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Demenz-Erkrankungen: Alzheimer könnte angeboren sein

Von Cinthia Briseño

Forscher haben in den Gehirnen toter Alzheimer-Patienten eine verstörende Entdeckung gemacht: Sie fanden große Mengen an anormalen Zellen, die eine bisher unerkannte Ursache der Demenz-Erkrankung sein könnten. Ihre Entstehung beginnt wahrscheinlich schon im Kindesalter.

Nervenzellen (aus Stammzellen gezüchtet): Massensterben im Alzheimer-Gehirn Zur Großansicht
REUTERS

Nervenzellen (aus Stammzellen gezüchtet): Massensterben im Alzheimer-Gehirn

Die Angst vor dem Alter hat viele Gesichter. Eines davon ist die Angst vor dem langsamen Vergessen. Alzheimer kommt schleichend, fällt anfangs kaum auf. Nach und nach zerfällt aber das, was zum Denken befähigt, was Erinnerungen gibt, das eigene Ich. Wird es mich auch eines Tages treffen? Viele Menschen stellen sich diese Frage - beantworten kann sie bisher niemand.

Zwar wissen Forscher inzwischen recht gut, was im Gehirn von Menschen passiert, die von der Alzheimer-Krankheit betroffen sind: Nervenzellen sterben ab, erst wenige, dann immer mehr. Doch den genauen Grund für das neuronale Massensterben kennen Forscher noch nicht. Zwei Prozesse, so der derzeitige Kenntnisstand, sind die Hauptverursacher des langsamen Verfalls: Zum einen Bilden sich sogenannte Plaques, Protein-Moleküle, die sich außerhalb der Nervenzellen aneinanderlagern und letztlich zu größeren Strukturen verklumpen und so die Funktion des Gehirns beeinträchtigen. Zum anderen brechen in den Nervenzellen die Transportwege zusammen.

Forscher um Thomas Arendt vom Paul-Flechsig-Institut für Hirnforschung der Universität Leipzig haben nun einen weiteren Ansatz entdeckt, der den Tod der Nervenzellen erklären könnte. Wie sie im "American Journal of Pathology" berichten, könnte es sein, dass es schon im frühen Kindesalter Hinweise darauf gibt, ob man eines Tages an Alzheimer erkranken könnte.

Die Wissenschaftler hatten Proben aus Hirnen von Verstorbenen untersucht, die an Alzheimer in unterschiedlichen Stadien gelitten hatten. Dabei fiel eine Besonderheit auf: Im Gehirn der Erkrankten waren überdurchschnittlich häufig Hirnzellen zu finden, die mehr als die üblichen zwei Kopien der Erbsubstanz enthielten.

Toleranz-Grenze durchbrochen

Normalerweise trägt jede Zelle (außer Ei- und Spermienzellen) jedes Chromosom doppelt, also ein Chromosomenpaar. Anders war es bei den Proben der Alzheimer-Patienten: "Manche Hirnzellen tragen vier, andere sogar sechs Chromosomenpaare", sagt Studienleiter Arendt. Solche Zellen werden hyperploid genannt und kommen in verschiedenen Kombinationen vor - auch im gesunden Gehirn. "Im Gehirn von Alzheimer-Patienten stellen wir aber eine doppelt so hohe Anzahl fest. Es scheint eine Toleranzgrenze durchbrochen zu sein."

Interessant ist die Entdeckung vor allem deshalb, weil sich die anomalen Zellen bereits in einem Stadium anhäufen, in dem den Betroffenen noch nichts anzumerken ist. "Wir sind ziemlich sicher, dass diese übergroße Gruppe an hyperploiden Zellen schon während der Gehirnentwicklung des Kindes entsteht", sagt Arendt.

Doch wie kann dieser Mechanismus das massenhafte Nervensterben erklären? Arendt und seine Kollegen stellen sich den Zusammenhang so vor: Im Lauf der Erkrankung sterben bevorzugt die anomalen Zellen ab, weil sie offenbar weniger robust sind. Deshalb seien bei Alzheimer-Patienten im Endstadium nur noch wenige hyperploide Zellen nachweisbar. Die Konsequenz des Massensterbens ist dann, dass das Gehirn seine normale Funktion nicht mehr aufrechterhalten kann.

