Studie: Atomkatastrophe würde Deutschlands Helfer überfordern

Für einen Atomunfall wie in Fukushima ist Deutschland nicht gewappnet. Eine Studie des Bundesamts für Strahlenschutz belegt nach SPIEGEL-Informationen: Die mit radioaktiven Stoffen verseuchten Flächen wären weitaus größer als bislang angenommen, ganze Städte müssten evakuiert werden.

Die Kühltürme von Block 1 und 2 des AKW Philippsburg: "In der Planung nicht vorgesehen"Zur Großansicht
dapd

Die Kühltürme von Block 1 und 2 des AKW Philippsburg: "In der Planung nicht vorgesehen"

Hamburg - Wenn der Atomunfall, der sich nach Erdbeben und Tsunami im japanischen Fukushima ereignete, in Deutschland passieren würde, würde der Katastrophenschutz kläglich versagen: Radioaktive Stoffe würden weit größere Räume verstrahlen als bislang angenommen, und ganze Städte müssten evakuiert werden - dies sei "nicht in der Notfallplanung vorgesehen", heißt es nach SPIEGEL-Informationen in einer bislang unveröffentlichten Studie des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS).

Die Fachleute des Bundesamts hatten verschiedene Atomunfälle simuliert. Sie kombinierten Wetterdaten aus dem Jahr 2010 für die Kernkraftwerke Philippsburg 2 und das mittlerweile stillgelegte AKW Unterweser mit Unfallverläufen, die denen in Japan vor einem Jahr ähneln. In Deutschland gingen Experten bislang davon aus, dass nur "über mehrere Stunden oder Tage" radioaktive Stoffe freigesetzt würden.

Das Kraftwerk Fukushima Daiichi blies dagegen mehrere Wochen lang Strahlenstoffe in die Umwelt. "Es ist ein völlig neues Szenario", sagt Wolfgang Weiss, Vorsitzender des Uno-Strahlenkommittees UNSCEAR.

Deutsche Grenzwerte sind um ein Vielfaches höher als in Japan

Die BfS-Forscher spielten Szenarien über jeweils 15, 25 oder 30 Tage durch. Dabei wurden große Gebiete verstrahlt, für die keine Evakuierungspläne existieren. Menschen bis zu 100 Kilometer vom AKW Philippsburg entfernt dürften ihre Häuser nicht mehr verlassen. In dem Szenario wechselten die Windrichtungen häufig, die Notfallmaßnahmen kämen daher schnell an ihre Grenzen.

Die Studie verdeutlicht auch ein grundsätzliches Problem: In deutschen Notfallplänen gelten sogenannte Eingreifrichtwerte - wenn sie überschritten werden, muss der Staat handeln. Diese Grenzwerte sind um ein Vielfaches höher als die Grenzwerte, welche die japanischen Behörden anwandten.

Kritiker monieren, das Bundesumweltministerium habe die Ergebnisse seit vergangenem Jahr unter Verschluss gehalten. Das Ministerium bestreitet das; die "Annahmen, die der Studie zugrunde liegen", würden nun geprüft, die Studie selbst werde später veröffentlicht, heißt es in einer Stellungnahme des Ministeriums.

