Fleischboom in China Wie Steaks dem Klima schaden

Viele Chinesen werden immer wohlhabender - und haben Lust auf Fleisch. Auch wenn der Fleischhunger in Deutschland noch größer ist: Für das Klima ist das ein Problem.

Rinder auf einem chinesischen Tier-Basar
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Rinder auf einem chinesischen Tier-Basar


Für viele Chinesen hat der Klimawandel hauptsächlich mit den Auspuffrohren alter Fahrzeuge zu tun - oder den Schloten riesiger Industrieanlagen. Dass aber auch das Essverhalten einen Einfluss auf die Erderwärmung hat, ist vielen nicht bewusst: Der Bedarf an Fleisch in der Volksrepublik steigt - und damit auch die direkte und indirekte Produktion von Treibhausgasen in Kuh- und Schweineställen, Geflügelzuchtanlagen und der Landwirtschaft im Allgemeinen.

Die Viehzucht ist weltweit der zweitgrößte Verursacher von Treibhausgasen nach der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas, wie der Direktor des chinesischen Zentrums für Klimawandel und Zusammenarbeit, Li Junfeng, erklärt. "Es liegt aber nicht nur an China, die ganze Welt muss Treibhausgase aus der Tierhaltung reduzieren."

14,5 Prozent der weltweit durch den Menschen verursachten Treibhausgase stammen nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) aus der Tierhaltung: Vom Anbau und der Verarbeitung von Futtermitteln, über das Heizen von Ställen, der Fleischverarbeitung bis zum Transport zu den Konsumenten. Einen großen Anteil haben auch die Verdauungsgase der Tiere, so stoßen zum Beispiel Rinder Methan aus.

Um ein Kilogramm Rindfleisch-Protein zu gewinnen, entstehen laut FAO umgerechnet 300 Kilogramm CO2. Bei Schafen und Ziegen seien es 165 Kilogramm. Bei der Herstellung von Kuhmilch, Geflügelprodukten und Schweinefleisch liege der Wert jeweils unter 100 Kilogramm.

Regierung wirbt für Verzicht

Der Appetit auf Fleisch wächst in China mit dem zunehmenden Wohlstand, auch wenn er den Wert von Deutschland noch nicht erreicht hat. 63 Kilo wurden 2015 pro Kopf in der Volksrepublik gegessen, rechnet die Umweltorganisation Wildaid mit Sitz in San Francisco vor.

Bei der Produktion des Fleisches entstanden pro Kopf Treibhausgase mit einem Erwärmungspotenzial von 867 Kilogramm CO2. Für ganz China mit seinen rund 1,37 Milliarden Einwohnern bedeuten das 2015 umgerechnet etwa 1,2 Megatonnen CO2.

Deutsche verzehrten 2014 zum Vergleich rund 87 Kilo Fleisch pro Kopf, wie das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft berichtet. "Der Pro-Kopf-Verbrauch an Fleisch in China ist immer noch niedriger als in Staaten wie den USA", sagt Li Yifang von Greenpeace. "Aber der Konsum in China ist schon doppelt so hoch, wie es die chinesische Gesellschaft für Ernährung empfiehlt."

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Die Regierung hatte deshalb im Mai dieses Jahres eine Kampagne gestartet, um für Fleischverzicht zu werben - mit eher mäßigem Erfolg, wie Yifang meint. "Es ist wichtig, die Menschen über die Gesundheitsrisiken und den Einfluss auf die Umwelt zu informieren. Aber eine Kampagne ist nicht genug, um den Anstieg des Fleischkonsums zu stoppen."

Die chinesische Wirtschaftspolitik fördere die Tierhaltungsindustrie eher, klagt der Umweltschützer. "Obwohl der Verbrauch von Schweinefleisch in den vergangenen Jahren nicht mehr so stark angestiegen ist, wird in den kommenden Jahren aber doch ein durchschnittlicher Zuwachs von ein bis zwei Prozent erwartet", so Yifang.

Wildaid rechnet für das Jahr 2030 mit einer Treibhausgas-Produktion von umgerechnet etwa 1,2 Tonnen CO2 pro Kopf in China allein durch Fleischkonsum, den die Organisation dann auf 94 Kilogramm schätzt.

"Fleisch essen bedeutet in China eine Verbesserung der Lebensqualität", erklärt Li Guoxiang, Professor des Instituts für ländliche Entwicklung an der China Akademie für Sozialwissenschaften. Der Fleischverbrauch von Familien in der Stadt sei immer noch bei weitem höher als von Familien auf dem Land. "Mit der zunehmenden Verstädterung nimmt der Fleischkonsum zu."

chs /Amelie Richter, dpa

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