Allerdings ist dieser Mechanismus bisher reine Vermutung. Nicholas Varvel, Alzheimer-Forscher am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung in Tübingen, gibt zu bedenken, dass die Hyperploidie nicht zwingend die Ursache für das neuronale Sterben sein muss. Varvel selbst hat ein Übermaß an hyperploiden Nervenzellen auch in den Hirnen von genetisch veränderten Alzheimer-Mäusen beobachten können. Doch in diesem Tiermodell konnte er bisher nicht beweisen, dass die anormale Chromosomenzahl den Tod der Nervenzellen tatsächlich auslöst.

Zudem, so der Alzheimer-Forscher im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE, müsse man bedenken, dass die Hirnproben der Verstorbenen nur einen bestimmten Zustand abbilden. "Wenn man solche Proben untersucht und darin hyperploide Zellen zählt, kann man nur Rückschlüsse auf das Zeitfenster zum Zeitpunkt des Todes machen", sagt Varvel. Man wisse nicht, wie das Gehirn in den Jahren zuvor ausgesehen habe - und auch nicht, wie sich das Gehirn möglicherweise verändert hätte, wenn der Patient länger gelebt hätte, so Varvel.

Sollte sich in weiteren Untersuchungen dennoch bestätigen, dass das Zuviel an Chromosomen tatsächlich der entscheidende Auslöser für den Zelluntergang und damit die Alzheimer-Krankheit ist, stehen die Forscher allerdings vor einem Problem: Hyperploidie ist irreversibel. Es ist nicht möglich, die betroffenen Zellen in den Normalzustand zu versetzen.

Die betroffenen Zellen stürben auf jeden Fall ab, sagt Arendt. Dennoch könnte sich die Möglichkeit eröffnen, schon früh vorherzusagen, wer mit einer hohen Wahrscheinlichkeit an Alzheimer erkranken wird - vorausgesetzt, es stünde eine Methode zur Verfügung, mit der man ins Gehirn schauen könne.

Die jetzt vorliegenden Erkenntnisse werfen zudem eine ganze Reihe weiterer Fragen auf: Warum ist eine hyperploide Zelle so anfällig für den Zelltod? Ist diese Fehlentwicklung auch in anderen Organen nachweisbar? Gibt es unter Umständen schädliche Einflüsse auf Mutter und Kind in der Schwangerschaft, die zu einer solchen Entwicklungsstörung des Hirns führen? Schnelle Antworten darauf wird es allerdings aus Sicht von Arendt nicht geben.

