung.

Berlin - Sollen Raucher mit drastischen Fotos von Tumoren, Raucherlungen oder faulenden Zähnen immer wieder an die möglichen Folgen ihres Tuns erinnert werden? Darüber hat die große Koalition in Berlin jahrelang gestritten, obwohl die Schockfotos international bereits seit langem genutzt und empfohlen werden. Im März hatte die Bundesregierung sogar einen Rückzieher gemacht: Die teils ekelerregenden Bilder sollten den Deutschen vorerst erspart bleiben, hieß es damals.

Nun hat die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, angekündigt, dass die umstrittenen Fotos bis Ende 2010 auf Zigarettenpackungen und anderen Tabakprodukten prangen sollen. Derzeit würden entsprechende Bilder noch bis zum Herbst von der Europäischen Kommission analysiert und evaluiert, sagte Bätzing am Freitag in Berlin.

Das federführende Verbraucherschutzministerium habe "die ganz klare Absicht", diese Warnhinweise anschließend in die Praxis umzusetzen. "Dann wird zwangsläufig die neue Regierung diese bildgestützten Warnhinweise übernehmen", erlärte Bätzing. Schon jetzt gebe es innerhalb der Regierung einen Konsens zu der Entscheidung. Großen Widerstand gegen die Fotos gab es von der Tabakindustrie.

Geplant ist, neben kurzen Texten zu den Gefahren des Rauchens auch kleine Bilder auf die Verpackungen von Tabakprodukten zu drucken. "Bildgestützte Warnhinweise informieren mit jedem Griff zur Zigarette unmissverständlich über die bestehenden Gefahren, machen so das Rauchen unattraktiv und zeigen auf der Verpackung die wahre Werbebotschaft: Rauchen ist tödlich", sagte Bätzing.

Die Bundesärztekammer begrüßte die Pläne der Drogenbeauftragten. "Rauchen ist erwiesenermaßen lebensgefährlich und deshalb kann man nicht drastisch genug vor den Folgen des Tabakkonsums warnen", sagte Bundesärztekammer-Präsident Jörg-Dietrich Hoppe. Schockierende Bilder auf Tabakverpackungen und Zigarettenschachteln seien wirkungsvolle Warnhinweise.

Nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums haben schockierende Bilder deutliche Vorteile. Wie die Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention des Zentrums, Martina Pötschke-Langer, sagte, sind kombinierte Warnhinweise aus Bild und Text wirksamer als ein Text allein. "Die zumeist drastischen Darstellungen der Folgekrankheiten des Rauchens lösen häufig negative Emotionen aus." Solche Reaktionen erhöhten die Wahrscheinlichkeit, dass Raucher ihren Konsum reduzieren und motiviert werden, mit dem Rauchen aufzuhören. Außerdem erreichten die Bildwarnhinweise auch Leute, die selten oder gar nicht lesen können, sowie Raucher, die die Landessprache nicht lesen oder sprechen können.

hda/dpa

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