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11. September 2018, 16:17 Uhr

Italien

Goldschatz unter leerem Theater gefunden

In Como nahe Mailand sollten Arbeiter ein Theater abreißen. Dabei fanden sie uralte Münzen. Das Gold stammt aus dem Römischen Reich und blitzt wie frisch von der Bank geholt. Über den Wert wird wild spekuliert.

Das historische Cressoni-Theater in Como nördlich von Mailand hat eine lange Geschichte: Hier wurden seit dem Ende des 19. Jahrhunderts etliche Opern aufgeführt, irgendwann blieb der Bühnenerfolg aus. Nach diversen Renovierungen entschied man sich, in dem alten Bau lieber Filme zu zeigen. Aber auch hiermit war irgendwann Schluss. Das Kino stellte 1997 seinen Betrieb ein. Seitdem stand das Gebäude leer und sollte dieses Jahr abgerissen werden.

Doch bei den Arbeiten machten die Bauarbeiter einen außergewöhnlichen Fund. Unter dem Fundament des Theaters entdeckten sie einen alten Krug aus Speckstein. An einer Stelle war er zerbrochen. Der Riss ermöglichte den Findern einen Blick auf den Inhalt - und der war außergewöhnlich: Mehr als 300 Goldmünzen lagen in dem alten Gefäß. Sie waren in einem außergewöhnlich guten Zustand und blitzten, als hätte sie gerade jemand bei einer Bank abgeholt.

Archäologen datierten den Fund auf die Spätphase des Römischen Reichs. Nach dem Ergebnis erster Begutachtungen könnten die Münzen im 5. Jahrhundert nach Christus geprägt worden sein.

"Sie waren einst in Rollen gestapelt, ähnlich wie man es heute von Kleingeldrollen kennt", sagte die Münzexpertin Maria Grazia Facchinetti auf einer Pressekonferenz. Möglicherweise ist der Zustand des Edelmetalls deshalb so gut.

Die Prägungen zeigten verschiedene römische Kaiser, darunter Flavius Honorius, Valentinian III, Leon I, und Libius Severus - er war von 461 bis 465 nach Christus weströmischer Kaiser.

Möglicherweise eine Art Bankdepot

Wer den Krug mit dem wertvollen Inhalt am Fundort platziert hat, gibt den Fachleuten dagegen Rätsel auf. Das Ministerium für Kultur teilte mit, man wisse kaum etwas über die historische und kulturelle Relevanz des Fundes.

Möglicherweise könnte es sich tatsächlich um eine Art Bankdepot gehandelt haben und nicht um Privatbesitz, mutmaßen die Archäologen. Auch ein Goldbarren befand sich neben den Münzen. Derzeit wird das Gold in einem Restaurierungslabor des Ministerium in Mailand genauer untersucht.

Über den heutigen Wert des Fundes schweigen sich die Fachleute übrigens aus - auch weil es keine Vergleichsfunde dieser Qualität gebe. Doch in italienischen Medien wird spekuliert, die Münzen könnten mehrere Millionen wert sein.

joe

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