Kommentar zu Trumps Klimadekret Weitermachen!

US-Präsident Trump wird Obamas Klimapolitik per Dekret zurückdrehen. Für den Klimaschutz sind das keine guten Nachrichten. Es ist aber womöglich auch nicht die Katastrophe, nach der es zunächst klingt.

Über dem Nebel ist Sonne (hier: in Dubai)
AP/dpa

Über dem Nebel ist Sonne (hier: in Dubai)

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Natürlich werden sie wieder aus ihren Löchern kommen. Sie werden ihn loben für seinen Mut, die - wie sie es nennen - Wahrheit auszusprechen und entsprechend zu handeln. Sie werden wieder behaupten, dass der Klimawandel nicht oder nur minimal vom Menschen verursacht ist. Dass staatliche Interventionen zum Klimaschutz einzig Steuerzahler schröpfen sollen. Dass Klimawissenschaftler durch laute Warnrufe nur ihre Jobs sichern wollen. Und so weiter.

Donald Trump wird viel Lob dafür bekommen, dass er nun mit einem Erlass mehrere Klimaschutzbestimmungen seines Amtsvorgängers Barack Obama rückgängig machen will.

Dass er vom Klimaschutz nichts hält, hat der US-Präsident bereits im Wahlkampf gesagt. Nun hat er die Konsequenzen gezogen.

Umweltschützer werden Trumps Ankündigungen mit harschen Worten kritisieren. Und tatsächlich ist das Ganze ja keine gute Nachricht für das Weltklima. Die Welt ist derzeit nicht auf Kurs, das Zwei-Grad-Ziel beim Klimaschutz zu erreichen. Die Regierung Trump macht es mit ihrer "America-First-Energiepolitik" gerade noch schwerer. Unklar bleibt vorerst, ob die USA aus dem Pariser Klimaabkommen aussteigen.

Fest steht aber: Hemmnisse für Kohle, Öl und Gas sollen fallen. Das bedeutet wahrscheinlich mehr Kohlendioxid, das in die Atmosphäre gelangt. Und die Vereinigten Staaten sind nach wie vor einer der größten Treibhausgas-Emittenten der Erde:

Wer so viele klimawirksame Gase ausstößt, spielt naturgemäß eine wichtige Rolle beim Kampf gegen die Erderwärmung. Oder besser gesagt: Er könnte sie spielen. Denn das passiert nun ja womöglich erst einmal nicht.

Niemand bei klarem Verstand kann froh darüber sein, wenn die US-Regierung die Zusagen der Obama-Zeit nicht einhalten will. Da hatten die USA immerhin versprochen, ihre Emissionen bis zum Jahr 2025 um 26 bis 28 Prozent zu senken, bezogen auf die Werte des Jahres 2005.

Meinungskompass

Stattdessen werden nun Kohle, Öl und Gas gepäppelt, werden Umweltregeln eingestampft. Auch auf internationaler Ebene dürften die USA beim Umweltschutz destruktiv agieren.

Womöglich ist Trumps Ankündigung aber eben auch nicht die Katastrophe, nach der sie zunächst klingen könnte. Dafür gibt es eine Vielzahl von Gründen:

  • Der internationale Klimaschutz hängt nicht mehr zwingend davon ab, dass die USA mitziehen. China als mit Abstand größter CO2-Emittent spielt längst eine wichtigere Rolle. Präsident Xi Jinping hat klargemacht, dass sich sein Land an die Zusagen von Paris halten wird. Peking hat außerdem angekündigt, weiter massiv in grüne Stromerzeugung investieren zu wollen, und zwar umgerechnet 360 Milliarden - ja, tatsächlich Milliarden - Dollar bis zum Jahr 2020. Und Chinas Bemühungen zahlen sich bereits jetzt aus: Für das Jahr 2017 prognostizieren die Behörden um einen Prozent fallende CO2-Emissionen.

  • Auch einzelne US-Bundesstaaten wie Kalifornien haben längst erkannt, wie wichtig der Klimaschutz ist. Städte wie New York, Boston, Washington, San Francisco oder Seattle ebenfalls. Sie werden sich in ihren Bemühungen kaum von der Regierung in Washington bremsen lassen. Kalifornien hat zum Beispiel vor, seinen CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2050 um 80 Prozent zu senken - verglichen mit 1990. Und wäre Kalifornien ein Nationalstaat, wäre er eben mal die sechstwichtigste Wirtschaft der Welt, vor Frankreich, Italien oder Brasilien.

