"Doomsday Clock" Noch zweieinhalb Minuten bis zum Weltuntergang

Der schleppende Kampf gegen den Klimawandel, der Ausbau von Atomwaffen - und jetzt noch Donald Trump: Forscher sehen die Welt so nah am Abgrund wie seit 1953 nicht mehr. Deshalb haben sie ihre "Weltuntergangsuhr" vorgestellt.

Wissenschaftler mit Weltuntergangsuhr
REUTERS

Wissenschaftler mit Weltuntergangsuhr


Seit 1947 bewerten führende US-Atomforscher die Gefahren für die Menschheit mit einer symbolischen Weltuntergangsuhr - der sogenannten Doomsday Clock. Dabei geht es um langfristige Entwicklungen, nicht um einzelne Personen. Bis jetzt. Bis zur Wahl Donald Trumps.

Obwohl Trump sein Amt gerade erst angetreten habe, habe er schon jetzt die globale Sicherheitslage verschlechtert, schreiben die Forscher im "Bulletin of the Atomic Scientists". Unter anderem wegen Trump haben sie deshalb ihre Uhr um 30 Sekunden vorgestellt.

Die Weltuntergangsuhr steht damit auf zweieinhalb Minuten vor Mitternacht - der symbolischen Apokalypse. So nah am Abgrund war die Welt aus Sicht der Forscher seit 1953 nicht mehr - damals hatten die USA und die Sowjetunion gerade ihre Wasserstoffbombe getestet.

Am sichersten war die Lage aus Sicht der Wissenschaftler, darunter mittlerweile auch Klimaforscher, im Jahr 1991 - kurz nach dem Fall der Mauer.

In ihrer Analyse bedenken die Wissenschaftler - darunter 15 Nobelpreisträger - Trump mit drastischen Worten. "Er machte unüberlegte Äußerungen über eine Vergrößerung des amerikanischen nuklearen Arsenals. Er hat eine beunruhigende Neigung gezeigt, Rat von Experten zu internationaler Sicherheit zu unterschätzen oder gleich komplett abzulehnen - den Rat von Geheimdiensten eingeschlossen. Und er hat Chefs des Energieministeriums und der Umweltschutzbehörde nominiert, die die Grundlage der Klimawissenschaften ablehnen."

Zahlreiche Gefahren durch Atomwaffen

Die Forscher sehen zwei große Gefahren für die Menschheit: Atomwaffen und den Klimawandel. Bei nuklearen Waffen beunruhigen die Forscher folgende Entwicklungen:

  • Nordkorea testet weiter Atomwaffen und konnte die Sprengkraft seiner Bomben im Laufe des Jahres verdoppeln.
  • Russland baut neue Atomraketen, mit Atomwaffen bestückte U-Boote und andere mobile Atomwaffen.
  • Auch die USA planen ihr Atomwaffenarsenal zu erneuern - und zwar alle drei Teile der sogenannten Triade. Dabei handelt es sich um Bomber, an Land stationierte Raketen und U-Boote.
  • Der Vertrag über das iranische Atomprogramm sei zwar erfolgreich - werde jedoch von der Regierung Trump infrage gestellt.
  • Indien und Pakistan würden ihr Atomwaffenarsenal ebenfalls weiter ausbauen.
  • Der Kernwaffenteststopp-Vertrag sei vor 20 Jahren unterschrieben worden - und immer noch nicht in Kraft.

Plädoyer für Atomkraft

Im Kampf gegen den Klimawandel mahnen die Forscher an, dass dem Pariser Klimaabkommen nun auch Taten folgen müssten. Die CO2-Emissionen müssten langfristig null erreichen - und dafür werde derzeit nicht genug getan. Auch hier sehen sie die größte Gefahr in den USA - wenn Trumps Regierung tatsächlich, wie angedeutet, Klimaschutzmaßnahmen blockiert.

Die Forscher schlagen vor, im Kampf gegen den Klimawandel wieder vermehrt auf Atomkraft zu setzen. "Nukleare Energie ist ein verlockender Ansatz, um das Klimawandel-Problem - zumindest teilweise - zu lösen", schreiben sie in ihrem Bericht. Es müsse jedoch sichergestellt werden, dass die Anlagen sicher sein und auch der Atommüll sicher entsorgt werden könne.

Zentral für ein Überleben der Menschheit sei zudem, dass Politiker wieder vermehrt Experten in ihre Entscheidungen einbeziehen. "Fakten sind hartnäckige Dinge und sie müssen in Betracht gezogen werden", schreiben die Forscher.