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jjc

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insgesamt 752 Beiträge
cassandros 17.03.2012
Da können wir nur von Glück sagen, daß unsere Kernkraftwerke ja *total* *sicher* sind und sich eine Katastrophe gar nicht ereignen kann. Stand jedenfalls auf der Verpackung.
Zitat von sysopFür einen Atomunfall wie in Fukushima ist Deutschland nicht gewappnet. Eine Studie des Bundesamts für Strahlenschutz belegt nach Informationen des SPIEGEL: Die mit radioaktiven Stoffe verseuchten Flächen wären weitaus größer als bislang angenommen, ganze Städte müssten evakuiert werden.
Da können wir nur von Glück sagen, daß unsere Kernkraftwerke ja *total* *sicher* sind und sich eine Katastrophe gar nicht ereignen kann. Stand jedenfalls auf der Verpackung.
Patanjali 17.03.2012
von dem Abschluss einer Haftpflichtversicherung befreit. Gerade aus diesem Grund.
Zitat von sysopFür einen Atomunfall wie in Fukushima ist Deutschland nicht gewappnet. Eine Studie des Bundesamts für Strahlenschutz belegt nach Informationen des SPIEGEL: Die mit radioaktiven Stoffe verseuchten Flächen wären weitaus größer als bislang angenommen, ganze Städte müssten evakuiert werden. Studie: Atomkatastrophe würde Deutschlands Helfer überfordern - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft (http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,821977,00.html)
von dem Abschluss einer Haftpflichtversicherung befreit. Gerade aus diesem Grund.
Vergil 17.03.2012
Aber zum Glück steigen wir ja aus und beziehen unseren Atomstrom aus dem Ausland, weil die erneuerbaren Energien hinten und vorne nicht reichen und nicht reichen werden. Zum Beispiel aus dem AKW Temelin, 60 km von der [...]
Zitat von sysopFür einen Atomunfall wie in Fukushima ist Deutschland nicht gewappnet. Eine Studie des Bundesamts für Strahlenschutz belegt nach Informationen des SPIEGEL: Die mit radioaktiven Stoffe verseuchten Flächen wären weitaus größer als bislang angenommen, ganze Städte müssten evakuiert werden. Studie: Atomkatastrophe würde Deutschlands Helfer überfordern - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft (http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,821977,00.html)
Aber zum Glück steigen wir ja aus und beziehen unseren Atomstrom aus dem Ausland, weil die erneuerbaren Energien hinten und vorne nicht reichen und nicht reichen werden. Zum Beispiel aus dem AKW Temelin, 60 km von der deutschen Grenze entfernt. Oder Tihange, 12 km entfernt. Oder die AKW an der französisch-deutschen Grenze.
atherom 17.03.2012
Vielleicht sollte man den Lesern kurz vor den Augen führen, weshalb Japan vor einer Woche trauerte: es trauerte um über 20.000 Menschen, die einer Naturkatastrophe zu Opfer fielen. Bei dem daraus resultierenden Gau in [...]
Zitat von sysopFür einen Atomunfall wie in Fukushima ist Deutschland nicht gewappnet. Eine Studie des Bundesamts für Strahlenschutz belegt nach Informationen des SPIEGEL: Die mit radioaktiven Stoffe verseuchten Flächen wären weitaus größer als bislang angenommen, ganze Städte müssten evakuiert werden. Studie: Atomkatastrophe würde Deutschlands Helfer überfordern - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft (http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,821977,00.html)
Vielleicht sollte man den Lesern kurz vor den Augen führen, weshalb Japan vor einer Woche trauerte: es trauerte um über 20.000 Menschen, die einer Naturkatastrophe zu Opfer fielen. Bei dem daraus resultierenden Gau in Fukushima gab es bisher keinen einzigen Toten. Diese 20.000 fanden in Deutschland kaum Beachtung, die Katastrophe in Fukushima führte aber dazu, dass einer gelernten Physikerin, quasi über Nacht, die Gefahr der Atomenergie bewusst wurde und diese (überhaupt nicht populistisch) den sofortigen Ausstieg aus der preiswerten und bisher auch saubersten Energie einleitete. Bei der Windenergie spricht man bisweilen über die hässlichen Windmühlen. Die Tausenden Vögel, die tagtäglich von den Mühlen geschlachtet werden, spricht man noch nicht.
Bln79 17.03.2012
Ja, genau das ist der Grund. Sie schließen ja auch eine Haftpflichtversicherung ab, damit Sie im Schadensfall selbst auf den Kosten sitzen bleiben. *lol* Wenn man schon AKW-Kritiker ist, dann sollte man bitte auch [...]
Zitat von PatanjaliWarum wolh wurden die AKW-Betreiber von dem Abschluss einer Haftpflichtversicherung befreit. Gerade aus diesem Grund.
Ja, genau das ist der Grund. Sie schließen ja auch eine Haftpflichtversicherung ab, damit Sie im Schadensfall selbst auf den Kosten sitzen bleiben. *lol* Wenn man schon AKW-Kritiker ist, dann sollte man bitte auch entsprechende Logik anwenden. Ohne Haftpflichtversicherung sind die Betreiber nämlich selbst haftbar.
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  • Samstag, 17.03.2012 – 19:19 Uhr
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