Spektakulärer Fund Forscher puzzeln 300 Jahre alte Weltkarte zusammen

Es waren eigenartige Fetzen, die Bauarbeiter in einem schottischen Haus fanden. Doch statt im Müll landeten sie im Depot einer Bibliothek. Dann wurde der Fund restauriert - und ist nun eine Sensation.

National Library of Scotland

Im Jahr 2007 erhielt die National Library of Scotland in Edinburgh ein merkwürdiges Paket. In einer Plastiktüte übergab ein Geografielehrer aus Aberdeen einen Fund, der ihm von Bauarbeitern geschenkt wurde: Ein zusammengeknülltes, dreckiges Stück aus Papier und Stoff, das man leicht für Lumpen hätte halten können.

Doch selbst, wenn sich bei genauerem Hinsehen feine Linien auf der zerfetzten Oberfläche erkennen ließen: Den historischen Wert dürften die Beteiligten damals kaum erahnt haben.

Zunächst wanderte die Tüte, verstaut in einem Pappkarton einer schottischen Whiskymarke, ins Magazin. Erst im vergangenen Jahr nahmen sich Experten den vermeintlichen Lumpen vor. Dabei handelte es sich um eine wertvolle Weltkarte aus dem 17. Jahrhundert, stellte sich heraus.

Unter dem Titel "Nova Totius Terrarum Orbis Tabula" (neue Karte der gesamten Welt) hatte der Amsterdamer Kupferstecher Gerald Valck sie einst angefertigt. Vermutlich wurde sie um 1690 in London veröffentlicht. Es gibt nur noch zwei weitere Karten, die von Valck erhalten sind - also ein außergewöhnlicher Fund.

Insektenlarven und Nagerspuren

Doch bis aus dem Haufen wieder eine Karte wurde, war es ein langer Weg. Restauratorin Claire Thomson stand vor einer schwierigen bis unmöglichen Aufgabe. "Einige Fragmente waren wie Konfetti und nur wenige Millimeter groß", sagte sie. "Ich habe noch nie an einem so schlecht erhaltenen Stück gearbeitet und hatte große Zweifel, dass die Karte gerettet werden konnte." Zudem befanden sich Reste von Insektenlarven in der Karte, auch Nager hatten sich an ihr zu schaffen gemacht.

Nach monatelangen Arbeiten konnte nun das knapp zwei Meter breite und 1,6 Meter lange Stück erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt werden. "Das hätte ich nie für möglich gehalten, ich dachte, die Karte ist verloren", sagte Geografielehrer Brian Crossan, der sie einst der Bibliothek schenkte und sie nun erstmals wiedersah.

Das Stück wurde "Schornstein-Karte" getauft, weil sich zunächst das Gerücht hielt, dass Bauarbeiter die Karte bei Renovierungsarbeiten in einem alten Schornstein gefunden hätten. Zwar stellte sich später heraus, dass die Valck-Karte unter den Holzbohlen eines Fußbodens gefunden wurde, doch behielt sie ihren ersten Namen weiterhin.

Die Karte besteht aus acht Abschnitten. Sie wurde mit von Valck angefertigten Kupferplatten erstellt, mit der das Papier samt verklebtem Leinenuntergrund bedruckt wurde.

Zunächst mussten Restauratoren die brüchige Karte ausrollen und glätten. Dabei fielen etliche kleine Fragmente ab, so Thomson. Dann wurde der Kleber mithilfe von Gelatine angefeuchtet und gelöst, so konnte die Karte in ihre acht einzelnen Abschnitte zerlegt werden. Anschließend wurden die Teile in eine Feuchtigkeitskammer gelegt, wo sich das Papier erholen sollte und die Falt- und Knickkanten besser entfernt werden konnten. Dafür haben die Restauratoren schwere Platten eingesetzt, unter denen die Karte dann wieder trocknen konnte.

Jetzt erfolgte der schwierigste Teil: Die Entfernung des Leinenuntergrunds, der in einem schlechten Zustand war. Dafür wurde auf das Papier zur Stabilisierung spezielles Papier aus Japan aufgebracht, das mit einem Kleber auf Algenbasis die Oberfläche stabilisierte. Glücklicherweise war die Tinte nicht wasserlöslich, das erleichterte anschließend die Reinigung. Zuletzt wurden die acht Teile auf einem neuen Papieruntergrund wieder zusammengefügt.

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Alte Weltkarte: Konfetti in der Plastiktüte

Doch auch, wenn einige Teile der Karte wohl für immer fehlen, verrät sie genug Spannendes: Sie zeigt die Welt aus der Sicht der damaligen Niederlande. Auch die Ambitionen einer Kolonialmacht werden deutlich. Australien etwa wird als Neuholland bezeichnet. Auch auf die damalige Feindschaft mit Spanien erlaubte sich Valck einen Seitenhieb: Die Gräueltaten der spanischen Eroberer in Südamerika werden allzu deutlich bildlich dargestellt.

"Solche Wandkarten waren zu dieser Zeit auch Symbole der Macht", sagt Paula Williams, Kuratorin von der National Library. Die Herstellung war mit großen Kosten verbunden, dementsprechend waren sie sehr teuer. "Wer immer diese Karte besessen hat, wollte damit seinen Status unterstreichen", glaubt die Expertin.

Ab Mitte April ist die Karte in Edinburgh in der National Library of Scotland ausgestellt. Derzeit wird sie zudem digitalisiert.

joe



insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
Herbert Deichselmann 23.03.2017
1. Das Video ist sehr schön anzusehen...
...aber da fehlt ja die Hälfte der Karte.
hein.ch 23.03.2017
2. Beeindruckend
was es so für Restaurationsmöglichkeiten gibt. Und erstaunlich was alles möglich ist.
quark2@mailinator.com 23.03.2017
3.
In einer Welt wo immer mehr nur noch dem maximalen Gelderwerb gewidmet zu sein scheint, ist es eine Freude mal was anderes zu sehen. Schade, falls doch so viel fehlen sollte wie im Video und auch interessant, daß man sich entschied, den Untergrund zu wechseln. Die Bezeichnung "Neu-Holland" für Australien war allerdings normal. New York war ja auch mal New Amsterdam ...
at.engel 23.03.2017
4.
Bleibt die Frage, warum so etwas dann plötzlich auf die Schnelle - jedenfalls relativ unsorgfältig - versteckt werden muss.... "unter Holzbohlen eines Fußbodens"...
Sissy.Voss 24.03.2017
5.
Zitat von at.engelBleibt die Frage, warum so etwas dann plötzlich auf die Schnelle - jedenfalls relativ unsorgfältig - versteckt werden muss.... "unter Holzbohlen eines Fußbodens"...
Die Frage ist zwar zulässig, trifft aber wahrscheinlich nicht die Umstände damals. Da viele Teile trotz der sorgfältigen Restaurierung fehlen, kann man davon ausgehen, dass die Karte zum Zeitpunkt ihrer Deponierung schon nicht mehr in gutem Zustand war. Man hat sie deshalb vielleicht nicht "versteckt" sondern schlicht als Isoliermaterial unter die Dielenbretter geschoben. "plötzlich, auf die Schnelle, versteckt" sind eher romantische Unterstellungen.
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