CO2-Vermeidung RWE startet Pilotanlage zur Rauchgaswäsche

Noch fehlt in Deutschland ein Gesetz zur Abtrennung und Speicherung von CO2. Dennoch soll die Erprobung der Technologie weitergehen. RWE hat nahe Köln nun eine neuartige Anlage zur Rauchgaswäsche in Betrieb genommen.

RWE-Vorstandschef Jürgen Großmann am Kraftwerk Niederaußem: Rauchgaswäsche-Pilotanlage in Betrieb genommen
dpa

RWE-Vorstandschef Jürgen Großmann am Kraftwerk Niederaußem: Rauchgaswäsche-Pilotanlage in Betrieb genommen


Bergheim - Die CCS-Technologie ("Carbon Dioxide Capture and Storage") soll die eigentlich klimaschädliche Stromerzeugung aus Kohle möglichst umweltfreundlich gestalten: Kohlendioxid soll in den Kraftwerken abgetrennt und später an anderer Stelle eingelagert werden. Für die Abtrennung gibt es mehrere Verfahren. Eines von ihnen, die Rauchgaswäsche, wird seit Dienstag im RWE-Braunkohlekraftwerk Niederaußem bei Köln erprobt.

Es ist Deutschlands erste Pilotanlage dieser Art. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) gab den Startschuss für die nach seinen Worten "wegweisende" Pilotanlage. Mit dem Projekt werde "ein wichtiges Kapitel Technologiegeschichte" geschrieben, sagte der Minister. Die Kosten für die Anlage, die mit dem sogenannten Post-Combustion-Verfahren arbeitet, liegen bei rund neun Millionen Euro.

Das Vorhaben wird zu 40 Prozent vom Wirtschaftsministerium bezuschusst. Für das gesamte Entwicklungsprojekt mit Errichtung und Betrieb einer Pilot- und einer Demonstrationsanlage für die CO2-Wäsche hat der Energiekonzern RWE ein Budget von rund 80 Millionen Euro eingeplant. Ziel ist es, den Energieaufwand der CO2-Abtrennung erheblich zu verringern.

Wie auch die anderen CCS-Verfahren verschlechtert die Post-Combustion-Technologie den Wirkungsgrad eines Kohlekraftwerks massiv. Das Rauchgas wird durch ein Lösungsmittel geleitet, in dem das CO2 gebunden wird. Das anschließende Auswaschen des Gases ist energieaufwendig und schmälert den Wirkungsgrad des Kraftwerks um mehr als zehn Prozentpunkte. Techniker hoffen, diesen Wert mit verbesserten Verfahren in Zukunft zu senken - und damit die Strompreise durch die Klimatechnologie so wenig wie möglich zu belasten.

Bislang sind CCS-Pilotanlagen - wie sie auch Vattenfall in Brandenburg betreibt - noch sehr klein. Die neue RWE-Anlage kann gerade einmal rund 300 Kilogramm Kohlendioxid pro Stunde aus dem Rauchgas abscheiden. Die großflächige Nutzung der CCS-Technologie in Deutschland sollte eigentlich durch ein Gesetz geregelt werden. Weil sich die große Koalition nicht einigen konnte, scheiterte das Vorhaben jedoch in letzter Sekunde. Nun wird es einen neuen Anlauf für ein Gesetz erst nach der Bundestagswahl geben. Das ist nicht unproblematisch, da EU-Subventionen für CCS-Demonstrationsanlagen nur für Anlagen vergeben werden, wenn es ein nationales Gesetz gibt - und die Anlagen bis zum Jahr 2015 fertiggestellt sind.

chs/ddp/dpa/AP



insgesamt 1963 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Maschinchen, 27.05.2009
1.
Zitat von sysopDie Energiewirtschaft arbeitet mit Hochdruck an einer Technologie, um CO2-Emissionen von Kohlekraftwerken unschädlich zu machen. Die Speicherung von CO2 gilt aber nicht überall als vernünftige Lösung. Ist sie nur ein teurer Irrweg?
Dies erscheint mir auf jeden Fall sinniger, als das klimaschädliche CO2 nachträglich wieder einzufangen.
wahrheitssuchend 27.05.2009
2. CO2-Speicherung
Zitat von sysopDie Energiewirtschaft arbeitet mit Hochdruck an einer Technologie, um CO2-Emissionen von Kohlekraftwerken unschädlich zu machen. Die Speicherung von CO2 gilt aber nicht überall als vernünftige Lösung. Ist sie nur ein teurer Irrweg?
Sie ist es. Leider wird von den Befürwortern unterschlagen, dass durch den Prozess der mühsam verbesserte Gesamtwirkungsgrad der fossilen Kraftwerke wieder nach unten gedrückt wird.
Mustermann 27.05.2009
3.
Zitat von sysopDie Energiewirtschaft arbeitet mit Hochdruck an einer Technologie, um CO2-Emissionen von Kohlekraftwerken unschädlich zu machen. Die Speicherung von CO2 gilt aber nicht überall als vernünftige Lösung. Ist sie nur ein teurer Irrweg?
Ja unsere Energiewirtschaft, die weiss schon womit sie Geld verdient kann und ihre Handlanger in Bonn werden das sicher gerne durchwinken. Teurer Quatsch, gefährlich und technisch nicht erprobt aber lukrativ ohne Ende und darauf kommt es ja an.
Galaxia, 27.05.2009
4. Biochar
Besser als diese Co2 Speicherung ist die Potenteste Art und Weise dem Klimawandel zu begegnen, besteht darin Co2 in BioChar zu binden. Sie verbrennen Muell und das Produkt ist ein Duenger der Ertragsernten um bis zu 900% steigert! Und nebenbei renten wir so noch das Klima. Eine Win Win Situation in Jeder hinsicht! http://www.youtube.com/watch?v=nzmpWR6JUZQ http://www.geos.ed.ac.uk/sccs/biochar/
moordruide 27.05.2009
5. CO 2 Speicherung
Ich hoffe, das solcher Unsinn uns allen den Atem verschlägt, dann sparen wir eine große Menge CO 2.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.