Energieschleudern Briten verdoppeln Zahl der Außen-Heizstrahler

Schönen Gruß vom Klimawandel: Die Zahl der Außen-Heizstrahler, bekannt aus Biergärten und Cafés, wird sich in britischen Privathaushalten im nächsten Jahr voraussichtlich verdoppeln. Politiker und Umweltschützer fordern, den Verkauf der Energieschleudern zu stoppen.


Die Briten versinken derzeit in Regenfluten, die Premierminister Gordon Brown auf die globale Erwärmung zurückführt. Sie diskutieren mit Leidenschaft über stromfressende Standby-Schaltungen an Fernsehgeräten, sie geißeln sich selbst für die Stromverschwendung beim Teewasser-Erhitzen. Und jetzt das: Die Zahl der Heizstrahler wird sich im kommenden Jahr in Großbritannien wahrscheinlich verdoppeln, wie die BBC unter Berufung auf eine Umfrage des Energy Saving Trust berichtet.

Heizstrahler (in einem Café in Dresden): Die Energieschleudern werden immer beliebter
DDP

Heizstrahler (in einem Café in Dresden): Die Energieschleudern werden immer beliebter

Die Geräte gelten als Sinnbilder der Energieverschwendung: Menschen, die sich auch mit einem Pulli warmhalten oder sich in Häuser zurückziehen könnten, hocken angeregt plaudernd im Freien und lassen sich von Gas-Heizstrahlern wärmen. Diese Form des sorglosen Verpulverns von Energie wird in Großbritannien stark zunehmen, glaubt man der Erhebung des Energy Saving Trust.

Die Organisation hat 1192 Haushalte befragt. Das Ergebnis: Der Bestand an privaten Heizstrahlern wird sich im nächsten Jahr von derzeit 1,2 Millionen auf 2,3 Millionen nahezu verdoppeln. Zwei Drittel der Besitzer habe angegeben, das Gerät ein- bis zweimal pro Woche zu benutzen. Der Energy Saving Trust schätzt auf dieser Basis, dass ein durchschnittlicher Wärmestrahler doppelt so viel Gas im Jahr verbraucht wie ein Gasherd.

Hinzu kommt, dass auch Menschen, die weder Terrasse noch Garten besitzen, die Verbreitung der wärmenden Energieschleudern fördern. 31 Prozent der Befragten gaben an, dass sie Kneipen mit geheiztem Außenbereich bevorzugen. "Damit beeinflussen sie den größeren und schädlicheren kommerziellen Bereich", sagte Philip Sellwood, Geschäftsführer des Energy Saving Trusts. "Die Wirte machen die Heizstrahler wünschenswert - was sie nicht sind."

Rauchverbote tragen zur Heizstrahler-Verbreitung bei

Die zuletzt in Großbritannien eingeführten Rauchverbote in öffentlichen Gebäuden verschärften das Problem, da nun noch mehr Raucher im Freien sitzen wollten. Eine Untersuchung von British Gas ergab im Juni, dass jeder zweite schottische Pub nach der Einführung des Rauchverbots im März 2006 mindestens einen Außen-Heizstrahler angeschafft hat.

Ein einzelner Heizstrahler stößt laut British Gas fast vier Tonnen Treibhausgase im Jahr aus, mehr als ein durchschnittliches Auto - basierend auf Zahlen der britischen Regierung, denen zufolge ein kommerziell genutzter Heizstrahler an 237 Tagen im Jahr etwa fünf Stunden lang benutzt wird.

"Wir appellieren an verantwortungsvolle Händler, den Verkauf von Heizstrahlern angesichts ihres großen Kohlendioxid-Ausstoßes zu überdenken", sagte Sellwood. Damit ist er in guter Gesellschaft: Erst im vergangenen Monat forderte Londons Bürgermeister Ken Livingstone, die Verbreitung der "verschwenderischen" Heizstrahler zu stoppen.

mbe



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