  • Die Industrie ist längst kein Bremser mehr beim Klimaschutz. Um die 900 Firmen haben Trump nach seiner Wahl öffentlich aufgefordert, sich an den Klimavertrag zu halten. Sogar Ölkonzerne wie BP, Shell, Statoil oder Total befürworten inzwischen eine Steuer auf fossile Brennstoffe. Auch ExxonMobil, DuPont und Unilever befürworten das Abkommen von Paris - auch weil es Planungssicherheit für zukünftige Geschäfte in Milliardenhöhe bietet.

  • Eine klare Mehrheit der US-Wähler spricht sich für ein starkes US-Engagement fürs Klima aus. Bei einer Umfrage des Yale Program on Climate Change Communication hatten sich zuletzt 70 Prozent der Befragten für einen Verbleib im Paris-Vertrag ausgesprochen, selbst 50 Prozent der Republikaner.

Trump wird diese Dinge nicht ändern können. Er kann nur ein Signal senden. Ein Signal an die ewig Gestrigen. Und für alle anderen da draußen, denen der Klimaschutz am Herzen liegt, für die gilt: Weitermachen!

insgesamt 61 Beiträge
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Europa! 28.03.2017
1. Was Trump wirklich gefährlich macht
Der größte Teil von Trumps politischen Ansichten kann uns völlig egal sein. Einreisesperre, Krankenversicherung, Knatsch mit der Presse - das ist Sache der Amerikaner und geht uns auch gar nichts an. Auch die "Strafzölle" sind letztlich seine Sache - die Leute, die gegen TTIP auf die Barrikaden gegangen sind, sollten in diesem Punkt tunlichst fein stille schweigen. Aber wenn er das Klima schädigt, und wenn er anderen Staaten (z.B. China) mit Krieg droht, dann sollten wir wach sein und alles tun, um ihn zu stoppen.
dborrmann 28.03.2017
2. Der Klimaschutz ist nicht mehr aufzuhalten....
Wer nicht mitmacht, wird zurückbleiben. Trumps Rückzug auf carbonbasierte Industrieproduktion wird die USA um Jahre oder Jahrzehnte zurückwerfen.
karlheinz-hesse 28.03.2017
3. Aber seine Taschen Voll machen.
Zitat von dborrmannWer nicht mitmacht, wird zurückbleiben. Trumps Rückzug auf carbonbasierte Industrieproduktion wird die USA um Jahre oder Jahrzehnte zurückwerfen.
An der Pipeline durch das Reservat hält er durch Tochterunternehmen 20%.
ex_berliner 28.03.2017
4. Trump schadet ganz zuerst den USA
Den groessten Schaden von Trump's auf gestern ausgerichtete Politik nimmt die USA, die mit solch einer Ausrichtung in Sachen Zukunftstechnologie weiter zurueckfallen wird. Schauen wir uns einfach die US Autoindustrie an, die den globalen Trend zur effizienteren Nutzung von Treibstoff total verpasst hat und nicht zuletzt daher global nicht wettbewerbsfaehig ist. Obama hatte das erkannt und die Industrie in Richtung sparsamere Motoren zu lenken versucht. Das hat Trump ja bereits zurueckgedreht und damit sichergestellt, dass US Autos nur durch staatliche Eingriffe (Strafzoelle) zumindest im Inland wettbewerbsfaehig bleiben koennen. Was Trump betreibt, ist kurzsichtige, dumme Politik, die den USA mittel- und langfristig nur schadet.
senapis 28.03.2017
5. Glaubwürdigkeitsproblem
Die UN (einer der Erstunterzeichner waren die USA) hat beim Klimagipfel 2015 in Paris die "Agenda 2030" mit Stimme der USA beschlossen. Will jetzt der Präsident austreten oder die Agenda "kündigen"? Die Umweltziele sind definiert, die Erfordernis hierzu unstreitig. Immer öfter hört man vom "wärmsten Monat seit langem". Es fehlt der Wille, wirksam zu handeln. China wird durch die offen zu Tage tretenden Probleme gezwungen zu handeln. Will The Donald auf Smog in den Großstädten warten? Oder gibt es genügend Unterstützer in den weniger belasteten Flächenstaaten, so dass er auf die Stimmen aus den Metropolen verzichten kann?
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