Bedrohte Tierarten China erlaubt Handel mit Nashorn- und Tigerprodukten

Seit Jahrzehnten ist es in China verboten, das Horn von Nashörnern oder Tigerknochen zu verkaufen. Nun hat das Land die Regelung gelockert - Tierschützer sind entsetzt.

Von Wilderern getötetes Nashorn in Südafrika (Archivbild)
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Von Wilderern getötetes Nashorn in Südafrika (Archivbild)


Es ist ein Rückschlag für den Artenschutz: China will den Handel mit Körperteilen bedrohter Tierarten wie Nashörner und Tiger zu bestimmten Zwecken erlauben. Ausnahmen beim bisherigen Verkaufsverbot solle es etwa zu Heilzwecken, für die Forschung und aus kulturellen Gründen geben, erklärte der Staatsrat in Peking.

Das Land beteuerte, der Handel solle streng reguliert werden. So können Puder von Nashorn-Hörnern und Tigerknochen nur von Krankenhäusern genutzt werden, die offiziell von der Behörde für Traditionelle Chinesische Medizin zertifiziert sind. Die Behörden für Tourismus und kulturelles Vermächtnis sollen die Verwendung von Nashorn- oder Tigerprodukten für einen "vorübergehenden kulturellen Austausch" genehmigen müssen.

Dennoch befürchten Tierschützer, dass der legalisierte Handel als Deckmantel für illegale Geschäfte dienen wird. Die Neuregelung werde "Nachfrage erzeugen, die nach dem Verbot bereits zurückgegangen war", erklärte Margret Kinnaird vom World Wildlife Fund (WWF).

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"Es ist zutiefst beunruhigend, dass China sein 25 Jahre altes Verbot des Handels mit Tigerknochen und Nashornhorn aufgehoben hat", sagte WWF-Vorstand Eberhard Brandes.

China hatte 1993 den Handel mit Nashorn-Hörnern und Tigerknochen verboten, konnte aber laut Umweltschützern einen florierenden Schwarzmarkt mit über Vietnam eingeführten Produkten nicht verhindern. Auch der Handel mit Elfenbein, das in China als Statussymbol gilt, ist verboten. Andere illegale Tierprodukte, wie etwa Gürteltierschuppen, sind nach wie vor wegen ihrer angeblichen medizinischen Eigenschaften gefragt.

Nashorn- und Tigerteile wurden seit Jahrhunderten in der traditionellen chinesischen Medizin verwendet, um etwa Fieber, Lebensmittelvergiftungen oder Impotenz zu behandeln. Während führende Stimmen in der traditionellen chinesischen Medizin seit Jahren offiziell von der Verwendung von Nashorn- und Tigerteilen abgeraten haben, gab es jedoch weiterhin einen Untergrundhandel.

Die Tierschützer bezeichneten Pekings plötzliche Entscheidung als einen "deutlichen Widerspruch" zur bisherigen Haltung der chinesischen Führung. China hatte im vergangenen Jahr viel Lob geerntet, weil es den Handel mit Elfenbein nach Jahrzehnten verboten hatte. Damals war das Land der weltweit größte Markt für Elfenbein.

Seit Jahren leidet die Nashornpopulation massiv unter dem illegalen Handel ihres Horns. Es besteht aus Keratin, dem gleichen Material wie menschliche Fingernägel.

joe/AFP/dpa

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