Prognose bis 2035: CO2-Ausstoß steigt jährlich um 1,1 Prozent

Die US-Regierung will den Ausstoß von CO2 reduzieren. Doch selbst wenn sie sich an ihre Ziele hält: Die weltweiten Trends im Energiesektor laufen in eine andere Richtung.

Kraftwerk Belchatow in Polen: Der billigste und verfügbarste Energieträger weltweit ist Kohle Zur Großansicht
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Kraftwerk Belchatow in Polen: Der billigste und verfügbarste Energieträger weltweit ist Kohle

Schlechte Aussichten fürs Weltklima: Bis 2035 werden die Kohlendioxid-Emissionen aus dem Energiesektor jedes Jahr um 1,1 Prozent steigen. Damit ist der Zuwachs des Ausstoßes zwar geringer als der Energieverbrauch insgesamt - aber immer noch mehr als von Klimaforschern gefordert. Um die weitere Freisetzung von CO2 zu bremsen, müsste die Energieerzeugung weltweit umgestaltet werden - bis zu einem Totalverzicht auf Kohle oder dem Auffangen des CO2 in Kohlekraftwerken. Doch das ist kaum realistisch.

Zwei Drittel der globalen CO2-Emissionen gehen auf den Energieverbrauch zurück - und der wächst kräftig weiter. Nur die Hälfte des gesteigerten Verbrauchs wird von erneuerbaren Trägern abgedeckt - der Rest von Öl, Gas und Kohle. Diese Bilanz ergeben Studien und Szenarien wie der World Energy Outlook der IEA, der BP Energy Outlook 2035 und der World Oil Outlook 2013 der Opec.

"Die energiebezogenen CO2-Emissionen steigen von 2011 bis 2035 um 20 Prozent an", mahnt die Internationale Energieagentur (IEA). "Damit würde sich die Welt weiterhin auf einen langfristigen durchschnittlichen Temperaturanstieg von 3,6 Grad Celsius zubewegen, der weit über der international vereinbarten Zwei-Grad-Grenze liegt." Die CO2-Emissionen würden dann 2035 doppelt so hoch liegen wie 1990.

Daran können weder die neuen Pläne Obamas zu Reduzierung der Treibhausgasmenge etwas ändern - noch die deutschen. Auch die Bundesregierung plant, den Ausstoß von CO2 bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren. Doch obwohl Deutschland ein starkes Industrieland ist, beträgt sein Anteil am globalen Energieverbrauch gerade einmal 2,5 Prozent

Im Jahr 2012 verbrauchte die Menschheit 12,5 Milliarden Tonnen Öläquivalente - das sind alle Energieträger umgerechnet auf Öl. Rund 86 Prozent des globalen Energieverbrauchs entfielen dabei auf Öl, Gas und Kohle. Bis zum Jahr 2035 wird der Verbrauch laut einer BP-Prognose jährlich um 1,5 Prozent ansteigen - das macht bis dahin einen Gesamtzuwachs von 41 Prozent. In der Summe wachsen die erneuerbaren Energien zwar am schnellsten und der Ölverbrauch legt nur noch wenig zu. "Insgesamt jedoch wird die weltweite Energienachfrage weiterhin überwiegend durch fossile Brennstoffe gedeckt", schreibt die IEA.

Mehr Wohlstand heißt mehr Energiebedarf

Unabhängig von den Energiespar-Bestrebungen einzelner Staaten treiben globale Mega-Trends treiben den Verbrauch unvermindert an:

- Die Weltbevölkerung wächst weiter, von heute rund sieben Milliarden Menschen auf acht bis neun Milliarden in 20 Jahren - je nach Studie. Mehr Menschen verbrauchen mehr Energie. Und etwa zwei Milliarden Menschen, vor allem in Afrika, haben noch gar keinen Zugang zu kommerzieller Energie. Wenn sich ihre Lebensumstände bessern sollten, kommen auch sie als Verbraucher dazu.

- Immer mehr Menschen leben in Städten - mittlerweile mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung, mit steigender Tendenz. Ein Städter verbraucht mehr Energie als ein Mensch auf dem Land. Ein immer höherer Anteil der Primärenergie wird zur Stromproduktion eingesetzt.

- Der Wohlstand in den Schwellenländern nimmt tendenziell zu, die Armut nimmt ab. Das steigert den Konsum und den Energieverbrauch. Allein die Zahl der Autos dürfte sich bis 2035 mehr als verdoppeln, von heute 1,1 auf 2,3 Milliarden. 130 (heute 20) von 1000 Indern werden dann ein Auto haben und 360 (heute 80) von 1000 Chinesen.

- Mit der Bevölkerung steigt auch die Wirtschaftsleistung. Das globale Wachstum wird in den nächsten 20 Jahren den meisten Studien zufolge mehr als drei Prozent betragen. Das heißt: mehr Fabriken, mehr Dienstleistungen, mehr Verkehr, mehr Energieverbrauch.

Die Gefahr, die in diesem Wachstum liegt: Der billigste und verfügbarste Energieträger weltweit ist die CO2-Schleuder Kohle, deren Verbrauch stärker zunimmt als der Ölkonsum. Noch stärker allerdings wächst der Verbrauch von Gas, das Öl in einigen Bereichen ersetzt.

