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CO2-Ausstoß: Verkehrs-Emissionen bis 2050 halbierbar

Verkehr in Peking (Archivbild): "Effizienzsteigerungen werden schwieriger" Zur Großansicht
AFP

Verkehr in Peking (Archivbild): "Effizienzsteigerungen werden schwieriger"

Fast ein Viertel des weltweit ausgestoßenen Kohlendioxids stammt von Autos, Schiffen und Flugzeugen. Doch der Verkehrssektor könnte seine Emissionen deutlich senken, wie eine Studie zeigt. Dafür müsste die Politik aber umdenken.

Der CO2-Ausstoß im Transportsektor könnte bis 2050 um die Hälfte reduziert werden - allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen. Das berichtet eine Forschergruppe vom Berliner Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) im Fachmagazin "Science". Entscheidend dafür könnten nachhaltige Lösungen im Stadtverkehr und Elektromobilität im großen Stil sein, heißt es.

"Das ist extrem ambitioniert", sagt Felix Creutzig, einer der Autoren der Studie. Tatsächlich könnten sich die Emissionen aus dem Verkehr nach aktuellen IPCC-Szenarien bis 2050 sogar verdoppeln. Als Vergleichsjahr gilt jeweils 2010.

Neben der Verbreitung von E-Autos seien Investitionen in die Infrastruktur nötig - etwa in neue Gleise oder schnelle Radwege. Und: "E-Mobilität muss im weiteren Sinne gedacht werden. Dazu gehören neben E-Fahrrädern auch entsprechende Carsharing-Angebote", sagte Creutzig. Der genannte Transportsektor umfasst nach seinen Angaben sowohl den Verkehr auf der Straße als auch den auf der Schiene, in der Luft und zu Wasser. Der Straßenverkehr verursacht rund 17 Prozent aller Treibhausgasemissionen weltweit - Flugzeuge, Schiffe und Eisenbahnen liegen jeweils nur im niedrigen einstelligen Bereich.

Für die Erhebung werteten die Forscher Szenarien des Weltklimarates IPCC und eines Modells zur Bewertung des Treibhauseffekts aus. Zudem schauten sie sich spezielle Daten zu einzelnen Bereichen wie etwa dem Personenverkehr an Land an.

70 Gramm Flottenausstoß im Jahr 2015

"Effizienzsteigerungen der herkömmlichen Automobilflotte werden nach 2025 schwieriger", sagte Creutzig. Um die Halbierung der CO2-Emissionen im genannten Zeitraum zu erreichen, müssen ihm zufolge unter anderem die CO2-Preise im Emissionshandel deutlich erhöht und die Grenzwerte für den Ausstoß gesenkt werden.

In diesem Jahr müssen Autohersteller in der EU bei ihrer Pkw-Flotte im Durchschnitt einen Grenzwert von 130 Gramm CO2 pro Kilometer erreichen. Bis 2021 sinkt der Durchschnittsgrenzwert auf rund 95 Gramm Kohlendioxid, bis 2025 sind es rund 89 Gramm. Nach Angaben Creutzigs müsste allein der Wert 2025 aber schon auf etwa 70 Gramm reduziert werden, um zu den genannten CO2-Einsparungen zu kommen.

Eine Begrenzung des weltweiten Temperaturanstiegs auf unter zwei Grad ist nach IPCC-Auskunft noch möglich, würde aber sehr drastische Schritte erfordern. Im Jahr 2100 dürften nahezu keine Treibhausgase mehr emittiert werden.

Verpflichtungen der Länder

Das folgende Diagramm verdeutlicht dies. Die Linie zeigen Mittelwerte verschiedener Szenarien, mit denen das Zwei-Grad-Ziel noch erreicht werden könnte. Bei der blauen Linie geht der Ausstoß schon ab 2010 stark zurück. Bei der gelben Linie sinken die Emissionen nach 2020 - und bei der roten Linie erst nach 2030. Bis zum Jahr 2030 bildet die rote Linie übrigens die vor dem Klimagipfel in Paris abgegebenen Verpflichtungen der Länder ab (INDCs).

