CO2-Ausstoß Bush preist USA als Klimaschutz-Vorbild

US-Eigenlob im Streit um die Klimapolitik: Die Regierung Bush sticht die Europäer aus, wenn es um die Reduzierung der Treibhausgase geht - sagt zumindest der Sprecher des Präsidenten. Internationale Abkommen seien nicht nötig.


George W. Bushs Mann fürs Grobe formulierte es kernig wie einen Werbespruch: "We are doing a better job of reducing emissions" - wir sind bei der Emissionsminderung besser, sagte Tony Snow, der Sprecher des Weißen Hauses. Die USA als Land der Spritfresser-Karossen, Kyoto-Verweigerer und seit neuestem als Blockierer einer neuen Uno-Umweltbehörde - auf Dauer muss es nerven, das immer wieder vorgeworfen zu bekommen. Alles Unfug, tatsächlich seien die US-Amerikaner die echten Ökos, sagte Snow in Washington. Die Bush-Regierung "zeigt echte Ernsthaftigkeit", sagte er, indem sie nicht einfach Reden halte, sondern handele.

Stau in Los Angeles: Land der Spritfresser macht "einen besseren Job bei der Emissionsminderung", findet Bush-Sprecher Snow
AP

Stau in Los Angeles: Land der Spritfresser macht "einen besseren Job bei der Emissionsminderung", findet Bush-Sprecher Snow

Es folgte der süffisante Hinweis, dass man jenseits des Atlantiks viel erfolgreicher CO2-Emissionen reduziere als in Europa, "wo es ein Obergrenzen-System gibt". Später erläuterte das Weiße Haus, worauf Snow sich bezogen habe: Nach Zahlen der Internationalen Energiebehörde (IEA) seien zwischen 2000 und 2004 in den USA die Emissionen des Treibhausgases Kohlendioxid lediglich um 1,7 Prozent gestiegen, in den EU-Ländern im selben Zeitraum um fünf Prozent.

Diese Zahlen sind nicht neu. Sie stammen aus dem vergangenen Jahr. Schon Anfang November hatte die deutsche Umweltschutzorganisation Germanwatch auf Basis der IEA-Zahlen ein ausführliches Klimaschutzranking aufgestellt (siehe interaktive Grafik). Tatsächlich steht darin unter anderem, dass die USA 2006 im Vergleich zum Vorjahr einen geringeren Anteil am weltweiten CO2-Ausstoß hatten, er fiel von 22,9 Prozent auf 21,8 Prozent. Dies sind jedoch relative Werte, die keinesfalls bedeuten müssen, dass auch der tatsächliche Ausstoß abnimmt.

Interaktive Grafik
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Bereits Ende Oktober hatte das Uno-Klimasekretariat in Bonn im Detail abweichende, aber in der Tendenz ähnliche Zahlen veröffentlicht. Anders als Bush-Sprecher Snow bezogen die Uno-Experten auch die Vorjahre ein. Für den Zeitraum 2000 bis 2004 weist ihre Statistik einen Anstieg von 1,3 Prozent aus. Hätte Tony Snow eine Suchmaschine zu bedienen gewusst, er hätte also eine noch grünere Zahl für seinen Präsidenten finden können.

Betrachtet man allerdings den Emissions-Verlauf ab 1990, ändert sich das Bild drastisch: Die USA stießen 2004 ganze 15,8 Prozent mehr aus als 1990. Im Vergleich dazu senkte Deutschland seinen Ausstoß im selben Zeitraum um 17,2 Prozent.

US-Regierung bevorzugt technologische Lösungen

Das forsche Statement des Weißen Hauses soll womöglich das Engagement des US-Präsidenten in Sachen Klima unterstreichen. Er hatte am Mittwoch im Shenandoah-Nationalpark im US-Bundesstaat Virginia von Kongress 2,4 Milliarden US-Dollar verlangt, um die Nationalparks des Landes auszubauen. Die Auswirkung von Renaturierungsmaßnamen wie Aufforstungen auf die Konzentration von CO2 in der Atmosphäre gelten nach Einschätzung von Experten jedoch als eher gering.

In Washington betonte Snow nun, die US-Regierung glaube an technologische Lösungen und sei gegen Zwangsmaßnahmen wie das Kyotoprotokoll. Außerdem stellten die US-Amerikaner auch Drittweltländern technische Lösungen zur Verfügung, die überhaupt nicht durch das Protokoll gebunden seien.

Noch beim Klimagipfel der Uno in Paris hatte US-Energieminister Samuel Bodman erklärte, der US-Anteil am weltweiten Treibhausgas-Ausstoß sei "gering". Dabei liegt das Land immer noch selbst vor den energiehungrigen Chinesen. - Von hohem Niveau aus können selbst 1,7 Prozent Steigerung gewaltig sein.

stx/rtr



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