DNA-Analyse Schädelknochen stammen von Beethoven

In Kalifornien haben Wissenschaftler mehrere Schädelfragmente als Überreste von Ludwig van Beethoven identifiziert. Die Knochen des Komponisten haben eine Odyssee durch die halbe Welt hinter sich.


San Francisco - Lange Jahre lagerten Knochenstücke in der kalifornischen San José State University, von denen man sagte, sie hätten einst eines der brillantesten Musikerhirne aller Zeiten beherbergt: das von Ludwig van Beethoven. Jetzt scheint klar, dass es sich bei den Knochen tatsächlich um die des 1827 gestorbenen Komponisten handelt.

Rekonstruktion von Beethovens Schädel: Fragmente identifiziert
AP

Rekonstruktion von Beethovens Schädel: Fragmente identifiziert

DNA-Vergleiche der Knochen mit einer Haarsträhne des berühmten deutschen Komponisten hätten dies belegt, teilte das Beethoven-Studienzentrum der Universität mit. Die Analyse ergab auch einen erhöhten Bleigehalt, der im Jahr 2000 bereits in den Haarproben festgestellt worden war. Beethoven litt und starb nach Expertenmeinung an einer Bleivergiftung. Dies würde auch seine Verdauungsbeschwerden, seine frühe Taubheit und sein manchmal seltsames Benehmen erklären.

Ähnlich wie Beethovens Haarbüschel haben auch seine Schädelknochen eine abenteuerliche Odyssee hinter sich: Der Wiener Arzt Romeo Seligmann erwarb sie 1863 und behandelte sie wie eine Reliquie. Sie wurden von Generation zu Generation innerhalb der Familie weitervererbt, gelangten in die USA, nach Hawaii, Frankreich und wieder zurück in die USA. Mittlerweile sind die Knochen im Besitz von Paul Kaufmann, der die sterblichen Überreste der Universität als Dauerleihgabe überließ.

Kaufmann erklärte, in den Fragmenten - zwei knapp acht Zentimeter langen Schädelknochen sowie kleineren Knochenstückchen - sei ein ähnlicher hoher Bleianteil gefunden worden wie in den Haaren. Er selbst sei zuerst sehr skeptisch gewesen, ob die Knochen wirklich zu Beethovens Skelett gehörten. "Ehrlich gesagt, ich hätte nicht darauf gewettet."

William Meredith, Direktor des Beethoven-Studienzentrums, zeigte sich ergriffen: "Man spürt die physische Präsenz von Beethovens Körper", sagte der Musikhistoriker. "Wenn man Beethovens Musik verehrt, bedeutet das sehr viel."

Beethoven hatte verlangt, dass Ärzte nach seinem Tod den Grund für seine frühe Taubheit klären sollten. Bei der ersten Autopsie wurde der Schädel in mehrere Teile gespalten, sagte Meredith dem "San Francisco Chronicle". Derzeit würden weitere DNA-Analysen vorgenommen, die die Echtheit sowohl der Haare als auch der Knochen endgültig klären sollten.



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