Umweltpolitik Deutschland verfehlt Klimaschutzziele deutlich

Deutschland wird seine Verpflichtungen beim Einsparen von Treibhausgasen bis zum Jahr 2020 nicht erfüllen. Eine neue, eigene Prognose der Regierung fällt noch einmal schlechter aus als in den Jahren zuvor.

DPA Kühltürme eines Braunkohlekraftwerks in Brandenburg
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In dieser Woche hat die Bundesregierung eine Kommission eingesetzt, die den Ausstieg aus der Kohle vorbereiten soll. Wie dringlich deren Aufgabe ist, können die Bürger nächste Woche erfahren: Dann verabschiedet das Bundeskabinett den Klimaschutzbericht 2017. Ein Entwurf, der dem SPIEGEL vorliegt, enthält Zahlen, die für Klimakanzlerin Angela Merkel wie ein Offenbarungseid wirken.

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Heft 24/2018
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Demnach verfehlt Deutschland seine selbst gesetzten Klimaziele für das Jahr 2020 um acht Prozentpunkte. Ursprünglich wollte die Regierung die Treibhausgasemissionen bis 2020 um 40 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 senken; nun werden wohl nur 32 Prozent deutschlandweit eingespart. Das steht nach Informationen des SPIEGEL im Entwurf des Klimaschutzberichts, den das Kabinett kommende Woche verabschieden soll. Bislang hatte die Regierung eine Lücke von "fünf bis acht Prozentpunkten" prognostiziert.

Als Gründe für die Verschlechterung führen die Fachbeamten auch die "unerwartet dynamische Konjunkturentwicklung sowie das unerwartet deutliche Bevölkerungswachstum" an. Allerdings räumt die Bundesregierung ein, dass ihr "Aktionsprogramm Klimaschutz 2020" nicht die erwartete Wirkung erzielt habe.

"Für Bundeskanzlerin Angela Merkel sind die neuen Zahlen das Eingeständnis, viel über Klima zu reden, aber wenig zu liefern", sagte die Grünenvorsitzende Annalena Baerbock dem SPIEGEL.

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insgesamt 85 Beiträge
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lalito 09.06.2018
1. Wo die eine Dame die andere trifft
Perfektes Statement in einem Satz. Eine konsequente Einbindung der Verursacher ist in den letzten Jahren nicht erfolgt. Denn bspw., anstatt der Autoindustrie klare Vorgaben bezüglich der Einhaltung der Prüfstandrichtlinien bezüglich des Schadstoffverhaltens auf der Straße zu machen, wird der Verursacher des Rückganges der Diesel-KFZ-Verkäufe, und damit einer erheblichen Steigerung des CO2-Ausstoßes, gepampert und die Richtlinienkompetenz lässt sie einfach davonkommen. Treffer, versenkt. Frau Baerbock, Chapeau!
Palmstroem 09.06.2018
2. Verträge sind nur Papier
Deutschland wird seine Verpflichtungen beim Einsparen von Treibhausgasen bis zum Jahr 2020 nicht erfüllen. Macht nichts, dafür werden die USA ihre Ziele einhalten.
HH1960 09.06.2018
3. Wieder nichts geschafft
Fr. Merkel wird für nachfolgende Generationen zu einer exorbitanten Belastung, denn unsere Kinder und Enkel werden ungezählte Milliarden Euro an zusätzlichen Belastungen zur Bewältigung des Klimawandels schultern müssen. Jeder jetzt in den Umweltschutz investierte EURO zahlt sich vielfach aus. Aber Fr. Merkel fährt auf Sicht und wurschtelt sich durch. Ich erwarte von Politikern Weitsicht und kein KLEINKLEIN. Ich erwarte Mut auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen. Allerdings ist die SPD mit ihrer Kohlelobby auch nicht besser.
mopsfidel 09.06.2018
4. Die Wirtschaft muss brummen
Überschuss, Fachkräftemangel, Exportweltmeister. All dies gibts nicht zum Nulltarif. Auf legalen Wegen kann man nicht an der Spitze der Produktion stehen und gleichzeitig Weltmeister im Klimaschutz sein. Außer man lässt woanders produzieren oder trickst (Zertifikate). Man müsste Verzicht üben, um etwas Gutes fürs Klima zu tun. Huchs, das böse Wort "Verzicht", das keiner aussprechen will.
caliper 09.06.2018
5. Prioritäten sind falsch gesetzt.
Wohl aus taktischen Gründen hat Merkel einiges selber und aus dem Bauch entschieden. Dazu gehört auch die Energiewende mit dem überhasteten und planlosen Abschalten der AKWs. Erschwerend kommt dazu, dass sie hinterher vergessen hat die richtigen Weichen zu stellen und korrigierend einzugreifen. Man trifft mit der Energiefrage eine Abwägung zwischen dem schwierig kalkulierbaren theoretischen Risiko von Atomunfällen gegen Schäden aus der Klimaerwärmung. Die Endlagerfrage kann man parallel forcieren. Für mich ist völlig klar, dass die Klimaerwärmung wesentlich schädlicher ist, weil es nur eine Frage der Zeit ist bis wir an einem Punkt ankommen, bei dem sich Effekte selber verstärken und Ökosysteme zu kippen beginnen. Innerhalb weniger Dekaden wird sich das Klima der Erde so stark ändern, dass wir und andere Lebewesen mit längeren Reproduktionszyklen, sich nicht mehr anpassen können. Betroffen sind zunächst zig Millionen, in wenigen Jahren Milliarden Menschen. Im Vergleich dazu wäre ein weiterer "größter anzunehmender Reaktorunfall" á la Tschernobyl oder Fukushima ein lokales Ereignis. Die Regionen sind zwar auf lange Zeit unbewohnbar aber die Anzahl der Geschädigten sind zählbar. Gerade in Japan sind die aktuellen Schäden ja zu nahezu 100% durch den Tsunami verursacht worden. Nach meiner Meinung gibt es nur eine sinnvolle Richtung. Mit maximaler Anstrengung CO2 verringern indem man erneuerbare Energien noch stärker erforscht, etnwickelt und fördert und gleichzeitig die Netze intelligenter, leistungsfähiger und mit Speichern verstärkt.
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