Hoffnung können lediglich einige Entwicklungen bringen, die den Verbrauch fossiler Energien bremsen. Dazu zählt vor allem ein effizienterer Energieeinsatz, der am meisten bringt und unter Konkurrenzbedingungen auch am leichtesten zu verwirklichen ist. Ohne eine verbesserte Effizienz würde sich der Energieverbrauch bis 2040 verdoppeln.

Aber auch die Entwicklung der erneuerbaren Träger hilft, fossile Energien zu sparen. Die erneuerbaren Träger weisen das größte Wachstum auf, doch ihr Anteil an der globalen Versorgung steigt bis 2035 nur von zwei auf sieben Prozent. Die Auswirkung ist minimal: In 20 Jahren wird die Welt knapp 18 Milliarden Tonnen Öläquivalente verbrauchen. Davon entfallen je rund 27 Prozent auf Öl, Kohle und Gas - also zusammen immernoch 81 Prozent gegenüber den 86 Prozent von heute.

anf/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 97 Beiträge
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1. Mathetik & Co
Jabagrafs 02.06.2014
Zitat von sysopPrognose bis 2035: CO2-Ausstoß steigt jährlich um 1,1 Prozent Die energiebezogenen CO2-Emissionen steigen von 2011 bis 2035 um 20 Prozent an..
1,1% ab heute wären in 2035 ein Anstieg von 25%. 20% ab heute bis 2035 wären eine jährliche Steigerung von 0,87% 20% ab 2011 bis 2035 wären eine jährliche Steigerung von 0,76% Nebenbei: Die jährliche Steigerungsrate der letzten 10 Jahre betrug im Schnitt über 7%! Zusammen 91%! http://flari2013.fl.funpic.de/Strom/CO2-Ausstoss.PNG
2. Berichtigung!
Jabagrafs 02.06.2014
Zitat von JabagrafsNebenbei: Die jährliche Steigerungsrate der letzten 10 Jahre betrug im Schnitt *über 7%*! Zusammen *91%*!
Nebenbei: Die jährliche Steigerungsrate der letzten 10 Jahre betrug im Schnitt *2,85%*! Zusammen *26,5%*!
3.
ir² 02.06.2014
Zitat von sysopDie US-Regierung will den Ausstoß von CO2 reduzieren. Doch selbst wenn sie sich an ihre Ziele hält: Die weltweiten Trends im Energiesektor laufen in eine andere Richtung. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/energieerzeugung-co2-ausstoss-steigt-jaehrlich-um-1-1-prozent-a-972843.html
Die Klimaposse geht munter weiter, dabei könnte man es besser wissen.... http://krahmer.freepage.de/klima/thieme/thieme.html .... Die Temperaturbedingungen in unserem Lebensraum haben wir - neben der durch die Sonne zugeführten Energie - allein dem Vorhandensein und den Eigenschaften der Lufthülle einschließlich der Präsenz des Wassers zu verdanken. Solange die Luft in trockenem Zustand 79% Stickstoff und 21% Sauerstoff und unter Normalbedingungen außerdem Feuchtigkeit enthält, der Luftdruck in Meereshöhe weiterhin bei ungefähr 1 bar bleibt, können die Spurengase keine anderen Qualitäten und Wirkungen erzeugen. Nach dem Wissensstand der Physik, insbesondere der Thermodynamik (Wärmelehre), ist es ausgeschlossen, daß es durch Spurenanteile von CO2 und/oder anderen vergleichbaren Gasen in der Luft zu einer Erwärmung bzw. zu einem Klimaproblem kommen kann. Lediglich der Wassergehalt der Atmosphäre ist klimawirksam. Die Wirkungen unterschiedlicher Wassergehalte dürften jedoch im Bereich der bisher beobachteten Klimavariationen in der Spanne von trockenen und feuchten Jahren liegen, also keine katastrophalen Ausmaße annehmen. Da aber die Klimakirche den Weltuntergangsmythos braucht, und der Finanzminister das Geld aus der Luftsteuer, wird das Märchen von der Erderwärmung durch CO2 wohl weiter gepredigt. Amen.
4. Es müßte richtig heißen
fpwinter 02.06.2014
"Zwei Drittel der VOM MENSCHEN VERURSACHTEN globalen CO2-Emissionen gehen auf den Energieverbrauch zurück" Vom Gesamtanteil des CO2 in der Atmosphäre 400 ppm oder 0,4 Promille oder 0,04 Prozent) beträgt Gesamtanteil des vom Menschen verursachten CO2 etwa 30 Gigatonnen; dem gegenüber stehen aber etwa 350 Gigatonnen, die allein durch die Insekten-Atmung verursacht werden! ...Kann hier noch jemand Mathe...?
5.
reuanmuc 02.06.2014
Zitat von fpwinterdem gegenüber stehen aber etwa 350 Gigatonnen, die allein durch die Insekten-Atmung verursacht werden! ...Kann hier noch jemand Mathe...?
Die Insekten atmen aber schon seit vielen Jahrmillionen. Haben Sie ein Indiz, dass deren Atmung in den letzten Jahrzehnten dramatisch zugenommen hat? Treiben die Ameisen plötzlich Hochleistungssport, oder haben sie sich massenhaft vermehrt? Offenbar kapieren Sie nicht, was das Problem ist. Über die letzten Jahrmillionen war der CO2-Gehalt ziemlich konstant. Seit der Mensch Kohle, Erdöl und Erdgas verfeuert, steigen die CO2-Emissionen und dadurch der CO2-Gehalt der Atmosphäre steil an.
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