US-Medienforscher analysieren Berichterstattung Trump, Trump, Trump

Der US-Präsident bricht Rekorde bei der Berichterstattung, Mark Zuckerberg bekommt endlich einen Uni-Abschluss, Infektionen könnten Alzheimer auslösen. Das und mehr in den Wissenschaftsnachrichten der Woche aus den USA.

US-Präsident Donald Trump
REUTERS

US-Präsident Donald Trump

Aus Boston berichtet


  • DER SPIEGEL/ Rick Friedman
    Johann Grolle berichtet als Korrespondent für den SPIEGEL aus Boston. "Das ist die Welthauptstadt der Wissenschaft", sagt der langjährige Leiter des SPIEGEL-Ressorts Wissenschaft/Technik. An dieser Stelle schreibt er, was Forscher am MIT, der Harvard University und anderswo in den USA bewegt.

Medienforscher der Harvard-Universität haben untersucht, wie Presse und Fernsehen über die ersten 100 Tagen von Donald Trumps Regierung berichteten. Der 45. Präsident der USA hat demnach eine Vielzahl neuer Rekorde aufgestellt: Keiner seiner Amtsvorgänger beherrschte so stark die öffentliche Debatte; keiner kam so umfänglich in den Medien zu Wort; und über keinen war das Urteil so einhellig negativ. Gleichgültig ob es um Immigration, Gesundheit oder Außenpolitik ging, überall schnitt Trump miserabel ab.

Beunruhigend ist eine Ausnahme von dieser Regel, die den Harvard-Forschern auffiel: Als Trump befahl, Syrien mit einer Cruise-Missile-Rakete anzugreifen, waren plötzlich 80 Prozent aller Kommentare zustimmend intoniert. Selbst "New York Times" und "Washington Post", die beide sonst äußerst kritisch waren, zeigten sich nun positiver gestimmt. Mit militärischem Schneid, so scheint es, kann selbst der unbeliebteste Staatschef die Gunst der amerikanischen Öffentlichkeit gewinnen.

Rekordschneefall im Mai

Mount Washington
Getty Images

Mount Washington

84,5 Zentimeter Schnee an einem Maiwochenende: Das ist selbst für den Mount Washington ein Rekord. Der Berg ist nicht einmal 2000 Meter hoch, und er liegt inmitten des zivilisierten Neuenglands. Trotzdem zählt er zu den unwirtlichsten Orten der Erde. Weil hier kalte Luft aus dem Norden auf wärmere Strömungen aus Süd und West prallt, kommt es häufig zu heftigen Turbulenzen. An 100 Tagen im Jahr schwillt der Wind auf Orkanstärke an, am 12. April 1934 wurde hier die höchste je außerhalb eines Wirbelsturms gemessene Windstärke registriert: 372 km/h.

Seit Beginn der Aufzeichnungen sind die Tücken des Mount Washington 150 Menschen zum Verhängnis geworden. Stets müssen Wanderer auf abrupte Wetterwechsel gefasst sein. Schon im Herbst kann die Temperatur unter -30 Grad Celsius fallen. Schneefälle bis weit in den Mai sind die Regel - noch nie aber fiel während eines Schneesturms so viel wie am Wochenende vor acht Tagen.

Hepatitis-verseuchte Spendernieren

Lieferung eines gespendeten Organs
Getty Images

Lieferung eines gespendeten Organs

Auch in den USA sind Organe knapp.Transplantationsmediziner haben deshalb eine neue Gruppe von Spendern ins Visier genommen: Drogentote. Deren Zahl ist in den den letzten Jahren rasant gestiegen. Doch viele Süchtige sind mit dem Hepatitis-C-Virus infiziert. Für die Organspende kamen sie bisher nicht in Frage. Etwa 1000 Nieren pro Jahr werden deshalb derzeit als Spenderorgane verworfen.

