Cäsium-Spuren Baby-Milchpulver aus Japan radioaktiv belastet

In japanischem Baby-Milchpulver sind Spuren von radioaktivem Cäsium entdeckt worden. Zwar liegen die Werte unter den zulässigen Grenzwerten, dennoch hat der Hersteller Hunderttausende Packungen vorsichtshalber zurückgerufen.


Tokio - Wie nach der Katastrophe von Tschernobyl ist in Japan die Sorge über möglicherweise radioaktiv belastete Nahrungsmittel groß. Jetzt ist laut einem Medienbericht erstmals radioaktives Cäsium in Milchpulver für Babys festgestellt worden. Nach Informationen der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo vom Dienstag wurde in einer Probe des Nahrungsmittelherstellers Meiji Cäsium von bis zu 30,8 Becquerel pro Kilogramm gefunden.

Wie das Isotop in das Milchpulver gelangte, sei noch unklar. Das Unternehmen selbst vermute jedoch, dass es auf die Atomruine in Fukushima zurückzuführen sei, meldete Kyodo unter Berufung auf informierte Kreise. Die Höhe der Belastung des Milchpulvers liege jedoch deutlich unter dem von der Regierung festgesetzten Grenzwert von 200 Becquerel pro Kilogramm.

Der japanische Hersteller plane trotzdem, den Kunden anzubieten, das Produkt zu tauschen. Betroffen seien rund 400.000 Dosen des Milchpulvers Meiji Step, hieß es.

Angesichts der besonderen Gefährdung von Babys durch Strahlen plant die Regierung, neue Grenzwerte für Babynahrung festzusetzen. Das Isotop in dem Meiji-Milchpulver wurde in Dosen gefunden, deren Verfallsdaten auf den 4., 21., 22. und 24. Oktober des kommenden Jahres lauten.

Zuvor waren bereits radioaktiv belastete Proben Reis entdeckt worden: Die Ernteprobe stammte aus einem Reisfeld in Onami, einem Stadtteil von Fukushima-City etwa 60 Kilometer von der AKW-Ruine entfernt. Der darin gemessene Wert an Radioaktivität betrug demnach 630 Becquerel pro Kilogramm bezogen auf Cäsium 134 und 137. Erlaubt sind in Japan seit der Krise nur 500 Becquerel pro Kilogramm.

Derweil beginnt das japanische Militär an diesem Mittwoch mit Dekontaminierungsarbeiten in der 20-Kilometer-Sperrzone um das havarierte Atomkraftwerk Fukushima Daiichi. Das Kabinett billigte am Dienstag dafür den Einsatz von rund 900 Soldaten der Selbstverteidigungsstreitkräfte.

Sie sollen in vier Orten in der Provinz Fukushima öffentliche Gebäude von radioaktiven Strahlen reinigen. Die Gebäude in den Ortschaften Namie, Naraha, Tomioka und Iitate sollen als Stützpunkte für eine großangelegte Dekontaminierung verstrahlter Gebiete dienen, die die Regierung im Januar beginnen will. Der Einsatz der Streitkräfte ist auf etwa zwei Wochen angelegt.

Das Atomkraftwerk Fukushima war am 11. März durch ein verheerendes Erdbeben und einen anschließenden Tsunami schwer beschädigt worden. Durch die Katastrophen starben rund 20.000 Menschen oder wurden als vermisst gemeldet. Zehntausende Menschen mussten die verstrahlten Gebiete um Fukushima verlassen.

cib/dpa

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insgesamt 311 Beiträge
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ostap 06.12.2011
1. nanu?
Gerade hat unser Bauer im Forum erklärt, es gäbe keine Probleme mehr in Fukushima? Sind vielleicht nicht nur die Fische im Pazifik radioaktiv verseucht, sondern auch Landwirtschaftsprodukte? Kennt jemand Näheres dazu?
tatsache2011 06.12.2011
2. Qualitätskontrolle nach einem Unglück
Zitat von sysopIn japanischem Baby-Milchpulver sind Spuren von radioaktivem Cäsium entdeckt worden. Zwar liegen die Werte unter den zulässigen Grenzwerten, dennoch hat der Hersteller Hunderttausende Packungen vorsichtshalber zurückgerufen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,802015,00.html
Qualitätskontrolle mangelhaft oder ist das das Ergebnis, die Probleme der Kernkraft zu leugnen?
Klartext007 06.12.2011
3. Strahlender Autoschrott
Zitat von sysopIn japanischem Baby-Milchpulver sind Spuren von radioaktivem Cäsium entdeckt worden. Zwar liegen die Werte unter den zulässigen Grenzwerten, dennoch hat der Hersteller Hunderttausende Packungen vorsichtshalber zurückgerufen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,802015,00.html
bin gespannt, wann die ersten japanischen PKW in Deutschland für strahlend gute Laune Sorgen und wie sie entsorgt werden. Hilft nur BMW fahren!
spon-1317319864453 06.12.2011
4. Essen
Zitat von Klartext007bin gespannt, wann die ersten japanischen PKW in Deutschland für strahlend gute Laune Sorgen und wie sie entsorgt werden. Hilft nur BMW fahren!
Essen sie Autos ?
r52 06.12.2011
5. wen wundert's
Zitat von ostapGerade hat unser Bauer im Forum erklärt, es gäbe keine Probleme mehr in Fukushima? Sind vielleicht nicht nur die Fische im Pazifik radioaktiv verseucht, sondern auch Landwirtschaftsprodukte? Kennt jemand Näheres dazu?
Man sollte umgekehrt fragen: Was ist noch nicht radioaktiv belastet in Japan? Gemüse Tee Wasser Reis Rinder Stroh Algen Fisch Autos Regenwasser Trinkwasser Boden war ja alles schon. Schon mitgekriegt, daß schon wieder radioaktives Wasser ins Meer gelangt ist? Tepco hat das Leck leider erst stiefmütterlich behandelt und dann "übersehen". Aber jetzt ist wieder alles Bestens=Leck mit Sandsäcken abgedichtet. Wen wundert's? Tepco wußte ohnehin schon nicht mehr wohin mit dem radioaktiven Kühlwasser ...
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