Armut und Klima Ich mach mir die Welt, wie sie mir nicht gefällt

Donald Trump und die AfD sind sich einig: Migranten aus dem Süden bedrohen unseren Wohlstand. Kurioserweise betreiben die Populisten aber eine Politik, die den Migrationsdruck noch erhöhen würde.

Schäden durch Hurrikan "Irma" in Florida
AFP

Schäden durch Hurrikan "Irma" in Florida

Eine Kolumne von


Die nachhaltigste Lüge all jener, die sich mit dem menschengemachten Klimawandel lieber nicht auseinandersetzen wollen, lautet: Das ist doch alles viel zu teuer. Aus der Kohleverstromung aussteigen, Alternativen zum Verbrennungsmotor finden, Industrieproduktion CO2-neutral gestalten - kostet doch alles bloß Geld. Und keiner weiß, ob es etwas bringt.

Das ist nicht nur unwahr - das Gegenteil ist richtig.

Katastrophen kosten Geld - aber nicht nur die

Diese Woche erschien ein Bericht der Organisation "Universal Ecological Fund", der den USA vorrechnet, was der Klimawandel sie kosten wird: Mindestens 360 Milliarden Dollar - pro Jahr. Das entspreche 55 Prozent des zu erwartenden Wachstums der US-Wirtschaft, so die Autoren. Einer von ihnen war mal der Vorsitzende des Weltklimarates IPCC, das Ganze ist also keine Amateurveranstaltung von Hobby-Lobbyisten.

Die Kosten, um die es in dem Bericht primär geht, sind sehr direkte: Allein die Hurrikane Harvey, Irma und Maria und 76 Waldbrände in westlichen US-Staaten diesen Sommer haben demnach insgesamt Schäden von mindestens 300 Milliarden Dollar verursacht. Sie seien damit in Kombination die teuersten Wetterereignisse in der Geschichte der USA, so die Autoren.

Wie eng diese Phänomene mit Klimaänderungen zusammenhängen, darüber sind sich Forscher uneins. Aber selbst, wenn man sich auf den Standpunkt stellt, dass Hurrikane und Waldbrände gar nichts mit dem Klimawandel zu tun haben, wird er teuer. Er wird nämlich nicht nur dafür sorgen, dass Dinge kaputtgehen, sondern auch dafür, dass weniger erwirtschaftet wird. Und dieser Effekt ist dort besonders ausgeprägt, wo die Menschen ohnehin schon arm sind.

Je heißer, desto mehr Gewalt

Den Staaten Afrikas, Zentral-, Süd- und Südostasiens, Lateinamerikas und des Nahen Ostens sagen Ökonomen massive Einbußen beim Bruttoinlandsprodukt durch die Erwärmung voraus. Weil die Jahresdurchschnittstemperatur eines Landes einen Einfluss darauf hat, wie produktiv seine Wirtschaft ist. Es gibt eine ganze Reihe von Variablen, für die Forscher im Laufe der Jahre klare Abhängigkeiten von der Temperatur gezeigt haben.

Zum Beispiel kollabiert der Ertrag von Maispflanzen ab einer Tagesdurchschnittstemperatur von knapp unter 30 Grad. Im gleichen Temperaturbereich steigt die Sterblichkeitsrate unter 45- bis 65-Jährigen steil an. Ab 30 Grad Tageshöchsttemperatur bricht die verfügbare Menge von Arbeitskräften für Tätigkeiten im Freien - etwa in der Landwirtschaft - ein. Und zwischen Gewaltverbrechen und Temperatur gibt es einen linearen Zusammenhang - je heißer, desto mehr Gewalt. All diese Faktoren beeinflussen die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Landes.

Bei uns ist es eigentlich noch zu kühl

Den Ökonomen Marshal Burke, Solomon Hsiang und Edward Miguel zufolge liegt die für wirtschaftliche Produktivität ideale Jahresdurchschnittstemperatur eines Landes bei etwa 13 Grad. Das ist übrigens deutlich wärmer als bei uns - in Deutschland ist es im Jahresmittel derzeit etwa 9,5 Grad kühl. Eine Erwärmung könnte, so seltsam das klingt, die deutsche Wirtschaft stärken - theoretisch. "Europa könnte von höheren Temperaturen profitieren", so Burke und Kollegen. Allerdings nur, solange man die Extremwetterereignisse außer Acht lässt, die der Klimawandel wohl auch bei uns häufiger und heftiger machen wird. Und, was noch viel wichtiger ist: den Migrationsdruck, den er auslösen wird.

Die Bewohner Asiens, Afrikas und des Nahen Ostens, ihre Lebensumstände und Volkswirtschaften werden am härtesten betroffen. Das wird die Motivation, ins kühle, sichere, wasserreiche und wirtschaftlich erfolgreiche Europa umzuziehen, dramatisch steigern.

Vor diesem Hintergrund scheint es besonders aberwitzig, dass die politischen Strömungen, die ständig vor den Gefahren der Migration warnen, meist auch den Klimawandel für nichtexistent oder irrelevant erklären. Die Populisten arbeiten gewissermaßen aktiv darauf hin, die Bedingungen zu schaffen, unter denen die von ihnen selbst entworfenen Gruselszenarien von einer Invasion aus dem Süden - sei es Mexiko oder Zentralafrika - wahrscheinlicher werden. Der Klimawandel-Leugnist Michael Limburg, der in der AfD als Experte für Energiepolitik gilt, findet sogar, dass jeder, der CO2 ausstößt, Geld dafür bekommen sollte.

