Thüringen Rätsel der "Dunkelgräfin" ist gelöst - beinahe

Die mysteriöse "Dunkelgräfin" von Hildburghausen lebte vor 200 Jahren in einem abgeschiedenen Schloss in Thüringen. War sie die Tochter von Ludwig XVI.? Wissenschaftler haben den wichtigsten Teil des Rätsels jetzt gelöst.

DPA

Die als "Dunkelgräfin" bekannte Tote aus einem Grab im südthüringischen Hildburghausen ist nicht die französische Königstochter Marie Thérèse Charlotte de Bourbon. Das berichten Wissenschaftler in einer Fernsehdokumentation des MDR, die am Montag gezeigt wurde. Einwohner der Gegend und Historiker hatten seit mehr als 150 Jahren gerätselt, wer die Dame wirklich war.

Ein interdisziplinäres Wissenschaftlerteam hatte seit der Graböffnung 2012 umfangreiche Untersuchungen der sterblichen Überreste und vergleichende DNA-Analysen vorgenommen - und die Hoffnung auf die adlige Sensation zerstört.

Um die geheimnisvolle Frau, die auf dem Schulersberg begraben liegt, ranken sich mehrere Theorien. Um nicht erkannt zu werden, soll sie stets verschleiert gewesen sein. Ihr Beschützer schirmte sie all die Jahre vor der Dorfbevölkerung ab. Die Menschen um Hildburghausen nannten sie deshalb "Dunkelgräfin".

Tochter von Marie Antoinette und Ludwig XVI.

Nicht einmal einen Arzt oder Pfarrer zog der "Dunkelgraf" vor ihrem Tod 1837 hinzu. Offiziell wurde der Name der Unbekannten als Sofia Botta angegeben - doch dies glaubte in der Gegend niemand. Einen Tag vor seinem Tod verbrannte der Mann damals alle Dokumente.

Hartnäckig hatten sich bislang Gerüchte gehalten, dass die Tote im Schlossgrab die Tochter von Marie Antoinette und Ludwig XVI. sei und von 1807 an im Schloss Eishausen Zuflucht gesucht hatte. Marie Thérèse war die einzige Überlebende der während der französischen Revolution umgebrachten Königsfamilie.

Eine andere Legende besagt, dass eine Halbschwester den Platz der wahren Marie Thérèse eingenommen habe, da diese nach der jahrelangen Gefangenschaft und dem Tod der Eltern und des jüngeren Bruders, des Thronfolgers, psychisch angeschlagen war.

Keine Treffer in der Abstammungslinie

Nachdem der Stadtrat 2012 zugestimmt hatte, verglichen die Wissenschaftler die DNA-Proben der weiblichen Toten aus Hildburghausen mit denen der weiblichen Linie Maria Theresias, der Mutter von Marie Antoinette. Sie ergaben keine Übereinstimmung.

Ebenfalls keinen Treffer landeten die Wissenschaftler bei der Analyse von Proben aus dem Herzen von Ludwig XVII., dem Bruder von Marie Thérèse, das in einer Basilika in Paris aufbewahrt wird. Im Jahr 2000 hatten Wissenschaftler bereits dessen DNA analysiert und mit lebenden Nachfahren verglichen. Der MDR ließ zudem eine Speichelprobe von Alexander Prinz von Sachsen untersuchen. Sie stimmte mit dem DNA-Ergebnis des Kronprinzen überein, aber nicht mit der DNA aus dem Grab der "Dunkelgräfin".

"Damit können wir eindeutig sagen: Die Dunkelgräfin kann nicht die Prinzessin sein", sagte Walter Parson, Molekularbiologe am Institut für Gerichtliche Medizin der Medizinischen Universität Innsbruck. Auch ein Vergleich des Totenschädels der Dunkelgräfin mit Kinderbildern führte zu keinem eindeutigen Ergebnis.

"Es bleibt aber sehr spannend, wer die Dunkelgräfin wirklich war, denn wir haben eine nicht alltägliche DNA-Sequenz", ergänzte Sabine Lutz-Bonengel vom Institut für Gerichtsmedizin des Universitätsklinikums Freiburg. Damit bestehe die Chance, die mütterliche Linie der "Dunkelgräfin" zu finden.

nik/dpa



insgesamt 40 Beiträge
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tagesgast_01 29.07.2014
1. Warum die Enttäuschung?
Das wichtigste Merkmal der französischen Revolution war die Zerschlagung des Adels, das ist auch gut und richtig gewesen. Man stelle sich heutzutage vor, wie es leider noch in Spanien und England üblich ist, dass nur das Geburtsrecht entscheidet, wer Führer eines Landes wird. Ganz schön bescheuert, aus meiner Sichtweise, sowas ist antiquiert und gehört in die Kiste.
cindy2009 29.07.2014
2. eintagsfliege
Nicht Ihr ernst, oder? Befassen Sie sich bitte mit Geschichte und dem Begriff Monarchie.
Hamberliner 29.07.2014
3. Gräfin von Dunkeldeutschland?
Zitat von sysopobs/ MDR/ Ursula Wittwer-BackofenDie mysteriöse "Dunkelgräfin" von Hildburghausen lebte vor 200 Jahren in einem abgeschiedenen Schloss in Thüringen. War sie die Tochter von Ludwig XVI? Wissenschaftler haben den wichtigsten Teil des Rätsels jetzt gelöst. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/dunkelgraefin-war-keine-prinzessin-und-nicht-tochter-von-ludwig-xvi-a-983512.html
Dass man Thüringen und Umgebung, die Ex-DDR, im Volksmund als "Dunkeldeutschland" bezeichnet hat sich ja herumgesprochen. Aber dass es auch eine Gräfin von Dunkeldeutschland, eine Dunkelgräfin, gegeben haben soll (und zwar nicht Margot Honecker), das überrascht mich.
Dublin Lad 29.07.2014
4.
Zitat von tagesgast_01Das wichtigste Merkmal der französischen Revolution war die Zerschlagung des Adels, das ist auch gut und richtig gewesen. Man stelle sich heutzutage vor, wie es leider noch in Spanien und England üblich ist, dass nur das Geburtsrecht entscheidet, wer Führer eines Landes wird. Ganz schön bescheuert, aus meiner Sichtweise, sowas ist antiquiert und gehört in die Kiste.
Sie haben schon von den Begriffen parlamentarische bzw. repräsentative Monarchie gehört? Die derzeitigen Königshäuser und deren Macht mit den absolutistischen Herrschern Ende des 18. Jahrhunderts gleich zu stellen zeugt von Unkenntnis
RechtAufFreiheit 29.07.2014
5. Äääh, ich dachte immer...
...die Dunkelgräfin war Margot Honecker ^^
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