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Ekel-Fotos: Belgien schockiert Raucher

Wer sich in Belgien Zigaretten kauft, muss demnächst entweder starke Nerven haben oder die Augen schließen: Schockierende Fotos zeigen, welche Folgen Rauchen haben kann - von Zahnausfall bis zum Krebsgeschwür. Ab Juni 2007 sollen die Bilder auf Zigarettenpackungen prangen.

Schriftliche Warnungen wie "Rauchen verursacht Krebs" reichen unserem Nachbarland nicht mehr: Drastische Fotos auf den Zigarettenpackungen sollen sollen Nikotinkonsumenten künftig zusätzlich abschrecken. Die Maßnahme der Europäischen Kommission ist bereits in Kraft getreten, bestätigte Philip Tod, Sprecher der Abteilung Gesundheit und Verbraucherschutz, gegenüber SPIEGEL ONLINE. Von dieser Woche an dürfen Tabakkonzerne demnach nur noch Päckchen mit Bildern ausliefern - einige Schock-Fotos begegnen Kunden schon in den Kaufregalen.

Die Einzelhändler müssen die restlichen, unbebilderten Bestände an Zigarettenpackungen binnen sechs Monaten austauschen. Die Motive sind zum Teil recht harmlos, etwa das eines Mannes, der sich verzweifelt an Gefängnisgitterstäbe in Form von Zigaretten klammert. Oder das einer Frau, die eine Maske aus Gesichtscreme trägt. Schockierend wirken dagegen etwa das Foto eines großen Kehlkopf-Krebsgeschwürs, ebenso wie eine Operation am offenen Herzen oder verfaulte Zähne, die sich um eine vernarbte und verfärbte Zunge gruppieren.

Bisher ist Belgien das einzige Land in der EU, das Zigarettenpäckchen mit Schock-Fotos in Umlauf bringen will. Den restlichen Mitgliedsstaaten bleibt freigestellt, ob sie sich künftig auch aus der Galerie von 42 Motiven bedienen möchten. Die EU-Kommission hatte die Bilder vor knapp zwei Jahren zusammengestellt und sich dabei auf Kanada berufen, wo die drastischen Warnhinweise bereits seit mehreren Jahren eingesetzt werden.

Initiator der Aktion ist der ehemalige EU-Gesundheitskommissar David Byrne. Er hatte die Fotogalerie im Oktober 2004 an alle 25 EU-Regierungen geschickt. Erhebungen der EU-Kommission zufolge sterben jährlich mehr als 500.000 Raucher an direkten und indirekten Folgen ihrer Sucht. Visuelle Eindrücke überbrächten derartige Botschaften jedoch um ein Vielfaches besser als schriftliche oder statistische Warnungen, hieß es damals.

Die jährlichen Kosten durch tabakbedingte Krankheiten hatte die EU vor rund einem Jahr auf 100 Milliarden Euro beziffert, die Einnahmen aus der Tabaksteuer im Jahr 2003 mit rund 14 Milliarden Euro. Die Bundesregierung hat sich mit Blick auf Prävention lediglich auf ein Rauchverbot in öffentlichen Räumen und Restaurants verständigt.

tos

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Forum - Gehen die Raucher-Schockbilder zu weit?
insgesamt 117 Beiträge
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1.
UlliK 05.12.2006
Das wird genau so viel (oder wenig) abschreckend wirken wie die bisherigen 'nur' Aufdrucke. Im Gegenteil: Die Abstumpfungsspirale gegenüber Schock und Horror wird sich weiter abwärts drehen, unter den Jugendlichen Einsteigern wird wieder gesammelt werden: Wer hat die coolsten Horror-Bilder? Und 'zu weit gehen'? Schauen Sie doch mal in tägliche Nachrichtensendungen. Wenn da halbzerfetzte Leichen zu sehen sind, wer soll sich da noch von solchen Bildchen auf Zigaretten-Packungen abschrecken lassen?
2. mit Bildern erreicht man die Jugendlichen
SaT 05.12.2006
Nee, das ist ja die traurige Wahrheit :-(. Ich habe selbst mal einen Verwandten in der Heidelberger Toraxklinik besucht – das geht einem sehr nah (rauche selbst ab und zu) . Das sollten die Kinder wissen bevor sie mit dem Rauchen anfangen - ich denke mit Bildern erreicht man auch die weniger intellektuelle Jugendlichen besser.
3.
Gwynplaine, 05.12.2006
---Zitat von sysop--- In Belgien sollen Raucher mit Ekelfotos vom Rauchen abgehalten werden. Eine nötige Schocktherapie oder unnötige Belästigung, auch für Nichtraucher? Sollte in Deutschland mit ähnlichen Bildern gearbeitet werden? Der Artikel zum Thema: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,452394,00.html ---Zitatende--- Als ich noch rauchte und die Gesundheitshinweise auf der Schachtel kamen, kaufte ich mir ein Etui und schmiss die Schachtel weg. So.
4. Gewaltverherrlichung
blowfish, 05.12.2006
Muss sagen, ich bin dagegen. Kann mich nur obigem Beitrag anschliessen, dass dann eben Etuis wieder mehr in Mode kommen werden. Allerdings frage ich mich, was solche Horrorbilder staatlich oktroyiert in der Oeffentlichkeit zu suchen haben. Welche Wirkung wird das wohl auf das Kleinkind haben, dass an der Supermarktkasse an solchen Bildern vorbei muss?! Und dann beschwert sich Beckstein ueber "Killerspiele"...
5.
Masterchief-OJ-Pimp, 05.12.2006
---Zitat von sysop--- In Belgien sollen Raucher mit Ekelfotos vom Rauchen abgehalten werden. Eine nötige Schocktherapie oder unnötige Belästigung, auch für Nichtraucher? Sollte in Deutschland mit ähnlichen Bildern gearbeitet werden? Der Artikel zum Thema: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,452394,00.html ---Zitatende--- Bin voll und ganz dafür! Wir sollten diese Bilder ebenfalls übernehmen und auf alle Packungen kleben. Belgien macht das ja nun nicht zum Spass. Die haben gesehen das in Kanada seit Jahren der Tabakkonsum drastisch zurückgeht seit die Bilder dort auf allen Packungen angebracht wurden. Den Menschen in Kanada geht es seitdem besser und die Gesundheitskosten gehen immer weiter zurück. Diese Bilder sollten bei uns auch Pflicht werden und Rauchverbote sollten auch in der kompletten Gastronomie gelten!
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Schock-Kampagne: Ekel-Bilder für Zigarettenschachteln

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