Unterernährung: Mehr Kalorien allein reichen nicht aus

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Malawi: Fast die Hälfte der Kinder leiden an der Krankheit Kwashiorkor

Tagelang bekommen sie nichts Nahrhaftes  zu Essen: Viele Kinder in Malawi leiden schon in den ersten drei Lebensjahren unter schwerer Mangelernährung. Erdnusspaste soll ihren Hunger stoppen, doch möglicherweise braucht es neue Strategien.

Hamburg/Washington - Die Menschen in Malawi essen vor allem Mais, Tomaten und Zwiebeln oder bekommen tagelang überhaupt nichts zu Essen. Gerade bei Kindern führt das schnell zu einer schweren Mangelernährung - der Krankheit Kwashiorkor. Offenbar spielen Darmbakterien hierbei eine Rolle, berichten Forscher im Fachmagazin Science. Die Untersuchung zeigt, dass die Zufuhr von Kalorien allein möglicherweise nicht ausreicht, um die unterernährten Mädchen und Jungen wieder gesund zu machen.

317 Zwillingspaare aus dem südostafrikanischen Malawi beobachteten die Forscher in den ersten drei Lebensjahren. Gut die Hälfte der Kinder blieb gut ernährt, während beim Rest mindestens ein Zwilling Kwashiorkor entwickelte. Kinder mit Kwashiorkor haben durch Wassereinlagerungen einen aufgeblähten Bauch und leiden an Leber- und Hautschäden sowie an Abmagerung.

Die Forscher analysierten die Stuhlproben von insgesamt 22 Paaren, darunter waren auch neun gut ernährte Zwillinge. Bei den Analysen zeigten sich zwischen den kranken und gesunden Kindern deutliche Unterschiede in der Darm-Mikrobiota, also der Gesamtheit der Mikroorganismen im Darm.

Tests mit Erdnusspaste

Anschließend erhielten Zwillingspaare mit einem unterernährten Kind im Durchschnitt neun Wochen eine spezielle Erdnusspaste, die zur Standardtherapie gehört. Durch die Behandlung ähnelte sich die Zusammensetzung der Mikroben im Darm der Kinder später wieder. Wurde die Gabe der Erdnusspaste gestoppt, entstand bei dem kranken Kind jedoch wieder ein Muster wie zuvor.

Um mehr über diese Zusammenhänge zu erfahren, unternahmen die Wissenschaftler Versuche an Mäusen. Sie setzten den Tieren Darmbakterien ein, die von drei Zwillingspaaren stammten. Das Ergebnis: Zwei von drei Mäusegruppen, die von einem Kwashiorkor-Kind Darmflora erhalten hatten, verloren Gewicht - jedoch nur, wenn sie für Malawi typische Nahrungsmittel erhielten. Fraßen die Nager normales Mäusefutter, nahmen sie nicht ab. Mit Erdnusspaste als Nahrung nahmen alle Tiere zu.

"Die Ergebnisse der Studie sind bemerkenswert", kommentiert David Relman von der Stanford University School of Medicine, Kalifornien, die Studie in einem Begleitartikel. "Sie geben auch Anlass zur Hoffnung." Durch ein besseres Verständnis der Zusammenhänge könnten sich Ansätze für neue Strategien ergeben. Doch müssten noch mehr Menschen mit Kwashiorkor und anderen Formen der Unterernährung untersucht werden.

Akute Mangelernährung wird unter anderem anhand des Verhältnisses zwischen Größe und Gewicht festgestellt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Standards für die Diagnose von mäßigen und schweren Formen erstellt. Nach Angaben des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen leben 14 Millionen Menschen in Malawi. Etwa 1,6 Millionen in ländlichen Regionen sind vom Hunger bedroht.

jme/dpa

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