Deutschland Der Müllberg wächst

Schutt, Plastik, Schrott: Deutschland produziert 412 Millionen Tonnen Müll im Jahr. Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen, wo am meisten Abfall anfällt - und wo er landet.

Mülldeponie in Niedersachsen
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Mülldeponie in Niedersachsen


Es gibt immer mehr Abfall in Deutschland, aber der Müll wird auch immer häufiger verwertet. Laut den aktuellsten, vorläufigen Zahlen fielen 2016 etwa 411,5 Millionen Tonnen Müll an. Das waren 9,3 Millionen Tonnen mehr als im Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

Die Bau- und Abbruchbranche hat mehr als die Hälfte des Abfalls verursacht, beispielsweise in Form von Schutt. Insgesamt kamen 13,8 Millionen Tonnen zusammen - ein Zuwachs um 6,6 Prozent im Vergleich zu 2015.

Auch die Siedlungsabfälle sind 2016 leicht gestiegen - von 51,6 Millionen Tonnen im Jahr 2015 auf 52,1 Millionen Tonnen im Jahr 2016. Dazu zählen auch Haushalts- und Verpackungsabfälle. Wie wichtig die korrekte Trennung von Müll im Haushalt ist, lesen Sie hier:

Einen deutlichen Rückgang gab es bei den sogenannten übrigen Abfällen - insbesondere aus Produktion und Gewerbe. Hier sank die Menge um 5,7 Prozent auf 55,9 Millionen Tonnen.

Mehr als 80 Prozent des gesamten Abfalls wurde nach Angaben des Bundesamts "stofflich oder energetisch verwertet" - also recycelt oder zur Energiegewinnung verbrannt. Zehn Jahre zuvor hatte die Quote noch 74,3 Prozent betragen. Wie eine müllfreie Zukunft aussehen könnte, lesen Sie hier.

Den Großteil bei der Verwertung machte 2016 mit 287,6 Millionen Tonnen das Recycling aus. Rund 44,4 Millionen Tonnen Abfall wurden energetisch verwertet, meist durch Verbrennung. Immerhin noch fast 17 Prozent des Abfalls wurden auf Deponien entsorgt. Allerdings landeten nur 0,2 Prozent der Siedlungsabfälle dort.

Dass die Recycling-Quote so positiv ausfällt, liegt auch daran, dass Deutschland einen Großteil des Abfalls exportiert. China hat jedoch Anfang des Jahres ein Importstopp für Plastikabfälle aus Gewerbe und Industrie verhängt. Deshalb werden derzeit bis zu 70 Prozent des Altplastiks in Deutschland verbrannt.

Und nicht nur in Deutschland, sondern weltweit wird immer mehr Abfall produziert - gerade der Plastikmüll wird zunehmend zum Problem. Allein in der EU entstehen nach Angaben der EU-Kommission jedes Jahr rund 26 Millionen Tonnen Plastikmüll. Nicht mal ein Drittel davon wird wiederverwertet.

Der Rest landet auf Müllkippen oder in der Umwelt. Im Pazifik treibt bereits ein Müllstrudel der viermal so groß ist wie Deutschland. Immer wieder werden Kadaver von Wasservögeln und Fischen entdeckt, die verendeten, weil ihre Mägen voll mit Plastik waren. Die EU-Kommission will deshalb bestimmte Plastikartikel verbieten. Welche Konsequenzen das haben kann, lesen Sie hier.

koe/AFP/dpa



insgesamt 25 Beiträge
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Seite 1
ansv 01.06.2018
1.
So ganz schlau werde ich nicht aus dem Artikel: Was ist der Unterschied zwischen einer Deponie und einer Müllkippe? Wir operieren hier mit Zahlen von 2016 - warum so alt? Und die Siedlungsabfälle stiegen also um 1 Mio Tonnen - richtig? Wenn mir jetzt noch einer sagen würde, wie hoch hier der Kunststoffanteil ist und welche Recyclingquote ich zugrunde legen kann, dann hätte ich eine für mich relevante Information. Die habe ich aber irgendwie überlesen, oder? Weil - was die Industrie mit ihrem Müll anstellt, das verantwortet unsere Politik. Nicht der einzelne Leser.
Germanus 01.06.2018
2. @1 ansv
Die Siedlungsabfälle stiegen um 0,5 Mio Tonnen. Die Bau- und Abbruchabfälle stiegen um 6,6% = 13,8 Mio Tonnen, das waren dann 209,1 Mio Tonnen 2015 und 222,9 Mio Tonnen in 2016. Was ich nicht verstehe: seit Jahrzehnten gibt es den gelben Sack und alle sammeln damit fleißig Plastik & Co., aber wofür??? Damit dann ca. 70% verbrannt werden? Dann kann man gleich alles in den Restmüll werfen.
guidomuc 01.06.2018
3. Deutscher Müll...
...gelangt nicht in den Pazifik, das ist ein Öko-Märchen. Und unvermeidbarer Müll gehört getrennt (Metall, Glas, Papier und Kunststoff und natürlich Problemmüll) und dann konsequent wiederverwertet oder verbrannt, nicht deponiert. Biomüll gehört auf den Prüfstand, zu häufig gerät dadurch Plastik in die Umwelt.
mamfred.poesel 01.06.2018
4. Müll vermeiden
Zitat von GermanusDie Siedlungsabfälle stiegen um 0,5 Mio Tonnen. Die Bau- und Abbruchabfälle stiegen um 6,6% = 13,8 Mio Tonnen, das waren dann 209,1 Mio Tonnen 2015 und 222,9 Mio Tonnen in 2016. Was ich nicht verstehe: seit Jahrzehnten gibt es den gelben Sack und alle sammeln damit fleißig Plastik & Co., aber wofür??? Damit dann ca. 70% verbrannt werden? Dann kann man gleich alles in den Restmüll werfen.
Noch besser ist natürlich, den ganzen Müll gar nicht erst entstehen zu lassen. Dazu die 5Rs von Zero Waste: https://wastelandrebel.com/de/die-5-rs-von-zero-waste/ oder https://zerowastehome.com/2011/09/how-to-get-started/ Müll vermeiden spart - je nach persönlicher Ausgestaltung - eine Menge Aufwand und Geld und macht das Leben deutlich schöner. Naja und der Umwelt tut es auch ganz gut.
Mesi0013 01.06.2018
5. An Germanus,
Nein, genau das nicht. Restmülltonne ist keine Lösung da das große Hemmnis für die weitere Verwertung der Nassanteil ist, der aber durch die Biotonne in der Regel gut reduziert wird. Vor dem gelben Sack war Müllvermeidung angesagt,man war volumenmäßig begrenzt. Durch den gelben Sack und der Nicht-Regulierung durch die Politik kam es zu einer ungehemmten Verpackungsschwemme. Bitte verstehen sie das stoffliches Recycling sich vom energetischen Aufwand kaum lohnt, bei Kunststoffen, bei Metallen sieht das anders aus. Und so lange wir Primärenergie für Heizzwecke und Energieerzeugung verwenden ist es doch besser die Abfälle thermisch zu verwerten wenn dann dabei noch Energie erzeugt wird, umso besser.
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