Seit wenigen Jahren gibt es jedoch antivirale Hepatitis-C-Medikamente, die dies ändern könnten. Chirurgen an der Penn State Universität haben jetzt damit begonnen, auch Hepatitis-verseuchte Organe zu verpflanzen. Zehn Dialyse-Patienten implantierten sie infizierte Nieren. Nach der Operation gelang es ihnen dann, die Viren medikamentös auszumerzen. Ungeklärt ist noch, ob die Krankenkassen die zusätzlichen Kosten übernehmen: die Hepatitis-Kur mit den neuen Mitteln kostet bis zu 95000 Dollar.

Endlich Doktor!

Facebook-Chef Mark Zuckerberg
AP

Facebook-Chef Mark Zuckerberg

Ein Teenager im Pyjama, ein Hochbett, ein weiß-wuscheliger Hund und eine wackelige Kamera: Mark Zuckerberg stellte jetzt ein Home-Video auf Facebook, das den heutigen Milliardär zeigt, wie er vor 15 Jahren eine E-Mail öffnete. Diese stammte von der Harvard University, bei der sich Zuckerberg fürs Studium beworben hatte. "Jupp, ich bin angenommen", sagt er nüchtern. Es ist sein Vater, der jubiliert.

In der nächsten Woche ist Zuckerberg als Festredner für die Studienabgänger nach Harvard geladen. Wie es der Tradition entspricht, wird ihm zu diesem Anlass ein Ehrendoktor verliehen. Seine Eltern freuten sich schon darauf, sagt er: "Sie haben lange genug darauf gewartet, dass ich meinen Abschluss mache." Zuckerman ist damit der zweite berühmte Studienabbrecher der Uni, der die Eröffnungsrede hält. Vor zehn Jahren verkündete Bill Gates an dieser Stelle: "Papa, ich habe dir immer gesagt, dass ich zurückkomme und meinen Abschluss kriege."

Lösen Infektionen Alzheimer aus?

Gehirn eines Alzheimer-Patienten
Getty Images

Gehirn eines Alzheimer-Patienten

"Mikrobiom" ist ein Modewort in der Forschung. Bezeichnet wird damit die Gesamtheit aller Bakterien, die an einem Ort herumwuseln. Eifrig wird derzeit das Mikrobiom des Darms, der Haut und des Rachenraums erkundet, aber auch dasjenige der Meere, des Erdbodens oder des New Yorker U-Bahnsystems.

An einem besonders ungewöhnlichen Ort wollen nun Harvard-Mediziner nach Mikroben suchen: Ziel des "Brain Microbiome Project" ist das mikrobielle Treiben im Gehirn. Bisher dachten Forscher, dieses sei durch die Blut-Hirn-Schranke vor bakteriellen Eindringlingen geschützt. Neurobiologe Rudolph Tanzi mag daran nicht glauben: "Wenn Sie wüssten, was da alles herumkriecht, würden Sie das Fracksausen kriegen", sagt er.

Sein Interesse regte sich, als er das Nervengewebe von Alzheimer-Kranken untersuchte. Der Lehrmeinung zufolge wird die Demenz durch Ablagerungen eines Proteins namens Amyloid-beta ausgelöst. Tanzis Team stellte nun fest, dass dieses Molekül bestimmten Abwehrstoffen des Immunsystems erstaunlich ähnelt. Deshalb fragte er sich, ob die Plaquebildung Begleiterscheinung einer Immunreaktion sein könnte.

Im Mäuseversuch fand er eine erste Bestätigung dieses Verdachts: Als er die Gehirne der Tiere künstlich mit Salmonellen infizierte, bildeten sich binnen 48 Stunden die charakteristischen Amyloid-Plaques im Hirn der Nager. Und in jedem dieser Klümpchen war genau eine Mikrobe verschlossen. Nun fragt sich Tanzi: Könnte es sein, dass am Anfang vieler Demenzerkrankungen eine Hirninfektion steht?



© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.