Baudenkmal in Portugal Mysteriöser Pilz zersetzt Mauerwerk der Kathedrale von Coimbra

In Portugal sind Denkmalschützer auf eine bisher unbekannte Pilzart gestoßen - sie hat den Kalkstein einer Kathedrale angegriffen. Der Schädling befindet sich seit Jahrhunderten im Gestein. Was tun?

Miguel Mesquita

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Die Kathedrale Sé Velha in Portugal gehört zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt Coimbra. Das beliebte Ziel für Touristen erinnert ein wenig an eine Festung. Doch gegen diesen tückischen Feind helfen auch dicke Mauern nicht.

Denn wie an vielen historischen Bauten mit einem hohen Alter, nagt auch an der Sé Velha der Zahn der Zeit. Restauratoren begutachten deshalb regelmäßig, wo sie möglicherweise eingreifen müssen, um das Kulturdenkmal zu erhalten.

Bei einer solchen Gebäudebegehung haben Experten in der irgendwann im 12. Jahrhundert nach Christus fertiggestellten Kathedrale nun einen neuen Schädling im Mauerwerk entdeckt: Eine bisher unbekannte Pilzart hat den Kalkstein befallen. Die Spezies gehöre zu den bei Restauratoren gefürchteten Schwarzpilzen. Sie gelten als besonders widerstandsfähig und schwer zu entfernen. Zudem können sie tief in die Poren des Gesteins eindringen und dort Mikrorisse verursachen oder Substanzen produzieren, die Korrosion fördern.

Dem Pilz kamen die Forscher auf die Spur, als sie in der Santa-Maria-Kapelle von einem stark angegriffenen Kalksteinfragment Proben nahmen. Analysen ergaben: Für die schwarze Färbung dort ist offenbar eine Spezies namens Aeminium ludgeri verantwortlich, schreiben Forscher um João Trovão von der Universität Coimbra. Ihre Studie ist im Fachmagazin "MycoKeys" erschienen.

Offenbar befindet sich der Pilz schon sehr lange im Gestein. Er hat sich wohl bei der Erbauung in den Poren eingenistet, vermuten die Forscher. Und könnte noch aus den nahen Steinbrüchen in den Ortschaften Ançã und Portunhos stammen, aus dem einst das Material für die Kathedrale hergeschafft wurde. Ob noch andere Gebäude auf der iberischen Halbinsel betroffen sind, wissen die Experten noch nicht. Einst wurde auch im spanischen Pilgerort Santiago de Compostela ein Gebäude mit Steinen aus diesem Steinbruch errichtet.

Für Restauratoren wie Wanja Wedekind von der Universität Göttingen ist die Bekämpfung von Schwarzpilzen eine Herausforderung. Sie wachsen oft in Symbiose mit Flechten. Entfernt man letztere von der Oberfläche von Steinbauwerken oder Skulpturen, bleiben deutlich sichtbare schwarze Färbungen zurück. "Das sieht gerade bei hellem Gestein wie Marmor hässlich aus", sagt der Experte für Steinkonservierung. Dann helfen oft nur Bleichmittel wie Wasserstoffperoxid oder giftige Biozide.

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Kathedrale in Portugal: Schwarzer Pilz in Sé Velha

Einige Pilze könnten sogar Säure absondern, die Kalkstein auflösen, so Wedekind. Aber grundsätzlich sei nicht jeder mikrobiologische Bewuchs schädlich. Es gibt auch Flechten, Mikroschleime, Pilze, Bakterien oder Moose, die keinen Schaden anrichten. Deshalb müsse zunächst immer analysiert werden, um welche Spezies es sich handele.

Das Reinigen sei dann eine Standardmaßname, um zu schauen, ob sich unter dem Bewuchs schon Schäden in der Bauwerksstruktur gebildet haben. Auch die Gesteinsart spielt eine Rolle. Der Kölner Dom, eine Art Dauerbaustelle für die Restauratoren, besteht aus vielen unterschiedlichen Arten, darunter auch Vulkangestein, das besonders empfindlich ist.

"Die meisten Schäden an Bauwerken entstehen durch Salze", sagt Wedekind. Gerade in Meeresnähe dringen sie über die Luft ins Gestein ein und setzen sich in den Poren ab. Wenn sie dort kristallisieren, kann es zu Sprengungen kommen.

Doch auch schwefelhaltige Abgasemissionen aus der Luft richten erhebliche Schäden an. Denn daraus entwickelt sich im Gestein das Salz Kalziumsulfat also Gips. Gipsablagerungen und Krusten sind gerade im urbanen Raum ein Problem. Denn er bleibt über lange Zeit feucht. Dadurch bleiben an der Oberfläche dunkle Partikel aus der Luft haften. Das Gestein wird schwarz.

Problemfall Gedächtniskirche

"Gips bekommt man schwer runter", sagt Wedekind. Die Experten arbeiten mit Zellstoffkompressen, die sie feucht halten. Über Wochen löst sich dann der Gips an, dann kann man ihn mit Werkzeugen abtragen.

Doch im Augenblick machen in Deutschland vor allem Gebäude Probleme, die gar nicht so alt sind. Dazu gehört etwa die Gedächtniskirche oder das Charlottenburger Tor in Berlin. Oder das Rathaus Hannover. Denn hier hatte man die Fassaden in den Siebziger- und Achtzigerjahren gegen Feuchtigkeit abgedichtet. Doch diese Versiegelung, auch Hydrophobierung genannt, hatte ungeahnte negative Folgen.

Das Wasser, dass sich schon im Gestein befand oder durch kaputte Fugen eingedrungen war, konnte nicht mehr entweichen. Dadurch kam es etwa zu Frostsprengungen. Nun dürfen die Restauratoren die eigentlich gut gemeinte Schutzschicht wieder abtragen. So sei so manches Gebäude ewig restauriert worden, sagt Wedekind.

Bei der Kathedrale Sé Velha in Portugal stehen nun wohl ebenfalls aufwendige Arbeiten an, um das Mauerwerk instand zu setzen.



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