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insgesamt 57 Beiträge
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Seite 1
ThomasGB 27.01.2017
1. Immer wieder diese, ...
... menschliche Arroganz. Auch wenn es sich einige möchtegern Forscher immer wieder glauben machen wollen: Menschliche wirken ist um Größenordnungen zu schwach um einen Weltuntergang hervorzurufen. Was hat z.B. Tschernobyl im dortigen Bereich ausgerottet? Die Natur oder den nur den spezifischen Teil Mensch? Das einzige was untergehen kann ist unsere spezifische Zivilisation und Kultur in der jetzigen Form. Sonst nüscht ...
greendeal 27.01.2017
2. Pointe
Es müsse jedoch sichergestellt werden, dass die Anlagen sicher sein und auch der Atommüll sicher entsorgt werden könne. Woraus resultiert, daß in Anbetracht der Faktenlage, keine AKWs mehr gebaut werden können.
dr.eldontyrell 27.01.2017
3. Also ich empfand die Zeit
nach ´91 als besonders gefährlich, 1 vor 12, als die UDSSR zerfiel und jede Splitternation im fernen Osten auf einmal über einen Teil der russischen Atomwaffen verfügen konnte. Ich habe keine Angst vor dem, der 100 Atombomben hat, ich habe Angst vor dem der eine hat - und sie einsetzen will. Trump ist Kapitalist. Nach WW3 lassen sich höchstens mit Knüppeln ein paar Muscheln machen.
heinzgünther 27.01.2017
4.
Zitat von ThomasGB... menschliche Arroganz. Auch wenn es sich einige möchtegern Forscher immer wieder glauben machen wollen: Menschliche wirken ist um Größenordnungen zu schwach um einen Weltuntergang hervorzurufen. Was hat z.B. Tschernobyl im dortigen Bereich ausgerottet? Die Natur oder den nur den spezifischen Teil Mensch? Das einzige was untergehen kann ist unsere spezifische Zivilisation und Kultur in der jetzigen Form. Sonst nüscht ...
Die Menscheit kann den Planeten Erde vielleicht nicht zerstören, die Welt aber schon. Wenn die Menschheit sich selber vernichtet, so kann man das durchaus als Weltuntergang beschreiben. Übrigens, Bewohner in Prypjat: 0.
dreamrohr2 27.01.2017
5.
man mag darüber schmunzeln wie man will, aber die Welt ist derzeitig kein Ort von Zusammenhalt. Wirtschaftliche Interessen vergiften die Szenerie, religiöses Gebaren tötet, anstelle zu vereinen. Die Wichtigkeit des religiösen Glaubens wird zu unrecht so hoch angesetzt. Es ist unbedingt wichtig von einer Religionsfreiheit zu reden und diese auch zu schützen, aber die Wichtigkeit dieser, sollte eigentlich gegen Null tendieren. Akzeptanz ist wichtiger als Glaube. Nach meiner persönlicher Einschätzung bildet derzeit die Religion einge größere Gefahr dar, als Krieg ums Wasser. Bildungslosigkeit ist eine starke Waffe! Aber nur für die, die gebildet sind. Die Schwarzmalerei, man hätte mit viel zu vielen Menschen auf dieser Welt ein Problem bei der Ressourcen ist eine Lüge. Tatsache ist, man hat ein Problem mit der Verteilung selbiger, weil ein kleiner Teil dieser über 7 Milliarden Menschen über so viel Macht verfügt und die Welt als Spielball betrachten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand der Milliarden Vermögen besitzt und dessen Geld, täglich, stündlich, so viel Geld produziert, dass diese Menschen mit mehr Geld zufrieden zu stellen sind. Und da sie im gewählten Zustand eine Macht nicht so instrumentalisieren können wie sie wollen, spielen sie an den Börsen dieser Welt, Gott. Mit ihrem Geld beeinflussen sie die wichtigen Güter unseres Lebens, da geniessen sie ungeniert ihre Macht und brauchen keinerlei Verantwortung zu übernehmen. Sie könnten täglich Nationen ins Verderben fallen lassen, abend treten sie im TV als "Spender" und "Wohltuer" auf. Kein Mensch sollte diese Milliarden als sein Eigen nennen dürfen. Dies ist nicht der Neid der aus mir spricht, sondern einfach nur die Einsicht, dass Geld VERDIRBT!!
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