Drogen: Anti-Kokain-Impfung in Sicht

Von Doris Marszk

In Zukunft wird der Genuss von Kokain keinen rechten Spaß mehr machen. Eine Behandlung mit dem neuentwickelten Impfstoff einer kalifornischen Arbeitsgruppe verdirbt schon jetzt Ratten den Kick der Euphorie.

Spritzen gegen Kokain-Sucht
DPA

Spritzen gegen Kokain-Sucht

Es kann sich nur noch um wenige Monate handeln, dann soll eine Impfung gegen Kokain-Sucht in greifbare Nähe rücken. Laut Kim Janda, Chemiker am kalifornischen The Scripps Research Institute in La Jolla, induziert der Impfstoff die Bildung von spezifischen Antikörpern durch das Immunsystem, die die Kokain-Moleküle abfangen und davon abhalten, ihr Ziel, das Zentrale Nervensystem, zu erreichen. Noch vor Jahresende würden die Tierversuche an Ratten abgeschlossen sein und die Erprobungsphase am Menschen beginnen. Die Schwierigkeit, einen Impfstoff gegen die Schicki-Micki-Droge zu entwickeln, besteht darin, dass Kokain keine Antikörperproduktion induziert, da seine Moleküle zu klein sind, um vom Immunsystem erkannt zu werden. Janda hat am Montag auf der nationalen Konferenz der American Chemical Society dargelegt, wie er dieses Hindernis umgangen hat: Er habe ein Kokain-Derivat in ein größeres Protein eingebunden. Über einen Zeitraum von einigen Wochen könne dann der Körper eine genügende Menge von Kokain-Antikörpern bilden, um eine "aktive Immunisierung" in Gang zu setzen. Außerdem hat Janda mit Hilfe von Klonierungstechniken Antikörper hergestellt, die, wenn sie dem Körper in großen Mengen zugeführt werden, die giftige Wirkung von Kokain-Überdosen abmildern können.

Im Gegensatz zum Heroin-Entzug gibt es für den Kokain-Entzug - abgesehen von psychotherapeutischen Maßnahmen - nur wenige medizinische Hilfsmittel. Auch deshalb setzt die Forschung große Hoffnung auf die Anti-Kokain-Impfung. Kokain gilt als eines der gefährlichsten Rauschmittel. Bis in die dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts war es relativ günstig und einfach zu bekommen und wurde nicht zuletzt deshalb zunächst eine Studentendroge. Seinen Ruf als Intellektuellen- und Jet-Set-Droge, den es bis heute hat, verdankt es seiner antriebssteigernden, stimulierenden Wirkung. Im Drogen- und Suchtbericht für 1998 des Bundesgesundheitsministeriums wird vermerkt, dass Kokain immer beliebter wird. Die Zahl derer, die wegen Kokainmissbrauch auffällig geworden sind, ist in Deutschland um 11 Prozent gestiegen, während die Zahlen für Ecstasy oder LSD stark rückläufig waren. Gleichwohl gilt Kokain als "unbekannter Suchtstoff", da Süchtige, die nur Kokain nehmen, aber keine anderen Drogen, im Vergleich etwa zu Heroinabhängigen seltener in der Öffentlichkeit auffallen und sich kaum an Hilfs- und Beratungseinrichtungen wenden.

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