Erbanlagen Forscher entdecken 13 Risiko-Gene für Herzinfarkt

Erbliche Faktoren tragen viel mehr zum Herzinfarkt-Risiko bei, als bisher angenommen. Das belegt eine neue Großstudie, an der über hundert Ärzte und Forscher beteiligt waren. Das Wissen könnte helfen, einem Infarkt künftig besser vorzubeugen.

CT-Aufnahme eines Herzens: Jährlich sterben europaweit 750.000 Menschen am Infarkt
DPA

CT-Aufnahme eines Herzens: Jährlich sterben europaweit 750.000 Menschen am Infarkt


Die Anfälligkeit für einen Herzinfarkt kann erblich bedingt sein: Ein Konsortium internationaler Wissenschaftler hat 13 neue Risikogene für koronare Herzerkrankungen und Herzinfarkt entdeckt. Damit hat sich die Anzahl, der bisher bekannten Gene, die mit einem erhöhten Risiko in Verbindung gebracht werden, mehr als verdoppelt. Dadurch sei belegt, dass erbliche Faktoren bei der Entstehung von Herzinfarkten eine größere Rolle spielten als bisher angenommen, sagte einer der insgesamt zehn Erstautoren der Studie, der Lübecker Professor Heribert Schunkert.

Untersucht wurden jeweils zwei Millionen Marker im Erbgut von insgesamt rund 87.000 Probanden weltweit. Das Ergebnis dieser weltweit größten genetischen Studie zu diesem Thema ist im Wissenschaftsjournal "Nature Genetics" veröffentlicht.

Die Studienart, die Genetiker anwendeten, ist eine Methode, die in den vergangenen Jahren immer mehr in Mode gekommen ist: Sie nennt sich GWAS, was auf Englisch Genome-wide association study heißt und mehr oder weniger eine Kombination aus epidemiologischen Studien und Genom-Analysen darstelle. Dabei untersuchen die Forscher sogenannte Punktmutationen, das heißt einzelne veränderte Bausteine der DNA, die ungleich verteilt im menschlichen Genom auftreten, und von Mensch zu Mensch unterschiedlich sind. Insgesamt analysierten die Forscher Daten aus 14 GWAS. Dabei verglichen sie das Erbgut von mehr als 22.000 herzkranker Patienten mit dem Genom von 60.000 gesunden Menschen.

Insgesamt wurden nach Angaben Schunkerts 23 genetische Varianten nachgewiesen, die das Herzinfarktrisiko erhöhen. "Viel mehr Menschen als bisher bekannt tragen die erbliche Veranlagung zum Herzinfarkt in sich", sagte Schunkert. Doch die Studie habe auch gezeigt, dass nur wenige dieser Varianten das Risiko über die klassischen Risikofaktoren wie hohe Cholesterinwerte oder hohen Blutdruck steuern. "Bei der überwiegenden Mehrheit der Risikogene spielen Mechanismen eine Rolle, die es noch zu erforschen gilt", sagte Schunkert.

Gemeinsam mit der Lübecker Firma Euroimmun arbeiteten die Wissenschaftler schon seit einiger Zeit an einem Test, der das Infarktrisiko eines Menschen feststellen kann. "Der könnte in zwei bis drei Jahren verfügbar sein", schätzt die Koordinatorin der Studie Jeanette Erdmann von der Universität Lübeck. Wichtiger ist für Schunkert jedoch der Nutzen für die Prävention. "Wenn wir den Mechanismus verstehen, können wir die Vorbeugung verbessern", sagte er. Der Herzinfarkt ist in Deutschland eine der häufigsten Todesursachen. Europaweit sterben jedes Jahr rund 750.000 Menschen daran.

cib/dpa



insgesamt 5 Beiträge
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Geometretos 07.03.2011
1. .
Ich dachte, wir hätten letztes Jahr gelernt, daß Intelligenz NICHT vererbbar ist (obwohl jeder beobachten kann, daß sie es doch ist). Nun will man uns weis machen, daß das Herzinfarktrisiko vererbbar ist - ts ts.
mitbürger 07.03.2011
2. ....
Ja, die Entschlüsselung des Genoms wird noch viele solche Überraschungen hervorbringen. Sehr interessant und sehr spannend. Wie die Menschen darauf reagieren, wenn sie nur neun von 13 Risikofaktoren haben? Reicht dann der Verzicht auf's Rauchen oder muss das Übergewicht eher reduziert werden?
Ulrich lr., 07.03.2011
3. Na, und?
Zitat von sysopErbliche Faktoren tragen viel mehr zum Herzinfarkt-Risiko bei, als bisher angenommen. Das belegt eine neue Großstudie, an der über hundert Ärzte und Forscher beteiligt waren. Das Wissen könnte helfen, einem Infarkt künftig besser vorzubeugen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,749432,00.html
Logo, dass die Genetiker so etwas herausfinden. Die Zahnärzte fanden hingegen vor langer Zeit heraus, dass die Herzgesundheit maßgeblich von den Zähnen beeinflusst werden kann. Im Leib- und Magenblatt der Podologen lesen wir sicherlich demnächst, dass gepflegte Füße einen viel größeren Einfluss auf das Herz haben als gedacht. ;-) Und so hat jeder etwas zu sagen und zu forschen...
pulegon 07.03.2011
4. Ausgeleiert und trotzdem immer wieder
Zitat von sysopErbliche Faktoren tragen viel mehr zum Herzinfarkt-Risiko bei, als bisher angenommen. Das belegt eine neue Großstudie, an der über hundert Ärzte und Forscher beteiligt waren. Das Wissen könnte helfen, einem Infarkt künftig besser vorzubeugen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,749432,00.html
Koinzidenz (http://de.wikipedia.org/wiki/Koinzidenz) ist nicht Kausalität. Außerdem war es keine neue Großstudie, sondern eine Meta (http://de.wikipedia.org/wiki/Metastudie)studie. Und solange man nicht herausgefunden hat, was diese Genvarianten mit Herzkrankheiten zu tun haben, wird es auch nicht helfen diesen vorzubeugen. Evolutionär gesehen kann man es auch einfach so ausdrücken: Die Genvarianten haben trotz ihrer Koinzidenz mit Herzkrankheiten bis heute eine Verbreitung erfahren, als müssen Sie auch vorteilhafte Aufgaben erfüllen.
y2m 07.03.2011
5. Ein Luegner
Zitat von GeometretosIch dachte, wir hätten letztes Jahr gelernt, daß Intelligenz NICHT vererbbar ist (obwohl jeder beobachten kann, daß sie es doch ist). Nun will man uns weis machen, daß das Herzinfarktrisiko vererbbar ist - ts ts.
Beobachten kann man nicht ohne andere Faktoren ebenfalls zu berücksichtigen. Nur derjenige, der nicht wissenschaftlich arbeitet, kann Ihre Beobachtungen beobachten. Intelligenz und auch der Herzinfakt ist keine Einbahnstraße, vielmehr ein Ergebniss von unterschiedlich stark wirkenden Einflüssen.
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