Erbanlagen Gen-Quartett lässt Brustkrebs Metastasen bilden

In der Krebsforschung melden Wissenschaftler mehrere Durchbrüche: Sie haben verfolgt, welche Gene zusammenspielen, wenn Tumore in der Brust Tochtergeschwulste in der Lunge bilden. Außerdem identifizierten Mediziner Gene, die Lungenkrebszellen besonders empfänglich für eine Chemotherapie machen.


Für Frauen im Alter zwischen 30 und 60 Jahren ist keine andere Todesursache so wahrscheinlich wie Brustkrebs. Eine bösartige Geschwulst in der Brust ist bei Frauen die häufigste Krebsart - der Leidensdruck, und damit der Anreiz für Forscher und Arzneiproduzenten sind damit besonders hoch.

Brustkrebs: Forscher finden Gene, die mit der Krankheit assoziiert sind - doch daraus werden nicht automatisch auch Therapien
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Brustkrebs: Forscher finden Gene, die mit der Krankheit assoziiert sind - doch daraus werden nicht automatisch auch Therapien

Doch je besser Mediziner Entstehung und Wachstum von Tumoren entstehen, desto mehr Faktoren rücken ins Blickfeld. Wissenschaftler aus den USA haben sich nun auf die Bildung der gefürchteten Metastasen konzentriert - und darauf, welche Gene diese Tochtergeschwulste begünstigen. Metastasen sind die wesentliche Ursache für den Krebstod.

Die Biologen um John Massagué von der Howard Hughes Medical Institution in New York fanden vier Gene, die im Zusammenspiel das Gefäßsystem von Brustkrebs-Primärtumoren verändern. Dieselben Gene (sie tragen die Bezeichnungen EREG, MMP1, MMP2 und COX2) sind auch für die Ausbreitung von Tochtergeschwülsten etwa in die Lunge verantwortlich, berichten die Forscher in der Wissenschaftszeitschrift "Nature".

Bereits zuvor waren indes mehrere Gene für die Ausweitung von Brustkrebs auf die Lunge gefunden. Massagué und seine Kollegen demonstrierten nun aber erstmals das Zusammenspiel zwischen diesen Erbanlagen bei der Bildung von Tumor-Blutgefäßen, bei der Entsendung von Krebszellen ins Blut sowie beim Eindringen dieser Tumorzellen in die Lunge. Medikamente, die auf mehr als eines der Gene zielen, könnten gegen Brustkrebs-Metastasen wirken, folgern die Mediziner aus ihren Ergebnissen.

Unzählige Einflussfaktoren, unklarer Zusammenhang

Ein Team um Michael White von der University of Dallas im US-Bundesstaat Texas veröffentlichte eine Studie in "Nature", in der sie ebenfalls Erbanlagen untersucht hatten. Sie konnte 87 Gene aussortieren, die Lungenkrebszellen besonders empfänglich für eine bestimmte Art von Chemotherapie machen: Werde die Tätigkeit dieser Gene gedrosselt, so seien die Krebszellen Tausend Mal empfänglicher für eine Behandlung mit dem gängigen Stoff Paclitaxel, berichten die Mediziner. Für einzelne Gene gibt es bereits Wirkstoffe. Nun könnten nach Ansicht von White auch Mittel für die übrigen Gene und Kombi-Präparate entwickelt werden.

Empfehlungen der Art, wie sie von Massagué und White formuliert wurden, sind indes weit von der klinischen Realität entfernt. Sie stellen eher Anregungen für die weitere Forschung dar - eine Standardkomponente am Ende jedes Fachaufsatzes.

Auch die Schlüsse, welche Forscher des Hamburger Universitätskrankenhauses Eppendorf nach Veröffentlichung ihrer Ergebnisse in der Fachzeitschrift "Nature Genetics" gezogen hatten, gehören in diese Kategorie: Sie hatten festgestellt, dass beim Gen ESR1 besonders früh Veränderungen festgestellt werden können, die auf einen Tumor in der Brust schließen lassen. Doch nur bei rund jeder fünften Brustkrebspatientin liege auch eine ESR1-Veränderung vor. Diese könnten jedoch besonders gut behandelt werden könnten. Das Gen selbst war indes lange als Einflussfaktor bei Brustkrebs bekannt.

Welchen Stellenwert dies im größeren Rahmen hat, ist indes unklar. Dass eine - ebenfalls - Hamburger Boulevardzeitung einen "Sensations-Erfolg" vermeldete, dürfte eher der örtlichen Nähe zum Klinikum geschuldet sein.

stx/AFP



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