Mit Material von ddp

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 8 Beiträge
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1. Überprüfung der Tabletteneinnahmen
meinung3000 27.07.2010
Vielleicht sollte man auch mal überprüfen, mit welchen Tabletten Alzheimer-Patienten möglicherweise über Jahre behandelt wurden oder sich selbst behandelt haben. Machen nicht gerade die oftmals überflüssigen Cholesterin-Senker akut vergesslich und greifen den Körper an (unbedingt lesen: Wikipedia "Cholesterin" Stichpunkt "Kritik"). Um der Vergesslichkeit entgegenzuwirken werden dann wieder Mittel verzehrt, die die Gedächtnisleistung stärken sollen - angeblich für Vitalität im Alter stehen - tatsächlich sind es eigentlich bei näherer Betrachtung Entzündungshemmer mit Nebenwirkungen, die zudem nur über einen kurzen Zeitraum eingenommen werden sollten. Aber das vermitteln die schaukelnden und wandernden Senioren in der Werbung natürlich nicht. Aber wenn Günter Jauch ein Mittel in der Werbung für Senioren empfiehlt, dann kann es doch nur gesund sein, oder? Und schon gibt es Wechselwirkungen von Medikamenten. Die einen verschreibt der Onkel Doktor, die anderen werden in der Apotheke selbst besorgt. Das kann nicht ohne Folgen bleiben - schon gar nicht über die Jahre eingenommen.
2. Ansichtssache
pulegon 27.07.2010
Zitat von meinung3000Vielleicht sollte man auch mal überprüfen, mit welchen Tabletten Alzheimer-Patienten möglicherweise über Jahre behandelt wurden oder sich selbst behandelt haben. Machen nicht gerade die oftmals überflüssigen Cholesterin-Senker akut vergesslich und greifen den Körper an (unbedingt lesen: Wikipedia "Cholesterin" Stichpunkt "Kritik"). Um der Vergesslichkeit entgegenzuwirken werden dann wieder Mittel verzehrt, die die Gedächtnisleistung stärken sollen - angeblich für Vitalität im Alter stehen - tatsächlich sind es eigentlich bei näherer Betrachtung Entzündungshemmer mit Nebenwirkungen, die zudem nur über einen kurzen Zeitraum eingenommen werden sollten. Aber das vermitteln die schaukelnden und wandernden Senioren in der Werbung natürlich nicht. Aber wenn Günter Jauch ein Mittel in der Werbung für Senioren empfiehlt, dann kann es doch nur gesund sein, oder? Und schon gibt es Wechselwirkungen von Medikamenten. Die einen verschreibt der Onkel Doktor, die anderen werden in der Apotheke selbst besorgt. Das kann nicht ohne Folgen bleiben - schon gar nicht über die Jahre eingenommen.
Da fällt mir eigentlich nur Neil Tyson (http://www.youtube.com/watch?v=zfAzaDyae-k#t=2m12s) ein ;-) Dann sollte man auch auf der Diskussionsseite die Kritik an der Kritik und die Kritik an der Kritik der Kritik an der Kritik etc. pp. lesen. Überflüssig ist immer ein sehr relativer Begriff. Solange keine Ursachenbekämpfung möglich ist, versucht man halt die Ursachen der Symptome zu bekämpfen und soweit ich das Überblicke sind Cholesterinsenker bisher eher positiv als negativ aufgefallen. Sofern Sie keine Pharmaverschwörung draus machen scheint das auch logisch, dass man nicht wieder besseren Wissens behandelt. Müssten Sie nurnoch Namen nennen, damit man sich informieren kann ohne den nächsten schaukelnden Senior nach seiner Medikation zu fragen. Die Frage ist immer zweierlei: 1.) Hilft es? Antwort: randomisierte Doppeltblindstudien. 2.) Hilft es langfristig mehr, als es Schadet? Antwort: Langzeitstudien. Es hat leider immernoch niemand einen Weg gefunden Langzeiteffekte von Medikamenten verlässlich vorherzusagen. Und die Systembiologie ist noch ein paar Jahrzehnte hin. Fakt ist, dass ich mich bei medizinischen Aspekten immernoch mehr auf meinen Arzt als auf Wikipedia verlassen würde. Denn eins ist bei Wikipedia auch klar, so bald es um Gesundheitsthemen geht, sind die Hypochonder in der Überzahl.
3. Premiere
fpa, 27.07.2010
Zitat von sysopDie Alzheimer-Krankheit ist möglicherweise angeboren. Zu diesem Schluss kommen Leipziger Forscher nach der Untersuchung von verstorbenen Patienten. Demnach könnten Betroffene unter einer Störung der Hirnentwicklung leiden, bei der abnormale Zellen eine große Rolle spielen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,708544,00.html
