Entdeckung in Madrid Knochenreste könnten von Cervantes stammen

Spanische Wissenschaftler haben möglicherweise sterbliche Überreste des Schriftstellers Miguel de Cervantes gefunden. Berühmt wurde er mit seinem Roman "Don Quijote".

Spanischer Mythos in Consuegra: Windmühlen an der Ruta de Don Quijote
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Spanischer Mythos in Consuegra: Windmühlen an der Ruta de Don Quijote


Madrid - In einem Madrider Kloster entdeckte Knochenreste stammten wahrscheinlich vom Autor des "Don Quijote" und seiner Ehefrau Catalina de Salazar, berichteten spanische Medien am Mittwoch unter Berufung auf Expertenkreise. Miguel de Cervantes lebte von 1547 bis 1616.

Die Madrider Stadtverwaltung, die die Suche organisiert, warnte jedoch vor voreiligen Rückschlüssen. "Derzeit kann man keineswegs garantieren, dass die Überreste von Cervantes und seiner Frau gefunden wurden", sagte eine Sprecherin.

Schon seit mehreren Jahren fahnden Forscher nach den Überresten des Nationaldichters. Zeitzeugen beschrieben Cervantes als Trunkenbold, der an einer Leberzirrhose gestorben sei. Der Dichter selbst hingegen, Sohn eines Chirurgen, schilderte seinen eigenen körperlichen Verfall ganz anders.

Das Gelände des Madrider Klosters der Trinitarierinnen gilt schon lange als wahrscheinlichster Fundort. Dort waren die Knochen 1673 bei Renovierungsarbeiten umgebettet worden, seither gelten sie als unauffindbar. An anatomischen Merkmalen hoffen die Forscher, den Verstorbenen erkennen zu können: "Vor allem sind da Elle und Speiche seiner linken Hand, die in der Schlacht von Lepanto von einer Kugel getroffen wurden", erklärt Fernando Prado, der Initiator der Suche, im Jahr 2011.

Initialen "M.C." auf Sarg

Die Wissenschaftler hatten in Grabnischen unterhalb des Klosters keine ganzen Skelette entdeckt, sondern nur einzelne Knochenreste, die sich zudem in einem schlechten Zustand befanden. Laboruntersuchungen unter der Leitung des angesehenen Gerichtsmediziners Francisco Etxeberria hätten deutliche Anhaltspunkte dafür ergeben, dass einige Knochenreste vom Ehepaar Cervantes stammten, hieß es. Ein Fragment eines Unterkiefers werde dem Schriftsteller zugeschrieben.

Die Experten hatten im Januar in einer Grabnische Holzreste eines Sarges mit den Initialen "M.C." des Autors gefunden. Im Untergrund des Klosters waren im Laufe der Zeit immer wieder Tote beigesetzt worden. DNA-Analysen der gefundenen Knochenreste wurden nicht vorgenommen. Da von Cervantes keine lebenden Nachkommen bekannt sind, hätten solche Tests den Wissenschaftlern kaum weitergeholfen.

Die Experten suchten vor allem danach, ob an den Knochenresten Spuren der Verletzungen zu finden waren, die Cervantes als Marinesoldat in der Seeschlacht von Lepanto (1571) erlitten hatte. Der Schriftsteller war 1616 in Armut gestorben und auf dem Klostergelände im "Literatenviertel" der Madrider Altstadt beigesetzt worden.

hda/dpa

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