Denisova-Urmensch Forscher entschlüsseln Erbgut unserer Vorfahren

Das große Menschheitsrätsel wurde noch nicht geknackt - aber Wissenschaftler um Svante Pääbo sind verdammt nah dran: Im August präsentierten sie eine Liste, die beantworten kann, wie der Mensch wurde, was er ist. Aufschluss gibt ihnen das Erbgut des Denisova-Urmenschen.

Replik des Knochenfragments des Denisova-mädchens auf einer menschlichen Hand.
MPI für evolutionäre Anthropologie / DPA

Replik des Knochenfragments des Denisova-mädchens auf einer menschlichen Hand.


Es war nur ein versteinerter Fingerknochen, aber er enthielt eine Sensation: Vor zwei Jahren entdeckten Wissenschaftler in der südsibirischen Denisova-Höhle im Altai-Gebirge einen knapp 50.000 Jahre alten Knochen. Die Experten des Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie konnten Erbmaterial aus ihrem Fund gewinnen. Eigentlich hatten sie erwartet, die DNA entweder einem modernen Menschen oder einem Neandertaler zuordnen zu können - doch beides traf nicht zu: Die Gen-Analyse offenbarte, dass es sich um das Fingerknöchelchen eines Mädchens handelte. Und dieses Mädchen gehörte zu einem Typ Mensch, der den Forschern bis dahin völlig unbekannt war. "Denisovaner" tauften die Forscher diesen Stamm.

Die Chronik eines ganzen Menschengeschlechts aus einem einzigen Knöchelchen zu lesen - wissenschaftlich war das ein ziemlicher Scoop. Doch die Leipziger Forscher um Paläogenetiker Svante Pääbo begnügten sich nicht damit. Sie entwickelten ein neues Verfahren, um den Erbgutbröseln in diesem einen Knochen noch mehr Geheimnisse zu entlocken.

"In dieser Liste schlummern noch viele große Entdeckungen"

Im August 2012 präsentierte Pääbo dann die ganze Liste, sie enthält das Geheimnis der Spezies Homo sapiens - eine Sensation. Zwar mutet diese Liste ziemlich kryptisch an. Im wesentlichen besteht sie aus einer Aneinanderreihung von etwas mehr als 120.000 Kürzeln wie NOVA1, SLITRK1 oder ARHGAP32. Und über die meisten dieser Kürzel ist tatsächlich nicht viel mehr bekannt als ihr zumeist nichtssagender Name. Trotzdem ist Pääbo überzeugt: "Diese Liste enthält das, was uns zu dem macht, was wir sind."

Ein ganzes Forscherleben lang hat er sich an dieses Ziel herangepirscht. Immer weiter hat er sich mit den Mitteln der Genanalyse in die Vorgeschichte des Menschen vorgetastet. Ein ganzes Max-Planck-Institut hat er in Leipzig aus der Taufe gehoben, um das große Menschheitsrätsel knacken zu können. Und nun also ist sie da, diese Liste, veröffentlicht im Fachblatt "Science".

Insgesamt 23 Gene haben die Leipziger Forscher gefunden, die bei der Menschwerdung eine besondere Rolle gespielt haben könnten. Besonders interessant: Acht davon haben etwas mit der Verdrahtung von Hirnzellen zu tun.

Weiter: Ferne Welten: Forscher jubeln über Exoplaneten-Flut

Zurück zur Übersicht

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
michaelkaloff 15.01.2013
1. Huch- keine Kommentare
... nach so langer Zeit. Dabei bin ich doch so gerne Biologe, weil man nie aufhört, etwas dazu zu lernen. Interessante Reise- Lebensqualität pur! Gut- es gibt so einige Bücher, die auch von Menschen geschrieben wurden, aber in denen auch morgen alles Wahre geshrieben ist- sagen zumindest deren Apologeten. Erstaunlicherweise existiert darüber ein größerer Diskussionsbedarf.
Blaue Fee 16.01.2013
2.
Natürlich ist das super spannend und NatGeo hat im neuen DNA-Kit des Genographic Projects sogar einen Test für Spuren des Denisova Menschen oder des Neandertalers im eigenen Erbgut parat, aber was sollen wir zu diesem Zwischenbericht sagen ausser: Carry on...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.