Cern: Externe Fachleute sollen defekten Teilchenbeschleuniger prüfen

Unabhängige Gutachter sollen den seit vergangenem Jahr defekten Mega-Teilchenbeschleuniger LHC untersuchen. So will es der neue Cern-Chef Rolf-Dieter Heuer. Doch der Deutsche versichert: Die Prüfung sei kein Zeichen des Misstrauens gegenüber seinen Mitarbeitern.

Genf - Es ist das größte Experiment in der Geschichte der Menschheit - und nur kurze Zeit nach seinem Start, musste es bereits gestoppt werden: Probleme mit der Kühlung hatten Forscher am neuen Teilchenbeschleuniger Large Hadron Collider (LHC) im vergangenen Jahr gezwungen, ihre Versuche nach kurzer Zeit wieder einzustellen. Nach den Reparaturen sollen nun auswärtige Fachleute die Anlage untersuchen. So will es der neue Chef des Kernforschungszentrums Cern, der aus Deutschland stammende Rolf-Dieter Heuer.

Er wolle sicherstellen, dass alles funktioniere, sagte Heuer der schweizerischen "Sonntagszeitung". Auswärtige Experten sollten daher zusätzliche Tests vornehmen. Es sei kein Zeichen des Misstrauens gegenüber der Cern-Belegschaft. Bei internen Mitarbeitern bestehe aber die Gefahr, dass sie blind für Schwächen der eigenen Anlage würden, sagte Heuer. Bei der Entscheidung über das Wiedereinschalten der Anlage sei er etwas vorsichtiger als sein französischer Vorgänger Robert Aymar.

Cern-Sprecher James Gillies bestätigte im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE den Bericht. Zwei Gruppen von Teilchenphysikern, die nicht am LHC arbeiteten, würden Gutachten erstellen. Die rund hundert Meter unter der Erde gelegene Anlage musste wegen einer Reihe von Pannen bereits wenige Tage nach dem Start im September abgeschaltet werden. Seitdem wurden laut Heuer umgerechnet 20 bis 26 Millionen Euro in Reparaturen des Teilchenbeschleunigers gesteckt. Gillies sagte, bei einem Expertentreffen Ende der kommenden Woche werde ein Zeitplan für das Wiederanfahren des LHC erarbeitet.

In der Anlage sollen Protonen bis fast auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt werden und dann aufeinander prallen. Von den Experimenten erhoffen sich die Wissenschaftler Aufschluss über Fragen wie die Entstehung des Universums und die Struktur der Materie. Im November hatte das Cern mitgeteilt, dass die Anlage frühestens im Sommer 2009 wieder hochgefahren werde.

lub/AFP

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