Drogen- und Suchtbericht 2012: Jugendliche rauchen und trinken weniger

Einige erfreuliche Trends zeigt der Drogenbericht der Bundesregierung auf: Demnach greifen Jugendliche seltener zu Zigaretten oder Alkohol als früher. Sorgen bereitet den Suchtexperten jedoch, dass junge Menschen häufiger auf gewerbliche Glücksspiel-Angebote eingehen und viel Zeit online verbringen.

Verboten - und auf dem Rückzug: Weniger Jugendliche fangen mit dem Rauchen an Zur Großansicht
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Verboten - und auf dem Rückzug: Weniger Jugendliche fangen mit dem Rauchen an

Berlin - Jugendliche greifen in Deutschland zwar seltener zu Flasche, Zigaretten oder Joint - insgesamt haben aber Millionen Bundesbürger erhebliche Suchtprobleme. Ein großes Risiko sieht der neue Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung in Glücksspielautomaten. Drogenbeauftragte Mechthild Dyckmans (FDP), die den Bericht am Dienstag vorstellte, zeigte sich zudem besorgt über den "exzessiven oder pathologischen Computerspiel- und Internetgebrauch bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen".

Dyckmans kündigte an, die Bundesregierung peile noch vor der Sommerpause eine Verordnung an, um in Gaststätten die Zahl der Glücksspielautomaten - derzeit sind das maximal drei - zu reduzieren. Zu diesen Geräten haben auch Jugendliche unter 18 Jahren - entgegen den gesetzlichen Bestimmungen - meist unkontrollierten Zugang. Jugendliche und junge Erwachsene würden häufiger gewerbliches Glücksspiel nutzen, heißt es im Bericht. Damit steige das Suchtrisiko.

Eine gute Nachricht des Berichts: Immer weniger Jugendliche rauchen Zigaretten. Nicht einmal jeder Achte in der Altersgruppe von 12 bis 17 Jahren rauche mindestens einmal pro Woche. Insgesamt rauchen in Deutschland 14,7 Millionen Frauen und Männer ab 15 Jahren. Jährlich sterben in Deutschland etwa 110.000 Menschen an den direkten Folgen des Rauchens.

Ebenso sei der Alkoholkonsum bei Jugendlichen zurückgegangen. 14 Prozent der 12- bis 17-Jährigen gaben an, regelmäßig, also mindestens einmal wöchentlich, Alkohol zu trinken. Zum Vergleich: Im Jahr 2001 waren es knapp 18 Prozent. Dies zeige, dass die Drogen- und Suchtpräventionen der Bundesregierung positive Wirkung zeige, sagte Dyckmans. Allerdings würden knapp 40 Prozent der 18- bis 25-Jährigen regelmäßig Alkohol trinken. In Deutschland gelten insgesamt rund 1,3 Millionen Menschen als alkoholabhängig. Jedes Jahr sterben mehr als 73.000 Menschen an den Folgen des Alkoholmissbrauchs.

Medienkompetenz besser schulen

Erfahrungen mit illegalen Drogen machte jeder vierte Erwachsene im Alter von 18 bis 64 Jahren. Die Mehrheit probierte Cannabisprodukte. Der Anteil der Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die mindestens einmal Cannabis probiert haben, fiel von 15,1 Prozent im Jahr 2004 auf 6,7 Prozent im Jahr 2011.

Laut Bericht zeigen zudem rund 1,4 Millionen junge Menschen ein problematisches Internet-Nutzungsverhalten. Unter den 14- bis 24-Jährigen gelten rund 250.000 als internetabhängig - wobei dieses Phänomen bislang nicht als eigenständige Krankheit anerkannt ist.

Mechthild Dyckmans kündigte ein verstärktes Engagement an. Es bedürfe weiterer Anstrengungen zur besseren Aufklärung der Menschen über einen verantwortungsvollen Computer- und Internetgebrauch, erklärte Dyckmans. Zudem solle die Datenlage durch Studien verbessert werden.

wbr/dpa/AFP

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