Daten von Antarktis-Expeditionen: Inventur in kalten Tiefen

Welche Tiere leben am Grund des Südpolarmeeres? Für eine Übersichtsarbeit haben Forscher Daten von rund 90 Antarktis-Expeditionen zusammengetragen. Sie hoffen, dass die Bestandsaufnahme bei künftigen Schutzmaßnahmen hilft.

Antarktis: Bestandsaufnahme im Südpolarmeer Fotos
AWI/ A. Starmans/ W. Dimmler

Auf dem Meeresboden der Antarktis wachsen bunte Korallen und Schwämme, Eisfische und Krebstiere suchen in der Tiefe nach Nahrung. Die vielfältigen Lebensgemeinschaften unter Wasser haben Forscher in vielen Expeditionen dokumentiert. Eine Studie im Fachjournal "Nature Conservation" stellt nun Erkenntnisse von rund 90 Forschungsfahrten aus knapp 60 Jahren gebündelt vor.

Fänge vom Meeresgrund, Beobachtungen von Tauchern sowie Tausende Fotos und Videos von Unterwasserrobotern flossen in den Datensatz ein, wie Hauptautor Julian Gutt vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven erläutert.

Die Daten sollen Wissenschaftlern Informationen über die Lebensgemeinschaften rund um den Antarktischen Kontinent bis in eine Wassertiefe von etwa 800 Metern bieten. Teilweise erinnere die Unterwasserwelt in der Antarktis an Korallenriffe mit vielen verschiedenen Organismen, sagte Gutt. An anderen Stellen gebe es dagegen nur eine niedrige Lebensvielfalt.

Die Daten sollen über die "Antarctic Biodiversity Facility" öffentlich zugänglich sein und könnten bei der Einrichtung mariner Schutzgebiete helfen. Die Hauptleistung der nun veröffentlichten Arbeit sei, dass Daten, die über viele Jahre von vielen verschiedenen Institutionen gesammelt wurden, nun genau beschrieben und frei zugänglich vorliegen. Das würde die Arbeit in Zukunft vereinfachen.

Dynamischer als gedacht

Eine neue Erkenntnis hat die Bestandsaufnahme bereits gebracht: Die Lebensgemeinschaften auf dem antarktischen Meeresboden sind viel dynamischer als gedacht. "Bisher war man davon ausgegangen, dass die Tiere sehr langsam wachsen", erläuterte Gutt. Sein Team und amerikanische Forscher hatten an verschiedenen Stellen bei Tiergruppen beobachtet, dass sich Populationen unter günstigen Bedingungen schnell aufbauen können - aber auch schnell wieder absterben, wenn sich das Umfeld verschlechtert. Der Biologe folgert daraus, dass das Ökosystem noch stärker auf Klimaveränderungen reagiert als bisher angenommen.

Gutt befindet sich derzeit an Bord des Forschungsschiffs "Polarstern" im Weddell-Meer, einem Randmeer am antarktischen Kontinent.

wbr/dpa

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