Designer-Vagina Warnung vor dem Schnitt im Schritt

Sie ist die neueste Mode in der plastischen Chirurgie: die "Designer-Vagina". Frauen, die unzufrieden mit dem Aussehen ihres Geschlechtsteils sind, lassen es mit einigen Schnitten verschönern. Jetzt warnen Medizinerinnen eindringlich vor den Folgen des Eingriffs.


London - Dass Menschen auf der Suche nach Schönheit auch vor Selbstverstümmelungen nicht Halt machen, ist an sich nichts Neues. Zu Tätowierungen, Piercings, Brust-Operationen und Intimschmuck hat sich inzwischen eine weitere Spielart der schmerzhaften Verschönerung gesellt: die "Designer-Vagina". Bei solchen Eingriffen werden meist die äußeren Schamlippen verkleinert, aber auch Haut oberhalb der Klitoris entfernt oder gleich die gesamte Vagina verkürzt.

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Zwei Expertinnen warnen jetzt im Fachblatt "British Medical Journal" eindringlich vor solchen Eingriffen. Die Londoner Gynäkologin Sarah Creighton und die Psychologin Lih Mei Liao kritisieren, dass Chirurgen die weiblichen Komplexe schamlos ausnutzten, aber über die Risiken eines solchen Eingriffs kaum Auskunft gäben.

Die Frauen erwarteten von der sogenannten Genitoplastik die Schaffung einer abgeflachten Vulva, die dem kindlichen Look der Fotomodelle in westlichen Modezeitschriften entspreche. Oft kämen sie mit Vorlagen zum Chirurgen, die häufig aus pornografischen Zeitschriften stammten und sehr wahrscheinlich digital verändert worden seien, heißt es in dem Artikel weiter.

Bei einer nicht repräsentativen Befragung von Patientinnen in britischen Krankenhäusern gaben die Frauen vor allem Einschränkungen in ihrem Lebensstil als Gründe für den Eingriff an. "Sie meinten, dass sie keine engen Kleider tragen könnten, sich nicht an den Strand trauten oder beim Radfahren Probleme hätten", schreiben die Autorinnen.

Obwohl präzise Statistiken nicht vorlägen, sei ein Trend unverkennbar. Allein der staatliche britische Gesundheitsdienst habe in den Jahren 2004 bis 2005 insgesamt 800 Schamlippenreduktionen vorgenommen, sechs Mal so viele wie im gleichen Zeitraum sechs Jahre zuvor. Wie viele privat finanzierte Eingriffe es darüber hinaus gebe, sei unbekannt. Auch über die Spätfolgen einer solchen Operation lägen keine Daten vor. Unter anderem warnten die Autorinnen, dass durch einen derartigen Eingriff die dort liegenden Nerven beschädigt könnten und die Funktion der erogenen Zonen eingeschränkt werden könnte.

mbe/AFP



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