Chef-Atheist im Chat "Gynäkologen, die an die Jungfrauengeburt glauben"

Ist Gott an allem Schuld? Und können die neuen Atheisten den Einfluss des Glaubens in der Gesellschaft zurückdrängen? Im Chat beantwortete der Philosoph Michael Schmidt-Salomon die Fragen der SPIEGEL-ONLINE-Leser - und schimpfte über die Bezahlung von Bischöfen.


"Es gibt so etwas wie eine intellektuelle Schizophrenie: Pathologen, die an die Auferstehung der Toten glauben, oder Gynäkologen, die an die Jungfrauengeburt glauben", sagte Michael Schmidt-Salomon, Vorstand der Giordano-Bruno-Stiftung und damit so etwas wie Deutschlands Chef-Atheist.

Michael Schmidt-Salomon: Kritisiert Religion grundsätzlich
Jörg Bösen

Michael Schmidt-Salomon: Kritisiert Religion grundsätzlich

Beim Chat zum aktuellen SPIEGEL-Titel "Gott ist an allem Schuld!" prallten grundsätzliche Gegensätze aufeinander. Wie kann es sein, dass gebildete Menschen in einer aufgeklärten Gesellschaft noch glauben? Welche Bedeutung haben Weihnachtsmann und Osterhase für die kindliche Entwicklung?

"Kluge Kinder durchschauen das Spiel ohnehin", so der Philosoph Schmidt-Salomon. Doch für die übrigen seien Änderungen im Schulsystem nötig, insgesamt mehr Aufklärung über Wissenschaftlichkeit und Vernunft, um den politischen und sozialen Einfluss der Kirchen zurückzudrängen. Würden Kinder konfessionell - etwa von Muslimen, Zeugen Jehovas oder Katholiken - erzogen, entstehe keinesfalls weltanschauliche Vielfalt. "Wir sollten der religiöse Ghettoisierung der Gesellschaft schon in den Schulen entgegenwirken", forderte der Sprecher der atheistischen Stiftung.

Christliche Werte: Fundament des Abendlandes oder Mogelpackung? Wissen und Glauben: Was unterscheidet (religiöses) Bekenntnis und (wissenschaftliche) Erkenntnis? Ist die Mehrheit der Bundesbürger nicht längst atheistisch - oder bastelt sich die stumme Masse eine eigene Weltsicht irgendwo zwischen Amtskirche und Unglauben? - Die Debatte zwischen Chat-Gast und den SPIEGEL-ONLINE-Nutzer reichte von Praktisch bis Philosophisch.

Und dann war da noch die Frage nach der Überrepräsentation der großen christlichen Konfessionen: "Die Kirchen erhalten jährlich Millionen Subventionen vom Staat", sagte Schmidt-Salomon - und sorgten doch nur für intellektuelle Einfalt.

Nicht alle Nutzer des SPIEGEL-ONLINE-Chats waren damit einverstanden. Rund 40.000 Besucher verfolgten den Chat, bis zu 4000 gleichzeitig.

Hier geht es zum Chat-Protokoll.

Im Forum "Gibt es Gott?" können Sie weiter diskutieren.

Mehr zum Thema finden Sie in der Titelgeschichte des aktuellen SPIEGEL: "'Gott ist an allem Schuld'- Der Kreuzzug der neuen Atheisten". Auch ein Interview mit dem französischen Philosophen Michel Onfray über Glaube, Lügen und Gewalt lesen Sie in dem Heft.



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