Lebenserwartung: 72 ist das neue 30

In den vergangenen vier Generationen ist die Lebenserwartung in den Industrienationen rapide gestiegen. Forscher haben den Prozess nun genauer untersucht. Sie verglichen das Sterberisiko von Schweden, Japanern, ursprünglichen Jägern und Sammlern - und Schimpansen.

Rentner in Bremen (Archivbild): Lebenserwartung in Industrienationen stark gestiegen Zur Großansicht
dapd

Rentner in Bremen (Archivbild): Lebenserwartung in Industrienationen stark gestiegen

Die Lebenserwartung des Menschen ist in den vergangenen hundert Jahren rapide gestiegen. Heute in Deutschland geborene Jungen werden durchschnittlich 77 Jahre und 9 Monate alt, Mädchen sogar 82 Jahre und 9 Monate.

Ein internationales Forscherteam hat untersucht, wie sich das Sterberisiko von Menschen in Industrieländern in den vergangenen 200 Jahren verändert hat. Die Daten aus Schweden und Japan haben sie mit den Sterberaten von ursprünglichen Jäger-und-Sammler-Gesellschaften wie den Hadza sowie mit denen von Schimpansen verglichen.

Im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" berichten sie, dass sich das Sterberisiko von Menschen in Industrieländern heute stärker von dem von Jäger und Sammlern unterscheide als deren Mortalität von jener der Schimpansen. "Das ist deshalb erstaunlich, weil die Jäger und Sammler ohnehin schon eine für Säugetiere ungewöhnlich niedrige Sterberate besitzen", schreibt die Gruppe um Oskar Burger vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock.

Als Sterberate oder Mortalität bezeichnen Wissenschaftler die Wahrscheinlichkeit, mit der ein Mensch eines bestimmten Alters innerhalb eines Jahres stirbt. Sie liegt beispielsweise heute für einen 65-jährigen Japaner bei 0,8 Prozent. Für einen 65-Jährigen aus einer ursprünglichen Jäger- und Sammler-Kultur liegt das Risiko dagegen bei 5,3 Prozent.

Umweltbedingte Gefahren aus dem Weg geräumt

Die Ergebnisse zeigen, dass die Sterberaten von Jägern und Sammlern und den Bewohnern der Industrieländer noch vor hundert Jahren nahezu gleich waren. Dann allerdings habe es einen rapiden Sprung gegeben, berichten die Forscher. Heute müsse beispielsweise ein Japaner 72 Jahre alt werden, um das gleiche Sterberisiko zu haben wie ein 30-jähriger Jäger und Sammler. Man könnte mit Blick auf das evolutionäre Muster sagen, dass 72 das neue 30 sei, schreiben die Forscher

Das Tempo dieser Veränderung sei enorm: Von den rund 8000 Generationen, die der Homo sapiens insgesamt erlebt habe, hätten daran nur die letzten vier Anteil gehabt.

Die rapide Verbesserung sei nicht durch genetische Faktoren zu erklären, sondern vielmehr durch die enormen kulturellen Fortschritte des Menschen: "Wir haben einen Großteil der umweltbedingten Gefahren aus dem Weg geräumt, indem wir Verletzungen und Krankheiten mithilfe der Medizin heilen und ältere Menschen gesünder ernähren und besser versorgen können", schreiben die Forscher. Kein anderes Lebewesen habe seine Umwelt so sehr verändert und kontrolliert wie der Mensch.

Es gebe aber keinen Grund anzunehmen, dass nicht auch andere Tierarten ihre Überlebenschancen bei entsprechender Entwicklung ähnlich stark verändern könnten. Biologisch gesehen sei unsere Art nicht wandelbarer als viele andere auch.

wbr/dapd

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insgesamt 32 Beiträge
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1. ist der Verfasser wirklich so fachfremd?
tart 16.10.2012
Zitat von sysopIn den vergangenen vier Generationen ist die Lebenserwartung in den Industrienationen rapide gestiegen. Forscher haben den Prozess nun genauer untersucht. Sie verglichen das Sterberisiko von Schweden, Japanern, ursprünglichen Jägern und Sammlern - und Schimpansen. Demografie und Lebenserwartung: 72 ist das neue 30 - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/demografie-und-lebenserwartung-72-ist-das-neue-30-a-861349.html)
wie alt die heute in D geborenen Menschen werden weiss keiner. Die Altersangaben beziehen sich auf das durchschnittliche aktuelle Sterbealter.
2. optional
van51 16.10.2012
m...was ist daran so schwer zu verstehen?es ist eine nnahme die auf satistik beruht und kein axiom....
3. ja ja
diepresselügt 16.10.2012
Zitat von sysopIn den vergangenen vier Generationen ist die Lebenserwartung in den Industrienationen rapide gestiegen. Forscher haben den Prozess nun genauer untersucht. Sie verglichen das Sterberisiko von Schweden, Japanern, ursprünglichen Jägern und Sammlern - und Schimpansen. Demografie und Lebenserwartung: 72 ist das neue 30 - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/demografie-und-lebenserwartung-72-ist-das-neue-30-a-861349.html)
Besser ihr als ich..... ;)
4. ...
washington.mayfair 16.10.2012
Zitat von sysopIn den vergangenen vier Generationen ist die Lebenserwartung in den Industrienationen rapide gestiegen. Forscher haben den Prozess nun genauer untersucht. Sie verglichen das Sterberisiko von Schweden, Japanern, ursprünglichen Jägern und Sammlern - und Schimpansen. Demografie und Lebenserwartung: 72 ist das neue 30 - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/demografie-und-lebenserwartung-72-ist-das-neue-30-a-861349.html)
meine Schwester sagt dazu nur: " alt ist das neue alt"
5. also....
tart 16.10.2012
Zitat von van51m...was ist daran so schwer zu verstehen?es ist eine nnahme die auf satistik beruht und kein axiom....
aus dem verlinkten artikel: Sie basieren auf den Daten von Gestorbenen und der Durchschnittsbevölkerung der jeweils letzten drei Jahre. wie hoch war das sterbealter vor 80 jahren;-) sicher 20 jahre unter dem von heute. also ein zielmich beklopptes axiom;-)
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