Buntes Treiben Teenager lieben sich in Ketten

Teenager reden nicht immer nur davon, alles anders machen zu wollen als Erwachsene - sie tun es auch. Das gilt zumindest für Liebe und Sex, wie US-Forscher herausgefunden haben. Ihr Fazit: An der Schule kennt die Liebe keinen harten Kern, sondern bildet Ketten.


Junges Paar: Teenager lieben anders als Erwachsene
DDP

Junges Paar: Teenager lieben anders als Erwachsene

832 Highschool-Schüler können in 18 Monaten eine Menge anstellen. Immerhin schaffen sie es, ein ganzes Netzwerk von sexuellen und romantischen Beziehungen aufzubauen. Und ohne es zu wissen, halten sie sich dabei an den Wahlspruch: "Wir machen alles ganz anders als die Erwachsenen."

James Moody, Soziologe an der Ohio State University, hat sämtliche Schüler einer Highschool im Mittleren Westen der USA nach ihren romantischen und sexuellen Partnern aus den vergangenen eineinhalb Jahren gefragt. Als er dann mit zwei Kollegen Diagramme der Verbindungen zwischen 573 Schülern erstellte, erlebte er eine Überraschung: "Wir dachten, wir würden ein so genanntes Kern-Modell finden, mit einer kleinen Gruppe von sexuell hoch aktiven Schülern im Zentrum." Von diesem Kern würden dann viele kurze Verbindungen zu anderen Schülern ausgehen. Zumindest wurde dieses Modell in der Erwachsenenwelt nachgewiesen.

Stattdessen aber stieß Moody auf lange Ketten, die die Schüler miteinander verbinden. Da hat dann Schülerin A eine Beziehung mit Schüler B, der nach der Trennung eine Beziehung mit Schülerin C anfängt. Schülerin A und Schülerin C haben jedoch kaum gemeinsame Bekannte und sind nicht über andere Partner verknüpft.

Verbindung wie bei einer langen Telefonleitung

Die Ergebnisse (siehe Grafik) bieten zum Teil höchst unterhaltsame Einblicke in das Verhalten paarungsbereiter Teenager. Die längste Kette etwa bestand aus 288 Schülern, schreiben Moody und seine Kollegen im "American Journal of Sociology". Der sexuell umtriebigste Junge hat in 18 Monaten gleich acht Mitschülerinnen - und einen Mitschüler - verführt. Letzterer hat sich wiederum mit zwei der acht Gespielinnen seines Freundes vergnügt.

Netzwerke: Moody fand mehrere Beziehungsketten in der Highschool. Die Zahlen geben an, wie häufig eine Kette vorkam
Ohio State University

Netzwerke: Moody fand mehrere Beziehungsketten in der Highschool. Die Zahlen geben an, wie häufig eine Kette vorkam

"Das ist bei den Teenagern ein bisschen wie eine lange Telefonleitung auf dem Land, die die einzelnen Farmen miteinander verbindet", erklärt Moody. "Hin und wieder gibt es mal eine Abzweigung zu einer kleineren Seitengruppe."

Sexuelle Netzwerke unter Erwachsenen seien eher mit dem Netz einer Fluglinie zu vergleichen. Da gebe es wenige zentrale Punkte, von denen viele Verbindungen zu allein stehenden Punkten ausgehen. "Wir waren wirklich überrascht, als wir in der Schule ein anderes Netzwerk fanden", sagte Moody.

Die Schüler selbst wissen nichts von der langen und unsichtbaren Kette, die sich durch ihre Reihen zieht. "Wahrscheinlich kann jeder sagen, mit wem die aktuelle Freundin vorher zusammen war, aber keiner behält einen Überblick, welche Freundinnen der Ex-Freund davor hatte."

Gerade weil sich so lange Ketten herausbildeten, konnte Moody feststellen, dass die meisten Schüler sich mit dem Sex zurückhielten. "Viele hatten eben nur einen oder zwei Partner im Laufe der 18 Monate". Zudem fand der Forscher 63 einzelne Pärchen, die sich über den ganzen Zeitraum hinweg treu geblieben waren.

Die Erkenntnisse aus Ohio können unter anderem Hinweise zur Verbreitung von sexuell übertragbaren Krankheiten unter Teenagern liefern. Man solle sich bei Vorbeugemaßnahmen nicht auf einzelne, besonders aktive Individuen konzentrieren, empfehlen Moody und seine Kollegen. Das sei nur bei Erwachsenen sinnvoll. Bei Schülern solle man eher versuchen, möglichst viele Individuen zu erreichen, um an irgendeiner Stelle die Kette zu durchbrechen.



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