Durchschnittsgröße: Europas Männer sind kräftig gewachsen

Wehrpflichtige im Jahr 1957: Daten von Rekruten ermöglichten es, den Größenzuwachs europäischer Männer zu berechnen Zur Großansicht
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Wehrpflichtige im Jahr 1957: Daten von Rekruten ermöglichten es, den Größenzuwachs europäischer Männer zu berechnen

Elf Zentimeter in 110 Jahren: Die Durchschnittsgröße der europäischen Männer ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gestiegen. Ein britischer Forscher erklärt das Phänomen.

Europas Männer sind in der Zeitspanne von 1870 bis 1980 im Durchschnitt um elf Zentimeter größer geworden. Diese einmalige "Wachstumsexplosion" beschreibt ein britischer Forscher im Fachmagazin "Oxford Economic Papers". Als wichtigsten Grund machte der Ökonom Timothy Hatton von der University of Essex in Colchester Fortschritte bei der Krankheitsbekämpfung aus. Er hatte Daten zur Größe von rund 21 Jahre alten Männern aus 15 europäischen Ländern analysiert.

Derzeit sind junge Männer in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamtes rund 1,80 Meter groß. Hatton hatte für die jüngere Vergangenheit auf solche nationalen Größentabellen zurückgegriffen. Für die früheren Jahrzehnte wurden vor allem Daten von Wehrdienstpflichtigen und Rekruten genutzt. Für Frauen sei eine ähnliche Analyse kaum durchzuführen, schreibt der Forscher.

"Die Zunahme der Körpergröße ist ein Schlüsselindikator für Verbesserungen der durchschnittlichen Volksgesundheit", sagt Hatton.

Wachstum in Krisenzeiten

Erstaunlicherweise habe die Durchschnittsgröße der Nord- und Westeuropäer während der beiden Weltkriege und der Weltwirtschaftskrise stärker zugelegt als in den Jahren davor und danach.

"Die Zunahme der Körpergröße ist ein Schlüsselindikator für Verbesserungen der allgemeinen Gesundheit der Bevölkerung", sagt Hatton. Der erstaunliche Größensprung sei weniger mit medizinischen Durchbrüchen oder nationalen Gesundheitsprogrammen zu erklären, so die Forscher. Diese hätten sich erst in den folgenden Jahrzehnten großflächig ausgewirkt.

Eine mögliche Erklärung sei, dass in dem Zeitraum weniger Kinder geboren wurden - geringere Familiengrößen korrelierten stets mit ansteigenden Körpermaßen. Das Gesamtplus von elf Zentimetern lasse sich auf Faktoren wie höhere Pro-Kopf-Einkommen, bessere Sanitäreinrichtungen und Lebensbedingungen, vermehrtes Wissen über Gesundheit und Ernährung sowie ausgebaute Gesundheitssysteme zurückführen.

Die niederländischen Männer waren 1980 mit im Schnitt 1,83 Metern die größten Europäer - die Durchschnittsgröße ist dort in den vergangenen 110 Jahren um 14 Zentimeter gestiegen. Am unteren Ende der Wachstumsskala standen die Portugiesen mit 1,73 Metern.

wbr/dpa/AFP

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insgesamt 28 Beiträge
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1. Zeitschleife?
tel33 02.09.2013
Welche Relevanz haben Daten aus dem Jahre 1980 heute noch? Die Erkenntnis, dass die Menschen größer werden, hatte man auch schon vor 30 Jahren... und zwar nicht nur in Europa.
2. Freigabe der Daten
Held-der-Wahrheit 02.09.2013
Es ist zu vermuten, dass die Untersuchung im Jahre 2010 begonnen wurde, also 30 Jahre nach der Erhebung der letzten Daten, die für diese Untersuchung genutzt wurden. Dieser Zeitraum ist exakt der Zeitraum, in dem Akten unter Verschluss bleiben.
3.
nsa 02.09.2013
Zitat von sysop"Die Zunahme der Körpergröße ist ein Schlüsselindikator für Verbesserungen der durchschnittlichen Volksgesundheit", sagt Hatton.]
Keine absurde, aber eine mutig These, die Hatton doch mal begründen sollte. Ich denke mal die Zunahme der Körpergröße hängt eher mit der Ernährung zusammen, insbesondere mit der Erhöhung des Eiweiß-Anteils.
4. besser waere es
joker22 02.09.2013
durch die ja nun ueberaus erfolgreiche gentechnik die koerpergroesse des homo sapiens durchweg auf 10cm zu begrenzen, dann waere wieder platz auf der geplagten erde. die riesigen rinderfarmen (methanausstoss) koennten verschwinden; fleisch gibt´s genug: ratten. war nur ein spass!
5. Interessant ist, was im Artikel nicht erwähnt wird
socrateased 02.09.2013
Zitat von sysopElf Zentimeter in 110 Jahren: Die Durchschnittsgröße der europäischen Männer ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gestiegen. Ein britischer Forscher erklärt das Phänomen. Durchschnittsgröße: Europas Männer in sind 110 Jahren 11 cm gewachsen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/durchschnittsgroesse-europas-maenner-in-sind-110-jahren-11-cm-gewachsen-a-919813.html)
Interessant ist, was im Artikel nicht erwähnt wird. Und zwar die Stagnation der Akzeleration des Längenwachstums während ausgedehnterer Wirtschaftskrisen sowie während langfristiger, teils unterschwellig verlaufender Systemkrisen. Besonders interessant finde ich in diesem Zusammenhang, daß keine pro Land aufgeschlüsselten Daten aus den USA, aus der ehemaligen Sowjetunion, aus Afrika, Südamerika, China usw. genannt werden. Dadurch würde nämlich die meines Erachtens nicht wirklich tragfähige These im Artikel dezent ausgehebelt, zumal die Akzelerationswerte ja üblicherweise auch nach sozialen Schichten aufszuschlüsseln und auf eindeutig nachweisbare Wohlstandsfaktoren zu beziehen sind. Aber naja... das ist eben auch nur ein Thema unter vielen in einem Wahlkampf, in dem es "uns" ja so schrecklich gut geht. Hach, geht's uns doch immer gut.
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