Entdeckung im Münsterland: Archäologen feiern Römerlager-Fund

Die ersten Hinweise gab es vor mehr als 100 Jahren - jetzt ist die Entdeckung endlich geglückt: Archäologen haben ein römisches Militärlager bei Olfen im Münsterland aufgespürt. In der Region ist es der bedeutendste Fund dieser Art seit Jahrzehnten.

Militärlager an der Lippe: Spuren der Römer Fotos
dapd

Olfen/Münster - Archäologen im Münsterland freuen sich über einen seltenen Fund aus der Römerzeit: Sie haben Überreste eines rund 2000 Jahre alten Militärlagers der Römer im Erdboden bei Olfen im Kreis Coesfeld entdeckt. Keramik, Münzen und Gewandspangen zeugen vom Alltag der römischen Truppen. Außerdem wiesen die Archäologen einen Graben rund um das Lager sowie eine Holzmauer nach, mit der die knapp 1000 stationierten Legionäre vor Angriffen geschützt wurden.

Die mehr als fünf Hektar große Anlage aus der Zeit von Kaiser Augustus war wahrscheinlich ein Versorgungs- und Militärlager, mit dem die Römer den Übergang über die Lippe kontrollierten. Vermutlich war die Anlage eine Etappenstation zwischen den rund 20 Kilometer entfernten Militärposten in Beckinghausen und Oberaden.

Erste Spur vor über hundert Jahren entdeckt

"Dieses Römerlager suchen die Archäologen seit mehr als hundert Jahren, es ist das fehlende Glied in der Kette römischer Militärlager an der Lippe", sagte Wolfgang Kirsch, Direktor des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL). Er sprach von einem "Sensationsfund für die Römerforschung in Westfalen". Hinweise auf das Lager gibt es schon seit mehr als einem Jahrhundert: 1890 wurde ganz in der Nähe ein römischer Bronzehelm entdeckt.

Zu einem ersten Durchbruch führte die Spurensuche vor knapp drei Jahren, als ehrenamtliche Mitarbeiter des LWL Kupfermünzen auf einem Acker fanden. Mit Metalldetektoren und Luftbildaufnahmen konnten die Archäologen das Römerlager schließlich lokalisieren.

Anhand der Fundstücke gelang den Wissenschaftlern eine exakte Datierung. So soll die im Vergleich zu anderen römischen Lippelagern eher kleine Anlage von 11 bis 7 vor Christus bestanden haben, ehe die Römer sie aufgaben. Demzufolge befand sich das Lager zur Anfangszeit römischen Besetzung Germaniens rechts des Rheins und wurde in der Zeit der Drusus-Feldzüge genutzt.

Für die Archäologen bedeutet der Fund eine Menge Arbeit. Die Erforschung des Lagers werde wahrscheinlich einige Jahrzehnte in Anspruch nehmen, sagte LWL-Chefarchäologe Michael Rind. Die letzte vergleichbare Entdeckung in der Region liegt weit zurück. 1968 wurde in Anreppen an der Lippe ein fest ausgebautes, winterfestes Römerlager entdeckt.

wbr/dapd/dpa

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insgesamt 2 Beiträge
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1. Gratulation
Diviacus 25.10.2011
Zitat von sysopDie ersten Hinweise gab es vor mehr als 100 Jahren - jetzt ist die Entdeckung endlich geglückt: Archäologen haben ein römisches Militärlager bei Olfen im Münsterland aufgespürt. In der Region*ist es der bedeutendste Fund dieser Art seit Jahrzehnten. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,793934,00.html
Wunderbar. Ich freue mich für die Archäologen und gratuliere.
2.
papayu 28.03.2013
Waren diese Gladiatoren nicht die Catcher von damals. Gemeint ist bestimmt ein Legionenlager!!
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Gladiatorenschule von Carnuntum: Sensationsfund in Österreich

Archäologische Methoden der Datierung
Radiokarbondatierung
Das radioaktive Kohlenstoffisotop C-14 wird in der Atmosphäre ständig durch kosmische Strahlung erzeugt und gelangt in Form von Kohlendioxid (CO2) in die Biosphäre. Pflanzen, die CO2 aufnehmen, werden von Tieren und Menschen gegessen. Sie enthalten eine niedrige Aktivität, die überall und über lange Zeiträume gleich ist. Stirbt ein Lebewesen, nimmt es kein C-14 mehr auf und die Aktivität klingt in 5730 Jahren um die Hälfte ab. Je älter ein Fund, desto geringer seine Aktivität. Man kann damit bis zu einem Alter von circa 50.000 Jahren datieren.
Lumineszenzdatierung
Sie beruht auf einem Strahlenschaden durch die fast überall vorhandenen radioaktiven Elemente Uran, Thorium und Kalium. Die Halbwertszeiten der Radionuklide dieser Elemente sind so lang, dass man von einem konstanten Radioaktivitätspegel ausgehen kann. Als Sensoren für die Strahlenschäden verwendet man meist Quarz und Feldspäte, die in Keramik und in Sedimenten immer vorhanden sind. Diese Minerale senden Licht aus, wenn sie erhitzt werden (Thermolumineszenz) oder beleuchtet werden (optisch stimulierte Lumineszenz). Je älter die Keramik, desto stärker das Leuchten.
Stratigraphie
Über die Stratigraphie wird das Alter eines Gegenstands anhand der Erdschicht bestimmt, in der er vorgefunden wurde. Die Schichten (lateinisch Straten) entstehen durch natürliche Ablagerungen und menschliche Aktivitäten. Die Stratigraphie kann deshalb gut mit den anderen Methoden kombiniert werden. Wurde beispielsweise ein Holzstück mit der C-14-Methode präzise datiert, kennt man auch das Alter eines Fundstücks, das in direktem Zusammenhang in derselben Erdschicht lag.