Umstrittene Praxis China schafft Organspende nach Todesstrafe ab

Viele in China transplantierte Organe stammen bisher von Hingerichteten. Damit soll aber in wenigen Jahren Schluss sein, verspricht die Staatsführung nun. Stattdessen soll die Bevölkerung ermuntert werden, nach dem Tod freiwillig Organe zu spenden.

Zum Tode verurteilter Chinese (in Zhuzhou, 2006): Umstrittene Spendenpraxis
REUTERS

Zum Tode verurteilter Chinese (in Zhuzhou, 2006): Umstrittene Spendenpraxis


Peking - China will in Zukunft die Organe von hingerichteten Straftätern nicht mehr transplantieren. Die Praxis soll in drei bis fünf Jahren auslaufen, sagte Vizegesundheitsminister Huang Jiefu nach Angaben amtlicher Medien auf einer Konferenz in Hangzhou. China baue ein nationales System auf, um die Bevölkerung zu Organspenden zu ermutigen und die Abhängigkeit von exekutierten Verbrechern zu reduzieren.

Heute stamme die Mehrheit transplantierter Organe in China von Hingerichteten, so der Vize-Minister. Nach chinesischen Vorschriften müssen zum Tode Verurteilte einer Spende ausdrücklich zustimmen.

China richtet jedes Jahr mehr Menschen hin als der Rest der Welt zusammen, schätzt die Menschenrechtsorganisation Amnesty International. Die genaue Zahl der Exekutionen ist allerdings ein Staatsgeheimnis. Schätzungen gehen davon aus, dass die Strafe in den vergangenen fünf Jahren seltener verhängt wurde als zuvor. Demnach könnte sich die Zahl der Hinrichtungen auf etwa 4000 im Jahr halbiert haben.

"Solche Veränderungen stellen eine Herausforderung für den traditionellen chinesischen Weg der Organtransplantationen dar", sagte der Vize-Minister laut der Nachrichtenagentur Xinhua. Auch seien Infektionen bei Häftlingen überdurchschnittlich häufig, so dass die Überlebensaussichten der Organempfänger in China schlechter seien als in anderen Ländern.

Wegen einer unzureichenden Spendenbereitschaft in der Gesellschaft mangelt es China schon lange an Organen. In 16 von 31 Regionen in China laufen bereits Pilotprojekte für das neue Organspendensystem.

Wie die Tageszeitung "China Daily" berichtete, sollen in finanzieller Not steckende Familien von gestorbenen Organspendern in Zukunft Unterstützung bekommen. Solche Familien könnten zum Beispiel mit einem Erlass von Beerdigungskosten oder Arztrechnungen und anderer wirtschaftlicher Unterstützung rechnen. Die Richtlinien sollen in Kürze vom chinesischen Roten Kreuz und dem Gesundheitsministerium veröffentlicht werden.

wbr/dpa



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