Erbgut-Analyse: Neue Gene für Bluthochdruck entdeckt

Die Höhe des Blutdrucks hängt auch vom Erbgut ab. Forscher haben nun weitere Gene identifiziert, die den Druck in den menschlichen Adern beeinflussen. Die Entdeckung könnte bei der Therapie Betroffener helfen.

Bluthochdruck ist ein weit verbreitetes Phänomen. Jeder dritte US-Bürger ist davon betroffen. Mögliche Folgen sind Erkrankungen am Herzen, Herz- oder Leberversagen. Wissenschaftler wissen seit langem, dass neben der Ernährung und der Lebensführung auch genetische Faktoren den Blutdruck eines Menschen beeinflussen. Ein erstes für Hochdruck verantwortliches Gen wurde bereits Ende 2008 identifiziert.

Blutdruckmessung beim Arzt: "Bluthochdruck ist schwierig zu erforschen"

Blutdruckmessung beim Arzt: "Bluthochdruck ist schwierig zu erforschen"

Nun haben Forscher der Johns Hopkins University in Baltimore mehrere weitere Gene entdeckt, die Einfluss auf die Höhe des Blutdrucks eines Menschen haben. Damit sind nach Angaben der Wissenschaftler derzeit bereits zwölf Gene bekannt, die an der Druckregulierung in den Adern beteiligt sind. Wenn man, wie von Experten prognostiziert, im kommenden Jahr die Zahl der bekannten involvierten Gene von zwölf auf 50 erhöhe, dann werde sich "unser Verständnis der Biologie komplett verändern", sagte Aravinda Chakravarti vom McKusick-Nathans Institute of Genetic Medicine der Hopkins University.

Um die verantwortlichen Gene zu finden, analysierten die Forscher die Unterschiede im Genom von 29.000 Menschen europäischer Abstammung. Die Experten interessierten sich für genetische Unterschiede, die mit einem erhöhten Blutdruck korrelierten. Dabei stießen sie auf elf Variationen in den DNA-Sequenzen.

Veränderungen im Gen ATP2B1 stünden mit erhöhtem Blutdruck und Bluthochdruck (Hypertonie) in Zusammenhang, schreiben die Forscher im Fachblatt "Nature Genetics". Das Gen ATP2B1 ist für die Produktion eines Proteins verantwortlich, dass Kalzium aus den Zellen in die Adern befördert. Auch Änderungen beim Gen SH2B3, das für ein Immun-Protein kodiert, waren mit einem erhöhten Blutdruck verbunden.

Nach Angaben der Forscher sind alle nun entdeckten Genveränderungen in der Bevölkerung weit verbreitet. Die Studie stütze die Hypothese, dass nicht eine einzelne Variation, sondern die Veränderung vieler Gene erhöhten Blutdruck oder Hypertonie zur Folge hätten, sagte Chakravarti. Er glaubt, dass ein einzelnes verändertes Gen nur einen geringen Einfluss auf den konkreten Blutdruck hat.

"Bluthochdruck ist schwierig zu erforschen", sagte der Forscher. Er stelle eher eine charakteristische Eigenschaft eines Menschen dar und sei nicht per se eine Krankheit. Die neuen Erkenntnisse über genetische Zusammenhänge könnten helfen, die Behandlung Betroffener zu verbessern und Risiken früher zu erkennen.

Weltweit leiden mehr als eine Milliarde Menschen unter Bluthochdruck und sieben Millionen sterben jedes Jahr an den Folgen wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Die Mediziner kennen verschiedene Möglichkeiten, Bluthochdruck zu behandeln, aber nur etwa die Hälfte der Patienten erreicht wieder normale Werte. Etwa jeder fünfte spricht auf keine Behandlung an. Viele Faktoren für Bluthochdruck sind bekannt: Zu viel Alkohol, zu wenig Bewegung und stark salzhaltige Speisen erhöhen ihn. Prinzipiell bekannt war auch, dass Bluthochdruck vererbbar ist.

hda/ddp

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