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Diabetes: Stammzelltherapie verbessert Leistung der Bauchspeicheldrüse

Keine Insulinspritzen mehr? Eine Untersuchung von US-Forschern liefert erste Hinweise darauf, dass eine Therapie mit eigenen Blutstammzellen bei Diabetes mellitus helfen könnte. Von 23 Teilnehmern konnten 12 mehrere Monate bis Jahre auf Insulin verzichten.

Chicago - Obwohl Stammzellen immer wieder als Hoffnungsträger für zukünftige Therapien gegen Alzheimer, Schlaganfälle und Parkinson gehandelt werden, kamen sie beim Menschen aufgrund von unbekannten Risiken und Nebenwirkungen bisher nur selten zum Einsatz. Jetzt haben US-Wissenschaftler allerdings erste Hinweise auf die Wirksamkeit einer Stammzelltherapie bei einer der wichtigsten Volkskrankheiten gefunden: Diabetes mellitus.

Diabetikerin spritzt sich Insulin: Besserer Hormonhaushalt nach Stammzelltransplantation
DPA

Diabetikerin spritzt sich Insulin: Besserer Hormonhaushalt nach Stammzelltransplantation

Die Wissenschaftler hatten 23 Patienten mit Diabetes mellitus Typ I für ihre Studie rekrutiert, wie sie im Fachmagazin "Journal of the American Medical Association" berichten. Bei der Erkrankung, die vermutlich durch einen Autoimmunprozess in Gang kommt, gehen die Insulin produzierenden ß-Zellen der Bauchspeicheldrüse unter. Dadurch steigt der Blutzuckerspiegel im Blut an - Arterienverkalkung, Nerven- und Nierenschäden sind nur einige der häufigen Folgen. Auf Dauer muss der Betroffene Insulin spritzen, um den Stoffwechsel im Gleichgewicht zu halten.

Das Team um Richard Burt von der Northwestern University Feinberg School of Medicine in Chicago (US-Bundesstaat Illinois) hatte Patienten Blutstammzellen entnommen. Diese wurden im Labor untersucht, aufbereitet und den Probanden danach wieder gespritzt.

Schon vor zwei Jahren hatten die Forscher erste Ergebnisse von 15 Teilnehmern publiziert: Demnach konnte der Großteil nach der Therapie für einige Zeit auf die Insulinspritzen verzichten - im Durchschnitt 19 Monate lang. Doch die Ergebnisse waren umstritten: "Es wurde vermutet, dass die Unabhängigkeit von Insulin nur eine verlängerte Schonzeit gewesen sein könnte, bedingt durch verändertes Ess- und Sportverhalten und eine strenge medizinische Überwachung nach der Transplantation", schreiben die Wissenschaftler.

Lungenentzündungen und weniger Spermien

Um eine bessere Aussage darüber machen zu können, ob sich die ß-Zellen der Bauchspeicheldrüse durch die Stammzelltherapie regenerieren, untersuchten die Wissenschaftler nun die Höhe des sogenannten C-Peptids. Dieser Marker ist ein Teil des Vorläufers von Insulin und hilft im klinischen Alltag bei der Diagnosestellung einer Diabetes mellitus. Ist er besonders niedrig, fehlt dem Körper Insulin - und es muss durch künstliches ersetzt werden.

Von den 23 Studienteilnehmern konnten acht kurzzeitig und 12 langfristig (zwischen ein und vier Jahre) auf Insulin verzichten. Bei der Bestimmung des C-Peptids zeigte sich, dass die Werte in beiden Gruppen anstiegen, bei den Probanden mit langfristiger Insulinfreiheit besonders stark. Die Stammzelltherapie habe demnach dazu geführt, schreiben die Wissenschaftler, dass der Spiegel des C-Peptids bei den Probanden angestiegen sei und sie deutlich weniger Insulin benötigten. Derzeit sei die von ihnen durchgeführte autologe Stammzelltransplantation die einzige Therapie, die eine Diabetes mellitus I beim Menschen rückgängig machen könne, so die Forscher.

Weitere Studien müssten allerdings die Rolle dieser neuen Therapieoption noch bestätigen. Denn bei den Versuchen gab es Nebenwirkungen: Zwei Patienten bekamen eine Lungenentzündung, drei entwickelten weitere Hormonstörungen, und neun produzierten nach der Therapie zu wenig Spermien. Zudem handelt es sich bei der Untersuchung noch um die erste und zweite Phase einer klinischen Studie, die Sicherheit und Rahmenbedingungen einer Therapie prüfen. Erst in der dritte Phase muss ein signifikanter Wirkungsnachweis erfolgen.

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