Die Mythen der Ersten Hilfe "Toter als tot geht nicht"

Von

2. Teil: "Die stabile Seitenlage ist am allerwichtigsten."


Deutsches Rotes Kreuz, Generalsekretariat Berlin

Notfallmediziner Jan Breckwoldt ist sich sicher: "Die stabile Seitenlage wird in den Lehrgängen überbewertet! Sie ist wesentlich seltener nötig, als die Kurse das suggerieren." So drehen oft Ersthelfer den Patienten auch dann auf die Seite, wenn eigentlich eine Wiederbelebung notwendig wäre. Ein weiteres Problem ist die in den Kursen oft sehr komplizierte Anleitung zur Stabilen Seitenlage. Schon 1997 veröffentlichte das European Resuscitation Council die Aussage, dass es völlig egal ist, wie die Stabile Seitenlage hergestellt wird.

Bis heute erklären Hilfsorganisationen wie das Deutsche Rote Kreuz (DRK) mit Hilfe von nicht weniger als sieben Bildchen komplizierte Handgriffe mit angewinkelten Armen oder hochgestellten Beinen, um den Patienten in die Stabile Seitenlage zu bringen. Dabei sind nur zwei Dinge wichtig: Der Mund muss der tiefste Punkt des Körpers, der Kopf überstreckt sein.

"Stabil" ist ein Patient trotz Seitenlage noch lange nicht - die Atmung muss ständig überprüft werden, denn es könnte jederzeit zu einem Atemstillstand kommen.



insgesamt 227 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Melkanador, 09.04.2008
1.
Das Leute Probleme haben 1. Hilfe zu leisten kann ja auch nichts damit zu tun haben, dass die meisten Leute einmal im Leben, für den Führerschein, einen Kurs besuchen, und anschließend nie wieder diesbezüglich tätig werden in Sachen Auffrischung? Zudem würden mich diese Studien interessieren. Wo finde ich die, und wer hat sie wie erstellt?
Whisp 09.04.2008
2. aus der Praxis
In der Praxis und auch Privat (z.B bei näheren Verwandten im Alter 40+) sehe ich dies leider sehr häufig Es wird weiterhin bei spritzenden Blutungen abgebunden (fatal für den Patienten) genauso werden Motorradhelme bei verufallten draufgelassen, die dann darunter ersticken. etc etc. Es gibt noch viele andere Mythen Auch der Selbstschutz wird häufig gar nicht beachtet (weil der Laie einfach aufgeregt ist). Erst vor einigen Wochen habe ich einen hirntoten 18jährigen in der Klinik mitbetreut, der, weil er einer verletzten Frau helfen wollte, einfach die Autotür aufgemacht hat und von einem anderen fahrzeug erfasst wurde. Die wenigsten Leute wissen, wie man adäquat erste Hilfe leistet (leider). Zumeist ist der Laie allerdings auch mit einer Notfallsituation - zu recht - überfordert. Solche Situationen sind halt Ausnahmen und die Angst etwas falsch zu machen zu groß. dennoch kann ich nur jedem raten, regelmäßig einen 1-H-Krs zu besuchen. Wenn man eine Situation kennt und weiß, was zu tun ist, steht man ihr ganz anders gegenüber. Die Studien über Erste Hilfe finden sich übrigens auf jedem Notarzt- udn Rettungsdienstprotokoll. Dort wird ein Vermerk gemacht ob die initiale Hilfe durch Laien "suffizient" oder "insufifzient" erfolgte. Suffizient heißt dabei meistens, das ÜBERHAUPT etwas gemacht wurde. Generell gilt: 1. Selbstschutz beachten !!! 2. Hilfe holen (lassen) Bei Bewusstlosen Personen IMMER Notarzt (112) verständigen 3. Vorgehen nach eigener Erfahrung und Ausbildung ( keine TV-trächtigen Luzftröhrenschnitte ala McGyver) 4. Wege freimachen lassen für den Rettungsdienst (Türen aufmachen, Einweiser hinstellen, Hindernisse aus dem Weg räumen) Es gilt aber auch, dass die Erste Hilfe nicht immer so schlecht ist. Als Gegenbeispiel zu oben hatten wir neulich eine reanimierte Person mit Herzinfarkt, die von einem 15 jährigen gerettet wurde, weil der einen Kurs in Erster Hilfe an der Schule gemacht hatte. Whisp
Volker B., 09.04.2008
3.
Zitat von MelkanadorDas Leute Probleme haben 1. Hilfe zu leisten kann ja auch nichts damit zu tun haben, dass die meisten Leute einmal im Leben, für den Führerschein, einen Kurs besuchen, und anschließend nie wieder diesbezüglich tätig werden in Sachen Auffrischung? Zudem würden mich diese Studien interessieren. Wo finde ich die, und wer hat sie wie erstellt?
Genau das ist m.E. der wahre Knackpunkt.
99erFiesta 09.04.2008
4.
Als ich den Führerschein gemacht hab musste ich wie jeder andre einen Erste-Hilfe-Kurs besuchen. Den Druckverband hab ich so super angelegt das meine Hand direkt rot angeschwollen ist, beim Motorradhelm aber war ich froh das ich als "Dummy" herhalten musste damit jemand anders mir den Helm fachgerecht abziehen konnte. Im Endeffekt würd ich sagen, Erste-Hilfe, keine gute Idee. Ich wäre mir besonders im Notfall nicht sicher ob ich mehr falsch als richtig mache und hätte besonders bei so einer Sache wie dem Motorradhelm Angst dem armen Kerl erst recht den Hals zu brechen. Visier aufmachen damit er atmen kann, ok, mehr aber auch nicht. Eingreifen würde ich nur wenn ich sehe das ich helfen kann oder es sonst zu spät ist, z.B. Rauch und dichter Qualm aus dem Motorraum. Da würd ich dann versuchen die Person aus dem Auto rauszuhohlen, da es ja sicher ist das er stirbt wenn das Auto in Flammen aufgeht.
Doppelschlumpf 09.04.2008
5. Begriffsverwirrung
Die Qualitätseinschätzung bezieht sich keinesfalls auf Erste-Hilfe-Lehrgänge, sondern auf "lebensrettende Sofortmassnahmen am Unfallort". Ich habe erst vor drei Monaten im Rahmen meiner Feuerwehrausbildung einen erstklassigen Erste-Hilfe-Kurs beim DRK absolvieren dürfen, der inhaltich exakt den hier aufgestellten Regeln folgte.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.