Enthüllung: "Titanic"-Suche diente als Tarnung für Geheimmission

Robert Ballard entdeckte 1985 die "Titanic". Ein spektakulärer Fund, der ihm nur mit finanzieller Unterstützung der US Navy gelang, wie er nun enthüllt. Ballard kreuzte demnach im Geheimauftrag der Militärs im Atlantik, die "Titanic"-Suche diente als Tarnung.

Als der US-amerikanische Unterwasser-Archäologe Robert Ballard vor 23 Jahren das Wrack der "Titanic" entdeckte, ahnte die Welt nicht, dass sein Erfolg in Wahrheit der Deckmantel für eine geheime Mission war.

Denn die Suche kostete Geld. Geld, das Ballard nicht hatte. Und so bat er 1982 die US-Marine um finanzielle Unterstützung bei seinem Vorhaben, den 1912 gesunkenen Luxusliner zu finden. Ballard hatte einen neuartigen Unterwassertauchroboter entwickelt. Mit ihm wollte er das Wrack im Nordatlantik aufspüren.

Das Militär hatte großes Interesse an seinem Tauchroboter - aber nicht an seinem Vorhaben. Stattdessen wollte die US Navy wissen, was mit ihren beiden Atom-U-Booten "USS Thresher" und "USS Scorpion" passiert war. Die beiden U-Boote waren in den sechziger Jahren, in der Hochzeit des Kalten Krieges, im Nordatlantik gesunken, 200 Menschen kamen dabei ums Leben. Seitdem hatte das US-Militär den Verdacht gehegt, dass zumindest eines von ihnen, die "USS Scorpion", von der Sowjetmarine versenkt worden war.

Das Militär, so Ballard, wollte nicht viel für die Suche nach dem Linienkreuzer ausgeben. Es schlug ihm einen Deal vor: Ballard sollte sich auf die Suche nach den verschollenen U-Booten machen, dann könne er sich um die "Titanic" kümmern. Dabei diente die Suche nach dem Wrack der "Titanic" als perfekter Vorwand für Ballards geheime Mission.

"Es war, als wäre sie durch einen Schredder gejagt worden"

"Ich durfte es niemandem sagen", sagte Robert Ballard der britischen Zeitung "The Times". Auf ihm habe enormer Druck gelastet. "Es war eine geheime Mission."

Dennoch, so Ballard, empfand er die Mission als fairen Deal für die finanzielle Unterstützung seiner "Titanic"-Suche. Und tatsächlich fand er die beiden U-Boote: "USS Thresher" war nahe der Wasseroberfläche implodiert und in Tausende Stücke zerbrochen. Auch die "USS Scorpion" war fast vollständig zerstört. "Es war, als wäre sie durch einen Schredder gejagt worden", sagte Ballard. Er fand eine lange Spur von Trümmerteilen.

Was das Militär aus seinen Entdeckungen für Schlüsse zog, weiß Ballard bis heute nicht: "Wir übergaben den Experten die Daten. Das war unsere Aufgabe: Daten zu sammeln." Was das Militär mit seinen Daten anstellte, erfuhr Ballard nie.

Doch Ballard profitierte von der geheimen Mission nicht nur finanziell: Die Untersuchung der zerstörten U-Boot-Wracks und das Muster der Trümmerverteilung der U-Boote halfen ihm beim Auffinden der "Titanic" in 4000 Metern Tiefe.

Ballard entdeckte später noch viele andere Wracks, unter anderem das deutsche Kriegsschiff "Bismarck", und das britische Passagierschiff "Lusitania", die im Ersten Weltkrieg durch ein deutsches U-Boot versenkt wurde.

lub

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