Tiernahrung Ist veganes Hundefutter gesund?

In der Fernsehshow "Die Höhle der Löwen" warben Unternehmer für ein veganes Hundefutter. Aber ist das überhaupt artgerecht? Die Forschung dazu überrascht.

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Hunde sind Fleischfresser - das weiß doch jeder. Umso erstaunter reagierten viele Zuschauer, als in der Fernsehshow "Die Höhle der Löwen" am Dienstagabend ein veganes Tierfutter vorgestellt wurde. Gründerin Tessa Zaune-Figlar sei auf die Idee gekommen, weil ihr Hund Nelson herkömmliches Futter nicht vertragen habe.

Statt Fleisch habe sie ihm daraufhin nur pflanzliche Produkte zu fressen gegeben. Nach wenigen Wochen sei es dem Tier deutlich besser gegangen. Allerdings habe die Zubereitung viel Zeit gekostet. Daraufhin habe sie gemeinsam mit einer Tierärztin ein veganes Fertigfutter entwickelt, das auch Linsen und Erbsen enthält.

Der vegane Hund

Das vegane Hundefutter hat für heftige Kritik gesorgt. Einem Hund Fleisch vorzuenthalten, kann doch nicht gesund sein - oder?

"Prinzipiell kann man einen Hund schon vegan ernähren, ohne ihm zu schaden", sagt Josef Kamphues, Professor für Tierernährung an der Tierärztlichen Hochschule Hannover. In einer Versuchsreihe hat er gemeinsam mit einer Doktorandin herkömmliches und veganes Futter an Hunden getestet. Das Ergebnis: Den Tieren ging es durch die vegane Ernährung nicht schlechter.

"Für eine bedarfsgerechte Versorgung ist es nachrangig, ob die benötigten Kohlenhydrate, Fette, Eiweiße und Mineralstoffe von einem Tier oder einer Pflanze stammen", sagt Kamphues weiter. Es komme aber auf die richtige Zusammensetzung an, damit keine Mangelerscheinungen auftreten.

Erbsen enthielten beispielsweise hochwertiges Eiweiß. "Hunde vertragen pflanzliche Lebensmittel meist problemlos, viele fressen beispielsweise gern gekochte Kartoffeln", sagt Kamphues weiter.

Hundehalter sollten das vegane und vegetarische Futter aber nur selbst zusammenstellen, wenn sie sich wirklich auskennen, rät der Tierarzt. Ansonsten sollten sie lieber auf entsprechendes Mischfutter aus dem Handel zurückgreifen. Es gebe bereits mehrere Sorten auf dem Markt. Entscheidend sei nicht zuletzt, dass dem Hund das Futter auch schmeckt.

"Vielen mag es komisch vorkommen"

Dass eine vegetarische Ernährung Hunden oder Katzen nicht unbedingt schaden muss, hat auch eine Metastudie der University of Winchester gezeigt. Die Forscher raten Besitzern jedoch, den Urin der Tiere regelmäßig untersuchen zu lassen, um sicherzugehen, dass diese mit allen nötigen Nährstoffen versorgt sind.

"Vielen mag es komisch vorkommen, einen Hund vegetarisch oder vegan zu ernähren", sagt Kamphues. Die Entscheidung müsse jeder Hundehalter selbst treffen. Und einige hätten eben den Wunsch, die gesamte Familie vegetarisch oder vegan zu ernähren - und dazu gehöre für viele auch der Hund.

Video: Das Tier und wir - Mensch und Hund

Studio Hamburg Enterprises

koe



insgesamt 79 Beiträge
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widower+2 07.11.2018
1. Veganes Hundefutter?
Wie dem Artikel zu entnehmen ist, erfordert es erheblichen Aufwand, veganes Hundefutter herzustellen, das nicht zu einer Mangelernährung des Vierbeiners führt. Es dürfte entsprechend teuer sein und ob es Fiffi schmeckt, ist dann noch eine weitere Frage. Wenn man seinen ideologisch geprägten Veganismus unbedingt der gesamten Familie überstülpen möchte, sollte man sich vielleicht kein Tier anschaffen, dass eigentlich Fleischfresser ist.
Argonne 07.11.2018
2. Vegane Wölfe?
Stelle mir gerade vor, wie Veganer in den Wald ziehen, um Wölfe von veganer Ernährung zu überzeugen. Z.B. die Wölfe, die kürzlich eine ganze Schafsherde massakriert haben, um ihrem Nachwuchs das Jagen beizubringen, diese lieben, unter Naturschutz stehenden Tierchen. Das einzig widernatürliche ist wohl der Mensch und mit seinen Ideen, in einer völlig überzogenen Welt, die nicht mehr weiß, woher sie stammt und wie sie funktionier.
heidisand 07.11.2018
3. Vegan ernährter Hund riecht nicht mehr nach Hund
Hunde die vegan ernährt werden riechen nicht mehr nach Hund, sondern nach nichts, das ist ein großer Vorteil. Es ist mir durch Zufall aufgefallen, als ich während eines Vortrages eine Stunde neben zwei vegan ernährten Hunden gesessen habe. Den zu den Tieren gehörenden Menschen darauf angesprochen , der es bestätigt hat.
spon-facebook-10000015195 07.11.2018
4. Wer fragt den Hund?
Ich würde zu gern erfahren, ob der Hund damit einverstanden ist, wenn man ihm entgegen der Natur einfach veganes Futter vorsetzt. Jeder kann das selbst entscheiden, ob man sich vegan ernährt oder nicht. Tiere jedoch können einem nicht mitteilen, ob sie das wirklich wollen und gut finden. Daher glaube ich, dass man den Tierchen doch lieber die Nahrung vorsetzen sollte, die von ihrer evolutionärer Entwicklung geprägt wurde.
vetris_molaud 07.11.2018
5.
Der Verdauungstrakt eines Carnivoren lässt sich nicht durch einen veganistischen Glaubensakt in dem eines Wiederkäuers verwandeln. Hunden und Katzen Fleischnahrung vorzuenthalten ist ein Akt der Tierquälerei.
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