Eiszeit: Erste Siedler auf Sizilien aßen kaum Fisch

Von wegen Mittelmeerdiät. Die ersten Sizilianer lebten zwar am Wasser, ernährten sich aber kaum von Fisch oder Meeresfrüchten - womöglich auch, weil ihnen die passenden Geräte fehlten. Forscher haben nun die Ursprünge und Lebensweise der frühen Siedler geklärt.

Küste von Favignana: In einer Grotte (Pfeil) wurden die Knochen entdeckt Zur Großansicht
Marcello A. Mannino

Küste von Favignana: In einer Grotte (Pfeil) wurden die Knochen entdeckt

Hamburg - Nudeln, Gemüse - und viel Fisch. So sehen die wichtigsten Zutaten der typisch sizilianischen Küche heute aus. Doch als das Gebiet besiedelt wurde, war das noch nicht so, zeigt eine aktuelle Studie. Die ersten Siedler auf Sizilien und den vorgelagerten Inseln ernährten sich wohl kaum anders als ihre Verwandten auf dem Festland - Fisch und Meeresfrüchte standen eher selten auf ihrem Speisezettel.

Sizilien wurde erst während der letzten Eiszeit vor 19.0000 bis 26.000 Jahren vom modernen Menschen besiedelt, wie ein Forscherteam vom Leipziger Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie im Fachmagazin "PLoS ONE" berichtet. Die Wissenschaftler untersuchten menschliche Knochen, die in einer Höhle auf der italienischen Insel Favignana vor der Westküste Siziliens entdeckt wurden.

"Diese Menschen kamen von der italienischen Halbinsel über Sizilien nach Favignana", sagte der Leiter des Teams, Marcello Mannino. Die Ergebnisse von Erbgutanalysen stützten die These, dass die Menschen Sizilien erst auf dem Höhepunkt der letzten Eiszeit besiedelten. "Zu dieser Zeit war der Meeresspiegel so niedrig, dass eine Landbrücke Sizilien mit der italienischen Halbinsel verbunden haben könnte, die Menschen und Landtieren den Zugang zur Insel ermöglichte," sagte Mannino.

Eine Isotopenanalyse der menschlichen Überreste gab zudem Aufschluss darüber, wie sich die eiszeitlichen Sizilianer ernährten: Sie behielten ihre Lebensweise als Jäger und Sammler bei - aßen also Landtiere und nutzten kaum die alternativen Proteinquellen aus dem Meer.

Einer der Gründe dafür: Die Siedler hatten schlicht noch keine geeigneten Technologien für den Fischfang entwickelt und konnten die Nahrungsressourcen aus dem Meer nicht im vollen Umfang erschließen, erläutert Mannino. Im Gegensatz dazu nutzten mesolithische Menschen an der europäischen Atlantikküste durchaus häufig das Meer als Nahrungsquelle. Dies könnte auch daran liegen, dass die küstennahen Bereiche dort fischreicher waren als jene im Mittelmeer vor Sizilien.

wbr/dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Mensch
RSS
alles zum Thema Anthropologie
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
Testen Sie Ihr Wissen!