Eine Premiere, die es zu würdigen gilt: Erstmals wird in einem populärwissenschaftlichen Artikel des SPON eine festgestellte Korrelation nicht unbesehen gleich als Ursache verkauft. Diese kritische Distanz wünscht man sich öfter. Denn selbst, wenn sich herausstellen sollte, dass die Zellen mit den Mehrfachkopien des genetischen Codes nicht Ursache sondern "nur" Risiko-Indikatoren einer späteren Alzheimer-Erkrankung sein sollten, wäre das doch schon ein erheblicher Wissenszuwachs.
4. Von mir aus können die Pharma-Auftragsforscher noch viel forschen
karmamarga 27.07.2010
Zitat von sysopDie Alzheimer-Krankheit ist möglicherweise angeboren. Zu diesem Schluss kommen Leipziger Forscher nach der Untersuchung von verstorbenen Patienten. Demnach könnten Betroffene unter einer Störung der Hirnentwicklung leiden, bei der abnormale Zellen eine große Rolle spielen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,708544,00.html
Die, die keine degenerativen Erkrankungen des ZNS wollen schauen vor allem nach Schwermetallen und Kieferostitiden und räumen beides aus. Für die Ostitiden nimmt man den Cavitat-Ultraschalltest. Das geht allerdings nur, wenn man sich als Mediziner von jenem Organbezug lösen kann, den man für die Praxis draussen bei der Ausbildung anerzogen bekommt. Man hat bei dieser Ausrichtung zum Anwender der innovativen Pharmaprodukte nämlich das grösste Körperorgan "übersehen" bzw. ihm keine allzugrosse Bedeutung zugemessen. Argument zu Ende.
5. Antwort
meinung3000 27.07.2010
Zitat von pulegonDa fällt mir eigentlich nur Neil Tyson (http://www.youtube.com/watch?v=zfAzaDyae-k#t=2m12s) ein ;-) Dann sollte man auch auf der Diskussionsseite die Kritik an der Kritik und die Kritik an der Kritik der Kritik an der Kritik etc. pp. lesen. Überflüssig ist immer ein sehr relativer Begriff. Solange keine Ursachenbekämpfung möglich ist, versucht man halt die Ursachen der Symptome zu bekämpfen und soweit ich das Überblicke sind Cholesterinsenker bisher eher positiv als negativ aufgefallen. Sofern Sie keine Pharmaverschwörung draus machen scheint das auch logisch, dass man nicht wieder besseren Wissens behandelt. Müssten Sie nurnoch Namen nennen, damit man sich informieren kann ohne den nächsten schaukelnden Senior nach seiner Medikation zu fragen. Die Frage ist immer zweierlei: 1.) Hilft es? Antwort: randomisierte Doppeltblindstudien. 2.) Hilft es langfristig mehr, als es Schadet? Antwort: Langzeitstudien. Es hat leider immernoch niemand einen Weg gefunden Langzeiteffekte von Medikamenten verlässlich vorherzusagen. Und die Systembiologie ist noch ein paar Jahrzehnte hin. Fakt ist, dass ich mich bei medizinischen Aspekten immernoch mehr auf meinen Arzt als auf Wikipedia verlassen würde. Denn eins ist bei Wikipedia auch klar, so bald es um Gesundheitsthemen geht, sind die Hypochonder in der Überzahl.
Ich möchte Ihnen und vor allem den betroffenen Menschen, denen man neben der Einnahme von Tabletten unsinnige Diäten aufschwatzt raten, sich wirklich einen Überblick zu verschaffen. Es gibt reichlich Informationen im Netz. Wikipedia stellt hier nur eine von zahlreichen Quellen dar. Zudem: 2 Ärzte - 2 Meinungen
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Demenzerkrankungen: "Wie der Schrecken seinen Lauf nimmt"

Morbus Alzheimer

Die Alzheimer-Krankheit wird auch Morbus Alzheimer oder Demenz vom Alzheimer-Typ genannt. Der bayerische Nervenarzt Alois Alzheimer beschrieb die Erkrankung erstmals 1906 anhand von Beobachtungen an seiner 51-jährigen Patientin Auguste Deter, die fünf Jahre lang unter schwerem Gedächtnisverlust und paranoiden Wahnzuständen gelitten hatte, bevor sie starb. Bei der Analyse ihres Gehirns fand Alzheimer steinharte Ablagerungen, die sogenannten Plaques und Fibrillen.

Die langsam fortschreitende Erkrankung ist neurodegenerativ, d.h in bestimmten Gehirnbereichen wie dem Hippokampus, den motorischen Arealen und dem Hirnstamm, gehen die Nervenzellen allmählich zugrunde. Die durchschnittliche Krankheitsdauer liegt zwischen sechs und acht Jahren, in Ausnahmefällen zwischen einem und 15 Jahren. Im Verlauf kann es zu Jahre anhaltenden Plateauphasen kommen, während derer sich der Patient stabil auf dem erreichten Niveau hält.

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