England Mini-Stonehenge entdeckt

Ganz in der Nähe von Stonehenge haben Archäologen Spuren eines Mini-Steinkreises entdeckt. Der Fund bestätigt nach Meinung der Forscher, dass Stonehenge einst Teil einer großen Beerdingungsstätte war.

Bluehenge in Westengland (Zeichnung): Nach Meinung der Forscher wurden am nun entdeckten Steinkreis Verstorbene eingeäschert
AP / Peter Dunn / University of Manchester

Bluehenge in Westengland (Zeichnung): Nach Meinung der Forscher wurden am nun entdeckten Steinkreis Verstorbene eingeäschert


Stonehenge gehört zu den größten Attraktionen Englands. Doch über den Zweck der gigantischen Steinkreise rätseln Forscher bis heute. War es eine Pilgerstätte, eine Art steinzeitliches Lourdes, zu dem Kranke in der Hoffnung auf Heilung kamen? Eine Steinzeit-Großstadt? Oder handelte es sich um einen gigantischen Friedhof, eine Stadt für die Toten? Für diese These sprechen zahlreiche Gräber von Feuerbestattungen, die an der Stätte entdeckt wurden.

Bestärkt wird die Friedhofstheorie nun möglicherweise durch den Fund eines Mini-Stonehenges nur wenige Kilometer von den legendären Steinkreisen entfernt. Britische Archäologen hatten nahe des einstigen Flussbettes der Avon gegraben - in 2,8 Kilometer Entfernung von Stonehenge. Bluehenge heißt die Stätte, weil die Forscher in der Erde auch einige Bruchstücke des Basaltgesteins Dolerit (Bluestone) gefunden hatten, die wohl von den einst dort aufgerichteten Steinblöcken stammen.

In der Erde stieß das Team von Julian Thomas (University of Manchester) auf die Abdrücke von 25 großen Steinen, die einst einen Kreis von etwa zehn Meter Durchmesser gebildet haben. Die Steinkreise von Stonehenge sind fünfmal größer. Die Blausteinblöcke wurden später aus Bluehenge entfernt und dürften nach Meinung der Forscher beim Bau von Stonehenge etwa 2500 Jahre vor Christus verwendet worden sein.

"Nur wenige wissen, dass Stonehenge damals die größte Begräbnisstätte der Insel war", sagte Mike Parker Pearson von der University of Sheffield. "Vielleicht war der Blausteinkreis der Ort, wo Tote verbrannt wurden, bevor ihre Asche in Stonehenge beerdigt wurde." Bluehenge könne den Anfang eines Prozessionswegs markiert haben, der am Fluss begann und zu Stonehenge führte. Die Entdeckung bestätige, dass der Fluss damals eine enorme religiöse Bedeutung gehabt habe, sagte Julian Thomas. "Alles hängt mit dem Fluss zusammen."

Seit 2003 bereits gräbt ein Team von fünf Universitäten in Stonehenge, um das Rätsel der Steinkreise aufzuklären. Bluehenge könnte sich als wichtiger Mosaikstein des Gesamtbildes entpuppen. Die Forscher glauben, dass die Blausteine über eine Distanz von 240 Kilometern aus Wales herbeigeschafft wurden. Mit einer Radiokarbondatierung soll der Zeitpunkt festgestellt werden, zu dem Bluehenge entstand.

hda/AP



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