Dickdarmkrebs Mutation gelangte im 17. Jahrhundert nach Amerika

Ein Ehepaar aus England soll um 1630 eine Mutation für erblichen Dickdarmkrebs nach Nordamerika gebracht haben. Bei vielen heute lebenden Nachkommen der Einwanderer konnten US-Forscher die gleiche Erbgutveränderung nachweisen, die als Ursache des Tumors gilt.


Birmingham - Vor fast 400 Jahren war das Paar von England nach Amerika ausgewandert, nun haben Wissenschaftler der University of Utah in Salt Lake City ein mitunter tödliches Mitbringsel im Erbgut der Nachkommen identifiziert. Deborah Neklason und ihre Kollegen hatten die Stammbäume von zwei Großfamilien untersucht. 490 Familienangehörige aus Utah und 439 aus New York nahmen an der Studie teil.

Bei beiden Familien gibt es Mitglieder, die genau die gleiche Veränderung im Erbgut tragen: Ihnen fehle ein kleines Stück in der DNA, erklären die Forscher. Die Betroffenen leiden dadurch unter der sogenannten Attenuierten Familiären Adenomatösen Polyposis: Bei ihnen bilden sich Geschwulste im Dickdarm, im Alter von 80 Jahren sind im Durchschnitt über zwei Drittel der Mutationsträger an Dickdarmkrebs erkrankt.

Neklason und ihren Kollegen gelang es, die Vorfahren der heute lebenden Familien über neun Generationen bis ins 17. Jahrhundert zurückzuverfolgen. Dabei stellten sie fest, dass beide Familien von dem Ehepaar abstammen, das im 17. Jahrhundert nach Amerika übergesiedelt war. Da es die Mutation heute in Europa nicht gebe, müsste der Mann oder die Frau aus England der erste Träger dieser Erbgutveränderung gewesen sein, schreiben Neklason und ihre Kollegen im Fachmagazin "Clinical Gastroenterology and Hepatology".

Ein Sohn des Paars, der 1615 in England geboren wurde, gründete demnach den Familienzweig in New York. Eine 1620 geborene Tochter ist die Vorfahrin der Familie, die heute in Utah lebt. Wahrscheinlich gebe es jedoch noch wesentlich mehr Nachkommen des Ehepaars aus England, von denen viele ebenfalls die Mutation im Erbgut tragen, betont Neklason. Zwischen 1966 und 1995 traten 0,15 Prozent aller Dickdarmkrebsfälle in Utah bei Angehörigen der untersuchten Familie auf, berichten die Forscher.

hda/ddp



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.