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Dreckschleuder Toner: Drucker pusten Feinstaub in Büros

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Farbstaub aus Druckern steht seit Jahren im Verdacht, die Gesundheit zu schädigen. Ob das stimmt, haben Toxikologen im Auftrag des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) untersucht. Die ersten Ergebnisse zeigen, dass Toner zumindest jede Menge Feinstaub in die Luft schleudern.

Husten am Arbeitsplatz, Asthma im Büro, triefende Augen am Schreibtisch: Mehr als 1200 Menschen in Deutschland sind davon überzeugt, dass Kopierer oder Drucker ihre Beschwerden verursachen. Sie haben sich zusammengetan zur "Interessengemeinschaft Tonergeschädigte" und fordern Aufklärung. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin befasst sich deswegen mit dem Thema, und nun haben auch Toxikologen von der Universität Gießen in einer Pilotstudie 63 Büroräume und genauso viele Drucker untersucht.

Patrone im Drucker: Tonerstaub steht im Verdacht, Krankheiten auszulösen.

Patrone im Drucker: Tonerstaub steht im Verdacht, Krankheiten auszulösen.

Kürzlich stellten sie dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ihre Ergebnisse vor: Fest steht, dass die Geräte große Staubmengen und hohe Konzentrationen von flüchtigen organischen Verbindungen auspusten. Die Toxikologen konnten einen deutlichen Anstieg von ultrafeinen Partikeln (zwischen 10 und 1000 Nanometern) beobachten, wenn Drucker oder Kopierer in Betrieb genommen wurden. Außerdem erhöhten Laserdrucker deutlich die Konzentrationen von flüchtigen organischen Verbindungen - Substanzen also, die Kohlenstoff enthalten.

"Da werden Konzentrationen erreicht, die man für die Innenraum-Hygiene unbedingt vermeiden sollte", sagte Studienleiter Volker Mersch-Sundermann, Direktor des Instituts für Innenraum- und Umwelttoxikologie an der Universität Gießen zu SPIEGEL ONLINE. Vor allem wenn ein Drucker in unmittelbarer Nähe zum Arbeitsplatz steht, ist hier die Belastung besonders hoch. "Räume, in den solche Geräte stehen, sollten gut gelüftet werden, außerdem müssen die Apparate regelmäßig und fachgerecht gewartet werden."

Feldversuch mit Schutzanzügen und Mikroskopen

Ob die Partikel und Stäube allerdings Krankheiten wie Asthma, Bronchitis oder gar Tumoren auslösen, wissen die Wissenschaftler noch nicht. Zwar weisen ältere Untersuchungen darauf hin, dass es Zusammenhänge geben könnte. Versuche von japanischen Forschern mit Lungenzellenkulturen hatten gezeigt, dass bei direktem Kontakt mit Toner die Erbsubstanz beschädigt wird, was das Risiko für Tumoren erhöht. Auch über Feinstaub aus dem Straßenverkehr ist schon lange bekannt, dass er in die Atemwege und tief in die Lungen eindringen und dort sogar Krebs auslösen kann. Ob das aber auch für Tonerstaub gilt, ist noch unklar. "Wir kennen zwar einzelne Komponenten", so Mersch-Sundermann. "Aber wie diese gemeinsam wirken, wissen wir noch nicht."

Mitte 2005 begannen die Toxikologen mit ihren Feldversuchen. Ein Jahr zuvor hatten die Forscher vom BfR den Auftrag erhalten, sich mit dem Problem von unabhängiger Seite zu nähern. Sie hatten 63 Büros ausgewählt, die Hälfte davon, weil Mitarbeiter über Beschwerden geklagt hatten. Der Rest galt den Wissenschaftlern als Vergleichskollektiv.

Ausgerüstet mit Schutzanzügen, Thermometern und Elektronenmikroskopen machten sich die Forscher an die Arbeit. Sie untersuchten Drucker, Toner, Papier und Büromöbel, bestimmten die Konzentrationen von Stäuben und anorganischen Gasen wie Ozon, Kohlendioxid und Stickstoffmonoxid in der Raumluft. Außerdem fahndeten sie nach flüchtigen organischen Verbindungen, Luftkeimen und Schimmelpilzen.

Schimmelpilze und Luftkeime

Neben der drastischen Erhöhung der ultrafeinen Partikel fiel dem Team besonders auf, dass die Feinstaub-Konzentrationen schlagartig beim Start der Geräte zunehmen. Nach Angaben von Mersch-Sundermann entscheiden Typ, Alter und Wartungszustand der Drucker darüber, wie viel Staub ein Drucker ausspuckt. Die Werte für normalen Staub, Schimmelpilze und Luftkeime hingegen hatten sich durch den Betrieb von Laserdruckern nur teilweise erhöht und blieben insgesamt gesundheitlich unbedenklich, erklärte das BfR.

Auch die Angestellten wurden in der Pilotstudie untersucht: Die Wissenschaftler entnahmen ihnen Blut, überprüften ihre Lungenfunktion und testeten sie auf abnorme Immunprozesse und Entzündungszeichen. "Die ersten Ergebnisse werden wir im Februar haben", sagte Mersch-Sundermann. "Daraus können wir hoffentlich Hinweise ableiten, ob ein Zusammenhang zwischen Gesundheit und Staubbelastung bestehen könnte."

Seiner Pilotstudie will der Forscher nun weitere Tests folgen lassen und dabei "Hunderte oder Tausende" einschließen. Er will damit auch auf Tests des BfR aufbauen: Das Institut hatte 98 Mitglieder der "Interessengemeinschaft Tonergeschädigte" untersucht, weil diese ihre Erkrankungen im Rahmen des Chemikaliengesetzes gemeldet hatten. Eine kausale Beziehung zwischen den Gesundheitsproblemen und einer Belastung durch Druckerstaub konnte das Institut allerdings nicht belegen. Nur in acht Fällen sprechen die Experten von einem wahrscheinlichen Zusammenhang.

Mit Material von AFP

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