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Computerspiele: Gehirntraining mit dem Shooter

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Von "Medienverwahrlosung" war kürzlich im ZDF die Rede und von Computerspielen, die dumm machen. Dabei sind sich Wissenschaftler höchst uneins, wenn es um die Auswirkungen des Gaming geht. Studien belegen sogar, dass Spielen schlau, schnell und flexibel machen kann.

Computerspieler: "Räumliche Fertigkeiten von Kindern verbessert"
DDP

Computerspieler: "Räumliche Fertigkeiten von Kindern verbessert"

Für viele Eltern war es wohl ein vorweihnachtlicher Schock: Computerspiele machen dumm, so die Quintessenz eines Beitrags im ZDF-Magazin "Frontal 21" am 30. November. Hatte man da etwa eben beim Geschenke-Einkauf den Grundstein für den geistigen Abstieg des eigenen Nachwuchses gelegt?

Basis für die Frontal-21-These war eine Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, eines als gemeinnützig anerkannten Vereins. Die spärlichen vorab veröffentlichten Ergebnisse zeigen vor allem eins: Wer mehr als vier Stunden am Tag fernsieht, ist auch schlechter in der Schule. Kinder, die Computer, Fernseher, Game-Konsole und DVD-Player im Kinderzimmer stehen haben, lesen im Schnitt weniger als ihre mit Hardware nur schlecht ausgestatteten Altersgenossen.

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Computerspiele: Zocken macht schlau

Aus diesen Resultaten wurde beim ZDF eine Anklage gegen Computerspiele. Henning Scheich, Neurobiologe an der Universität Magdeburg, warnte in dem Beitrag: Informationen, die Kinder beim nachmittäglichen Computerspielen aufnähmen, überlagerten im Gehirn den vormittags vermittelten Lernstoff. Das müsse sich langfristig negativ auf die Schulleistung auswirken.

Wie Gift in Lebensmitteln

Ob eine Partie Tischtennis am Nachmittag den gleichen schädlichen Effekt haben könnte, erläuterte Scheich nicht. In jedem Fall hatte man endlich einen Schuldigen für Bildungsmisere und Pisa-Schock ausgemacht. Trotz der eher dünnen Datenlage sorgte der Beitrag für einige Erregung: "Heute"-Moderatorin Petra Gerster etwa verglich Computerspiele in einer Talkshow mit "Gift in Lebensmitteln", Familienministerin Renate Schmidt bedauerte, dass man ja nun nicht alle verbieten könne.

GTA San Andreas: Zocken als Gehirntraining

GTA San Andreas: Zocken als Gehirntraining

Angesichts der Aufregung überraschend: Der tatsächliche Stand der Forschung auf diesem Gebiet spricht eine ganz andere Sprache. Computer- und Videospiele, so die Schlussfolgerungen vieler Forscher, können sich durchaus positiv auf die geistige Entwicklung von Kindern und Jugendlichen auswirken - wenn sie in Maßen genutzt werden.

"Viele Computerspiele fördern die gleichen Fertigkeiten, die in nicht-sprachlichen Intelligenztests geprüft werden", stellte etwa eine Forschergruppe um Kaveri Subrahmanyam von der California State University in einem Überblicksartikel fest. "Computerspiele haben einen unmittelbaren positiven Einfluss auf bestimmte räumliche Fähigkeiten, auf die Vorstellungskraft und die Aufmerksamkeit", so die Psychologen, die knapp achtzig einschlägige Veröffentlichungen analysiert hatten.

Computerspiele verbessern Vorstellungskraft

Viele Studien haben den Zusammenhang von Spielen und bestimmten Hirnleistungen untersucht. Ein typisches Beispiel: so genannte mentale Rotationsaufgaben. Dabei geht es darum, geometrische Objekte in der eigenen Vorstellung zu drehen, also etwa ein "A", das auf dem Kopf steht, als solches zu erkennen. Solche Rotationsaufgaben sagen viel aus über die räumlichen Fertigkeiten, egal, ob es dabei ums Lesen einer Landkarte oder um den Bau eines Baumhauses geht.

Grusel-Shooter Doom 3: Bilder schneller und sicherer erfassen

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Richard De Lisi von der Rutgers University in New Jersey ließ Kinder zwischen acht und neun Jahren solche Aufgaben lösen. Die Hälfte seiner kleinen Versuchspersonen spielte vorher eine halbe Stunde lang "Tetris". Auch Kinder, die ursprünglich schlecht in der Rotationsaufgabe abgeschnitten hatten, verbesserten sich deutlich, wenn sie vorher mit dem Computerspiel trainiert hatten. "Computerbasierte Lernaktivitäten können in Schulen genutzt werden, um die räumlichen Fertigkeiten von Kindern zu verbessern", folgerte De Lisi.

Aber nicht nur "Tetris"-Fertigkeiten wie das geistige Herumdrehen von geometrischen Figuren lassen sich durch Computerspiele trainieren. Auch weniger abstrakte, dafür umso gewalttätigere Spiele wie der Kriegs-Shooter "Medal of Honor" eignen sich fürs Gehirntraining.

Aufmerksamkeit gesteigert

Shawn Green von der University of Rochester etwa zeigte gemeinsam mit einer Kollegin, dass erfahrene Spieler deutlich besser in Aufgaben abschneiden, in denen es um kontrollierte Aufmerksamkeit geht, und darum, sich einen schnellen Überblick zu verschaffen. Seinen in Spielen wie "Grand Theft Auto 3", "Half-Life" oder "Counterstrike" geschulten Versuchspersonen gelang es in einer eigens entworfenen Aufgabe besonders gut, Wichtiges von Unwichtigem auf einem Computerbildschirm zu unterscheiden: Sie erkannten bestimmte Suchobjekte schneller, auch wenn die von ablenkenden Figuren umgeben waren.

GTA San Andreas: Verbesserte Aufmerksamkeitsleistung

GTA San Andreas: Verbesserte Aufmerksamkeitsleistung

Die versierten Daddler ließen sich durch störende Reize nicht so leicht ablenken und konnten neu gezeigte Bilder schneller und sicherer erfassen. Beispielsweise gelang es ihnen schneller als der Vergleichsgruppe, auf einem Bildschirm dargestellte Objekte zu zählen.

Dass sich Ballern tatsächlich lohnen kann, zeigte ein weiteres Experiment: Wenn Anfänger zehn Tage lang vor dem Bildschirm geübt hatten, verbesserte sich auch ihre Aufmerksamkeitsleistung. Dabei war "Medal of Honor" als Trainingsgerät sogar noch effektiver als "Tetris". Wohl deshalb, weil "Actionspiele es nötig machen, dass man die Aufmerksamkeit aufteilt oder schnell auf dem Spielfeld umherbewegt", wie Green und seine Kollegin Daphne Bavelier im Wissenschaftsmagazin "Nature" schrieben.

Eine Forschergruppe an der London University fordert inzwischen sogar, Computerspiele als Lernstoff in den Unterricht zu integrieren. "Spiele sind eine legitime kulturelle Ausdrucksform und verdienen die gleiche kritische Betrachtung in der Schule, die Film, Fernsehen und Literatur zuteil wird", sagte der Pädagogikforscher Andrew Burn der britischen BBC. Ideal sei es, wenn Kinder sogar ihre eigenen Spiele entwerfen könnten, um ein "umfassendes Verständnis" zu erreichen. Computerspiele, sagte Burns Kollegin Caroline Pelletier, könnten dann ein "Ausdrucksmittel" sein - "wie Schreiben oder Zeichnen".

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