Die Kurven zeigen den Mittelwert über verschiedene IPCC-Szenarien, bei denen die Temperatur bis 2100 mit einer Wahrscheinlichkeit von 66% um maximal zwei Grad steigt. Bei der roten Kurve beträgt die Chance dafür nur 50%.

Klar ist: Je später man beginnt, die Emissionen zu senken, umso radikaler muss man dabei vorgehen. Etwa, indem Kohlekraftwerke flächendeckend vom Netz gehen oderCO2 aufgefangen und im Boden versenkt wird.

hda/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 111 Beiträge
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1.
roughneckgermany 20.11.2015
Es wäre gut, wenn der angegebene CO2-Ausstoss das tatsächliche Maximum im realen Leben wäre. Das Klima schert sich einen Dreck um "theoretisch erreichte Werte".
2. Unfassbar lustig,
pace335 20.11.2015
ich möchte das erste Flugzeug mit Elektroantrieb sehen, dass dann 400 Passagiere über den Atlantik transportiert. Der Straßenverkehr bringt 17% der Emissionen, oooookey, aber wie viel von den 17% sind tatsächlich auf den PKW zurück zu führen. Ich vermute nicht mal die hälfte und davon jetzt noch der private Sektor, da bleiben dann gerade noch 4% übrig. Wenn wir es jetzt noch schaffen würde 1/4 der privaten PKW`s rein elektrisch zu betreiben, dann hätten wir doch stolze 1% eingespart. Allerdings gilt das dann nur für Deutschland, denn für den Rest der Welt gilt nach wie vor, "am deutschen Wesen möchte die Welt nicht genesen".
3. Unrealistisch
32deins 20.11.2015
Eine tatsächliche Absenkung des Flottenverbrauchs von 130 Gramm auf 89 Gramm in nur 10 Jahren halte ich für absolut unrealistisch. Wo wir heute wirklich stehen, das zeigt doch der aktuelle VW-Skandal deutlich auf. Schon heute lassen sich nur noch durch Betrug die Werte schönrechnen. Die Physik aber läßt sich nicht ver...en. Um 1,5 Tonnen Blech in Bewegung zu setzen, braucht man eine bestimmte Menge an Energie, zu dessen Erzeugung unumgänglich auch CO2 freigesetzt wird, wo auch immer. Die Hauptemissionen kommen zudem nicht aus dem Verkehrssektor, das ist auch unbestritten so. Hier werden derzeit allerdings die größten Anstrengungen unternommen (zumindest in Deutschland) um am Ende ein paar einstellige %chen Einsparungen zu erreichen. Das ist völlig krank und hirnrissig, angesichts der globalen Entwicklungen, wie z.B. die Zwei-Kind Politik in China usw.
4. Klima-Wichtigtuerei
professorA 20.11.2015
Ist den SPON-"Experten" zufällig bekannt, dass China im Vorfeld der Pariser Konferenz CO2-Emissionen quasi "nachgemeldet" hat - die also zu den bis dato schon bekannten exorbitanten Werten hinzugerechnet werden müssen - und dass alleine diese nachgemeldeten Emissionen das Vierfache der gesamten deutschen Straßenverkehrsemissionen betragen? Wer da KfZ- Emissionen thematisiert mit der Intention zum Skandalieren, der sollte zum Arzt gehen.
5. Sehr realistisch
ungebetener_gast 20.11.2015
Leute in Schwellenländern werden gerne auf Mobilität verzichten, wenn dadurch die Klimaziele erreicht werden. (Achtung Ironie). Ständig gibt es Prognosen, dass Schiffs- und LKW-Verkehr steigen werden. Flugverkehr genauso, Dank Billigfliegern...Er fließt Wasser bergauf, als dass der globale CO2-Ausstoss stagniert oder sinkt. Und die "Klimarelevanz" dient ohnehin nur der Propaganda...
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