Millionen Amerikaner ohne Strom - na und?

Aber das Gefälle zwischen arm und reich wird durch eine heißere Erde nicht nur weltweit größer, sondern beispielsweise auch innerhalb der USA. Für die haben Wirtschaftswissenschaftler erst vor kurzem Folgendes vorgerechnet: Klimabedingte Einbußen bei der Wirtschaftsleistung werden in jenen Landkreisen besonders ausgeprägt sein, die heute schon arm sind. Manche der reichen, im Norden und Osten etwa, könnten sogar profitieren. "Der Klimawandel verstärkt tendenziell die bereits existierende Ungleichheit innerhalb der USA", so die Folgerung der Studie von Solomon Hsiang und Kollegen, die im Juni in "Science" erschien.

Donald Trump demonstriert also auch hier, was sich - neben ungebremstem Narzissmus - als einziges kohärentes Muster seiner Präsidentschaft herauskristallisiert: Seine eigenen Wähler, die Unter- und untere Mittelschicht in den Staaten des Südens und mittleren Westens, werden einmal mehr besonders stark unter den Entscheidungen seiner Regierung zu leiden haben.

Sein Desinteresse am Schicksal der Betroffenen demonstrierte Trump diese Woche wieder einmal anschaulich - via Twitter beschimpfte der Präsident ausgiebig schwarze Football-Profis. Über die Tatsache, dass auf Puerto Rico gleichzeitig 3,7 Millionen US-Bürger als Folge des Hurrikans Maria ohne Strom waren, verlor der Präsident dagegen kein Wort.

Erst Tage später, nachdem die Kritik an dem Mann, der Golf spielen ging, während seine Landsleute im Chaos leben mussten, unüberhörbar wurde, wandte Trump sich dem Thema doch noch zu: Mit Verbalattacken gegen eine örtliche Bürgermeisterin, die öffentlich um Hilfe gefleht hatte.

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insgesamt 115 Beiträge
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oisndoivnpsdv 01.10.2017
1. Deppenapostroph im Titel
Ich mach mir die Welt, ohne Deppenapostroph. Beim Wegfall des Schluss-e von Verben wird grundsätzlich kein Auslassungszeichen gesetzt. Schon peinlich für ein Nachrichtenmagazin mit Qualitätsanspruch. Zumal es nicht das erste Mal ist, das kommt ständig vor.
snoook 01.10.2017
2. Ich mach mir die Politik so wie sie mir gefällt...
Ohne Trump verteidigen zu wollen: Wie viele Präsidenten vor ihm haben sich den Klimaschutzankommen verweigert und nix zum Umweltschutz beigetragen??? Medien vergessen heutzutage ganz schön schnell :-(
frechsprech 01.10.2017
3. Deppentext schon im Titel erkennbar
Afd und Trump betreiben Politik die zu Flüchtlingsströmen führen. So ein Quatsch, weltweit zehn Milliarden Menschen benötigen immer mehr Energie.Es ist völlig wurscht ob der Depp oder die Deppen irgendwas verleugnen oder nicht. Spätestens beim Autoarbeitsplatz-Gequatsche sind sich wieder alle einig, die Kasse muss stimmen. Vorschlag: Verkaufen sie ihren tollen Audi SUV , und erledigen alles ohne den Dreckschleudern. Bester Ansatz zur Rettung der Rettung. Achso, Smartphone gleich mit in die Tonne. DANN lass ich mir dieses Geschreibsel hier gefallen.
havel23 01.10.2017
4. wie viele Präsidenten haben sich verweigert?
Zitat von snoookOhne Trump verteidigen zu wollen: Wie viele Präsidenten vor ihm haben sich den Klimaschutzankommen verweigert und nix zum Umweltschutz beigetragen??? Medien vergessen heutzutage ganz schön schnell :-(
Antwort auf ihre Frage: Kein amerikanischer Präsident vor Trump hat sich hat sich dem Klimaschutzabkommen verweigert. Was haben denn die Medien da vergessen? Das Abkommen wurde 2015 unterzeichnet. Schon vergessen?
stagedoor 01.10.2017
5. Ah!
Wieder bezahlte Schreiber am Werk als Foristendarsteller. Na dann wolln wer mal: Liebe Kommentatoren 1 und 2, wenn sie wenigstens den Artikel lesen würden und sich auf den Inhalt bezögen, hätten sie zumindest die Chance, dass einige wenige Verirrte ernst nehmen könnten, was sie im Unernst in die Tastatur eingeben. So bemerkt man ihre Unaufrichtigkeit relativ früh. Für ihre Antwort auf meinen Beitrag erhalten Sie folgende Aufgabe: Erfinde eine Geschichte und verwende folgende 3 Begriffe: Arroganz, Mainstreammeinung, gleichgeschaltete Medien; achte dabei bitte auf die Rechtschreibung. Viel Erfolg!
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